Haisterkirch - Da hatte Hausmeister Franz Kibler richtig geschätzt und die Bestuhlung in der Gemeindehalle coronabedingt großzügig so ausgerichtet, damit 75 Personen Platz finden konnten. Alle Stühle waren dann am Donnerstagabend (6. August) auch benötigt worden.
Diesen guten Besuch hatte wohl niemand erwartet an dem sonnigen Abend, zumal die Urlaubszeit begonnen hatte. Zu der Veranstaltung hatten gemeinsam die Kirchengemeinde, repräsentiert durch Pfarrer Stefan Werner und der gewählten KGR-Vorsitzenden Waltraud Ruf sowie die Ortschaftsverwaltung, repräsentiert durch Ortsvorsteherin Rosa Eisele, eingeladen.
Hauptreferentin Gina Wiegräfe freute sich sehr über den großen Zuspruch und erklärte nach der Begrüßung dann dem Publikum, in welcher Funktion und Rolle sie sich sehe. Gina Wiegräfe gehört zum Beraternetzwerk „Allianz für ´Beteiligung“. Sie unterstützt über das Förderproramm des Landes Baden-Württemberg unter dem Motto „Gut beraten“ die Ortschaft Haisterkirch für eine geraume Zeit.
Beratungsgegenstand war und ist die Dorfmitte von Haisterkirch. Diese erfährt durch den vom Kirchengemeinderat am 12. Februar 2019 gefassten und genehmigten Beschluss das Pfarrhaus zu verkaufen, eine eventuell gravierende Veränderung. Dass der Verkauf noch nicht über die Bühne gegangen ist, hängt damit zusammen, dass die Verantwortlichen der Kirchengemeinde wie der Ortschaft über die zukünftige Gestaltung der Ortsmitte wie über die Nutzung der Immobilie „Pfarrhaus“ gerne Einfluss nehmen möchten.
Bekanntlich diente das Pfarrhaus nach dem Tod von Pfarrer Theodor Tallafuß als Flüchtlingsunterkunft für syrische Familien. Die Miete übernahm der Landkreis. Jetzt ist Leerstand zu verzeichnen.
Kann hier ein soziales Projekt entstehen im Sinne von „Miteinander-Füreinander“, ist jetzt zu einer Kernfrage geworden. Schon einmal war von Seiten der Ortschaftsverwaltung angeregt worden eine seniorengerechte Wohnbebauung auf dem damals zum Kauf stehenden Hof Nold (ebenfalls Dorfmitte) anzustreben. Das Wunsch-Vorhaben konnte damals nicht realisiert werden.
Jetzt also sollte in einem ersten Schritt bei dieser Informationsveranstaltung ein Katalog von Ideen, Wünschen, Anregungen gefunden werden. Wie stellen sich die Bürger zu einem Bauprojekt in der Ortsmitte und was soll aus dem 1100 Quadratmeter großen Areal „Pfarrhaus Haisterkirch“ werden?
Dazu hatte Gina Wiegräfe gleich fünf Arbeitsgruppen eingeteilt. Alle hielten sich an die nach Corona-Regeln geforderten Abstände. Vier Gruppen trafen sich im Freien vor und eine Gruppe in der Halle.
Diskussionsbeiträge und Ideen wurden von den Sprecherinnen und Sprechern der einzelnen Gruppen gesammelt und dann von diesen im Plenum vorgetragen. Es war eine Vielzahl von Ideen und Wünschen zu den Leitthemen, die dann von der Prozessbegleiterin Gina Gräfe an die Pin-Wand geheftet wurden.
Einige Anregungen seien hier genannt. „ Dorfgemeinschaft stärken, Ort der Begegnung schaffen, Ort für Schüler- und Jugendbetreuung, Stätte für Inklusion, eine Cafeteria oder einen Dorfladen einrichten, Seniorenbetreuung, Ort für Tagespflege, Ort der Geborgenheit, betreutes Wohnen, multifunktionales Gebäude, Jugendherberge, Gemüsegarten, einfach eine freie Rasenfläche vor der Kirche nach Abriss des Pfarrhauses,, Ort für alle, Genossenschaft gründen, usw“.
Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass hier ein vierstöckiger Wohnkomplex entstehen könnte.
In der folgenden Diskussion aller Anwesenden zurück in der Gemeindehalle äußerten sich etliche Teilnehmer/innen und trugen ihre Bedenken vor wie: „Wer finanziert denn das alles? Schließlich will die Kirchengemeinde, die noch Schulden hat bezüglich der erst abgeschlossenen Kirchensanierung, einen ordentlichen Erlös erzielen“. „Wie gewinnt man Unternehmer und Investoren für solche Vorhaben?“ „Ist das Ganze realisierbar?“ Eine Diskussionsteilnehmerin brachte es auf den Punkt mit der Anregung: „ Es wäre doch sinnvoll, wenn da vorne jetzt vier Investoren sitzen und die dann Stellung zu unseren Fragen und Anregungen nehmen würden.“
Die Diskussionsrunde dauerte länger als im Zeitrahmen eingeplant worden war. Beraterin Gina Wiegräfe war übrigens mit dem regen Verlauf sehr zufrieden und erklärte dann noch, wie es weitergehen soll mit folgendem Vorschlag für die nächsten Schritte: „Gemeinsame Vision - In welche Richtung gehen (Ideenausschluss) – Was ist der tatsächliche Bedarf?“
Jedenfalls darf man gespannt sein auf weitere interessante Veranstaltungen rund um das Thema. „Haisterkircher Pfarrhaus“
Text und Fotos: Rudi Martin

