Bad Waldsee - Am 17. März hielt der Verein „Gelebte Solidarität“ nach dreijähriger pandemiebedingter Pause wieder eine Mitgliederversammlung ab. Im Mittelpunkt standen die Rechenschaftsberichte über die Jahre 2019 bis 2022, Neuwahlen zum Vorstand sowie die weitere Entwicklung des Vereines. Außerdem berichteten die Vertreterinnen von Besuchsdienst und Nachbarschaftshilfe von ihrer Arbeit.
Pfarrer Thomas Bucher, Nachfolger von Dr. Görres als Vorsitzender des Vereins, konnte ca. 80 Mitglieder und Interessierte begrüßen, besonders unseren ehemaligen Bürgermeister Rudolf Forcher, der selbst seit vielen Jahren Mitglied des Vereines ist.
Zunächst stellte Pfarrer Bucher der Versammlung die noch amtierenden Vorstandsmitglieder vor. Anstelle von Pfarrer Bucher, der das Amt des Vorsitzenden erst jüngst übernommen hat, trug Veronika Linder als Vorstandsmitglied einen kurzen Tätigkeitsbericht vor. Pandemiebedingt fanden nur wenige Vorstandssitzungen statt, bei denen es im Wesentlichen um Spendenvergaben ging.
Hohes Spendenaufkommen
Kassier Paul Kohlschreiber konnte anschließend sowohl erfreuliche als auch weniger erfreuliche Zahlen vorlegen. Weniger erfreulich stellt sich dabei die Mitgliederentwicklung dar. Denn im Verlauf der letzten vier Jahre hat sich die Mitgliederzahl von 557 auf 456 Mitglieder verringert. Dieser Rückgang wird sich auf Grund der Altersstruktur des Vereins weiter beschleunigen. Erfreulich jedoch haben sich in diesem Zeitraum die Finanzen gestaltet. So hat der Verein in den vergangenen vier Jahren rund 2700 € an Mitgliedsbeiträgen eingenommen und konnte sich, das ist das besonders Erfreuliche daran, über ein beträchtliches Spendenaufkommen in Höhe von rund 18.000 € freuen.
30.000 € für die Suppenküche
Den Einnahmen von rund 45.000 € standen Ausgaben in Höhe von 48.000 € gegenüber. Diese gingen zuvorderst mit insgesamt 30.000 € an die Suppenküche. Mit fast 13.000 € konnte der Verein Menschen in Not unter die Arme greifen. Hierzu zählt auch die Unterstützung örtlicher Dienste. Die in der Pfarrgemeinde aktiven sozialen Dienste mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern wurden für ihr Engagement mit 6700 € bedacht. Dazu zählen Besuchsdienst, Nachbarschaftshilfe, Trauerpastoral und Hospizgruppe. Für Geschäftsführung und Sonstiges fielen rund 4000 € an. Ca. 1000 € gingen an Vereinsmitglieder auf Grund satzungsmäßiger Ansprüche. Insgesamt verfügte der Verein Ende 2022 über ein erfreuliches Gesamtvermögen von 376 000 €. Die Kasse war zuvor vom kirchlichen Verwaltungszentrum Allgäu-Oberschwaben in Kißlegg geprüft und ohne Beanstandung bestätigt worden.
Einmalige Sonderpauschale
Seine Mitglieder und Menschen in Not zu unterstützen ist die Kernaufgabe, die DNA des Vereines. Auf Grund des sehr erfreulichen Kassenstandes hat der Vorstand, wie Pfarrer Bucher berichtete, entschieden: Alle Vereinsmitglieder, die einen Pflegegrad 2,3,4 oder 5 nachweisen können, erhalten auf Antrag zur Reduzierung ihrer Pflegekosten eine zunächst einmalige Sonderpauschale in Höhe von 250 € zum Ende des Jahres ausbezahlt.
Ausbau der Caritas-Beratung wird unterstützt
Derzeit berät die Caritas, wie Pfarrer Bucher berichtete, in der Robert-Koch-Straße in Bad Waldsee an zwei Wochentagen Menschen, die in großer Not sind und dringend finanzielle Unterstützung brauchen. Weil aber viele nicht in der Lage sind, die vielen komplizierten Anträge an die staatlichen oder entsprechende Förderstellen zu richten, resignieren sie oft und müssen so auf ihre berechtigten Unterstützungsgelder verzichten. Da diese Beratungen durch die Caritas bei weitem nicht ausreichen, um allen helfen zu können, hat sich der Verein entschieden, einen dritten Beratungstag mitzufinanzieren. Für die nächsten drei Jahre wird der Verein dafür 30 000 € zur Verfügung stellen in der Erwartung, dass die Pfarrgemeinde St. Peter den Rest der Personalkosten für diesen dritten Beratungstag übernimmt. Mit dieser Beratungserweiterung versprechen sich Pfarrgemeinde und Verein äußerst effektive Hilfen für in Not geratene Mitbürger. Dieser Beschluss wurde lebhaft begrüßt.
Besuchsdienst und Nachbarschaftshilfe
In einem kurzen, aber interessanten Statement gab die Vertreterin des Besuchsdienstes, Frau Gertrud Meier, einen Einblick in die ehrenamtliche Tätigkeit des Besuchsdienstes. Auch Frau Gisela Dreiz-Scheck , Einsatzleiterin der Nachbarschaftshilfe, stellte sich und die Arbeit ihres sozialen Dienstes vor. Beide Vertreterinnen konnten vor Ort brennende Fragen aus erster Hand beantworten. Gleichzeitig bedankten sich beide Frauen äußerst herzlich für die spontanen und unkomplizierten finanziellen Zuwendungen, die sie seit vielen Jahren schon von der „Gelebten Solidarität“ entgegennehmen dürfen.
Volker Daum und Georg Köberle mit Dank verabschiedet
Neben Verabschiedungen aus dem Vorstand standen Ersatzwahlen an. Es wurden die langjährigen Beisitzer und Vorstandsmitglieder Volker Daum und Georg Köberle nicht nur mit herzlichen Dankesworten, sondern auch mit einem Weinpräsent und kräftigem dankbarem Beifall verabschiedet. Zwei Vorstandsmitglieder mussten neu gewählt werden. Nach kurzer Vorstellung der Kandidaten wurden in einem offenen Wahlgang Frau Paula Lang – sie war bisher als Abgesandte des Pfarrgemeinderates Mitglied im Vorstand – und Gottfried Kehr in den neuen Vorstand der „Gelebten Solidarität“ gewählt. Komplettiert wird der siebenköpfige Vorstand durch die noch anstehende Neuberufung einer/eines Vertreterin/Vertreters aus dem Pfarrgemeinderat St. Peter.
Leistungsansprüche präzisiert
Um künftigen Missverständnissen bezüglich Leistungen an die Mitglieder vorzubeugen, präzisierte der Vorsitzende die satzungsmäßigen, bisher teilweise allgemein gehaltenen Leistungsansprüche der Mitglieder. Der Vorstand stellte klar, dass zum Beispiel für „Essen auf Rädern“ sowie auf Zuzahlungen bei Arzneimittelrezepten keine Hilfen gewährt werden können. Hingegen können die Mitglieder Hilfen unter anderem für Pflegeleistungen, Kosten für Hilfsmittel wie zum Beispiel Beschaffung eines Rollators bezuschusst werden.
Es werden Mitgliedsausweise zugestellt
Die Mitglieder erhalten in einem noch folgenden Rundbrief die entsprechenden Erläuterungen. Da eine Reihe von Mitgliedern, besonders aber Angehörige von Mitgliedern, oft nicht wissen, dass sie überhaupt Mitglieder sind, werden in diesem Rundbrief die Mitgliedsausweise zugestellt bekommen, eine Nachricht, die mit großer Zustimmung aufgenommen wurde.
Aufgrund der ausführlichen Tätigkeitsberichte samt Aussprache ergaben sich keine weiteren Fragen. Nach zweistündiger Dauer schloss Pfarrer Bucher eine informative und interessante Mitgliederversammlung 2023. Und nach Beendigung der Versammlung gab’s noch ein kleines Bonbon: Vier Gäste haben dem Kassier spontan ihren Aufnahmeantrag übergeben.
Text: Paul Kohlschreiber

