Michelwinnaden - Am Montagabend, 13. März, lud die Ortschaftsverwaltung Michelwinnaden zu einem Info-Abend über die Dorfentwicklung ein. Anlass war die Auswertung einer großen Befragung aller Michelwinnader zur Situation des Dorfes.
Ortsvorsteher Frieder Skowronski konnte in der Burg ca. 70 interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Bürgermeisterin Monika Ludy, die Ortsvorsteher von Mittelurbach und Reute-Gaisbeuren, Franz Spehn und Achim Strobel, und die Verwaltungsleiterin von Michelwinnaden, Claudia Altvater, begrüßen.
Michelwinnaden habe sich von einem landwirtschaftlich geprägten Dorf zu einem Wohnort entwickelt, führte Skowronski aus. Die erste Umfrage nach den Wünschen der Bürger stammt aus dem Jahr 2012. Damals kristallisierten sich drei Themen heraus: die Nahversorgung, Kunst und Kultur sowie der Verkehr.
Ein voller Erfolg: der Dorfladen
Der von einer Bürger-Genossenschaft getragene Dorfladen sei ein voller Erfolg geworden, bilanzierte Skowronski. Auch in Kunst und Kultur gebe es Bewegung: Eine neue Ausstellung sei für dieses Jahr geplant. Die angedachte Homepage sei allerdings aufgrund eines nicht leistbaren Arbeitsaufwandes wieder eingeschlafen und die Mitfahrzentrale sei ebenfalls zu wenig nachgefragt worden und ebenfalls eingegangen.
„Ein ausgezeichneter Rücklauf“
Wo drückt den Bürger der Schuh 2023, wie können wir unser Dorf voranbringen, waren die Fragen, die sich der Ortschaftsrat stellte und die in einem Fragebogen zu zwölf Themenkomplexen zusammengefasst und allen Bürgern von Michelwinnaden per Post zugestellt wurden. 100 ausgefüllte Fragebogen kamen zurück. „Ein ausgezeichneter Rücklauf“, wie Frieder Skowronski betonte. Nach Alter kamen ziemlich genau die Hälfte der Rückläufer von der Altersgruppe 36 bis 56 Jahre, 33 % über 60 Jahre und 13 % stammen von den jungen Jahrgängen 18 bis 35 Jahre.
Eine Werbeanzeige Michelwinnadens aus den 1950er-Jahren zeigte, wo in den letzten 70 Jahren Veränderungen stattfanden und was blieb.

Konnte Michelwinnaden in den 50ern noch mit Gasthöfen und zwei wöchentlichen Busverbindungen nach Waldsee und Biberach punkten, sind von den damaligen Attraktionen nur noch der Urwald, die ruhige Lage und die Wasserscheide Rhein/Donau geblieben.
Was denken die Michelwinnader selbst über ihre aktuelle Situation?
Wohnen
Mit der Wohnsituation rundum zufrieden sind 38 %, zufrieden sind 61 % und nur einer ist nicht zufrieden. Die große Mehrheit der Michelwinnader (55 % ) möchten auch im Falle der Pflegebedürftigkeit im eigenen Haus, der eigenen Wohnung bleiben, jeweils 12 % könnten sich vorstellen, sich an einem barrierefreien Wohnbauprojekt oder einem ehrgenerationenhaus zu beteiligen, 22 % haben Interesse an betreutem Wohnen im Ort.
Was fehlt?
Was die Bürger am meisten vermissen, ist eine Gaststätte (43 Nennungen), einen Arzt (24) und schnelles Glasfaser (11). Jugendraum und Grünmüll-Entsorgung mit 8, Baden im Weiher mit 7, einen Bankomat und einen Zebrastreifen mit 4 Nennungen waren weitere genannte Defizite.
Verkehr
Bei der Frage, wie wünschen sich die Michwelwinnader ihre Mobilität, war der Wunsch nach einer besseren Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr ganz klar vorne. Gab es früher noch zwei wöchentliche Verbindungen nach Biberach und Waldsee, ist’s nach Biberach ganz aus und nach Bad Waldsee kommt man nur mit dem Schulbus.
Ein Verbindung nach Bad Waldsee wünschen sich 71, nach Aulendorf 20, nach Biberach 16 und nach Ravensburg immerhin noch 10. Für den Ausbau der Radwege votierten 64 Stimmen. Vor allem die Spange Englerts bis Haslach würde den Radverkehr echt voranbringen, wurde angemerkt. Bürgerbus und Rufbus waren ebenfalls Themen.
Ehrenamt und Vereine
Ins Ehrenamt bringen sich 50 der 100 Antwortenden ein, weitere 12 könnten sich ein Engagement vorstellen. Ausreichend bis super fanden 91 das Angebot an Vereinen, 8 könnte sich noch ein bisschen mehr vorstellen. Möglichkeiten, sich einzubringen, gibt es in Michelwinnaden viele: im Verein als Übungsleiter oder Funktionär, beim Naturpfad, im Dorfladen oder bei den nächsten Wahlen als Ortschafts- oder Gemeinderat.
Bauen
63 % der Befragten halten die Ausweisung von Gewerbegebieten und 58 % die Ausweisung von Wohnbauflächen für sinnvoll.
Örtliche Information
Gut informiert über das Geschehen in der Gemeinde halten sich 56 %, 44 % beantworteten die Frage mit nein. Wie kann die Verwaltung die Situation verbessern? Hier will der Ortschaftsrat nach Lösungen suchen.
Kinder und Jugend
27 % sind mit dem Angebot für Kinder und Jugendliche zufrieden, 23 % wünschen sich mehr Möglichkeiten. Hier gab es aus der Bevölkerung viele Vorschläge und Wünsche. Vor allem ein Jugendhaus oder überhaupt ein Raum ohne Zugangsbeschränkung und unabhängig von anderen Institutionen war ein vielfach geäußerter Wunsch.
Für den Bolzplatz und den Spielplatz wünschten sich die Michelwinnader neue und bessere Geräte.
Förderungen
63 % der Befragten gaben an, keine weiteren Informationsveranstaltungen zu den Fördermöglichkeiten im Entwicklungsprogramm ländlicher Raum zu benötigen. Bürgermeisterin Ludy gab nochmals einen Überblick und verdeutlichte die Vorteile, die das Programm nicht nur für Landwirte, sondern insgesamt für die Bewohner des ländlichen Raumes bedeute.
Ortschaftsverwaltung
Die Ortschaftsverwaltung erhielt ebenfalls gute Noten für ihre Arbeit. Der Wunsch nach längeren Öffnungszeiten für die Anliegen der Bürger wird eingeschränkt durch die Teilarbeitszeiten der Verwaltungsmitarbeiter.
Bürgertisch gewünscht
Einen „Bürgertisch“ im halbjährlichen Rhythmus stieß bei einer Hälfte auf Interesse, bei der anderen nicht.
Ausblick
Zum Abschluss gab Frieder Skowronski einen Ausblick auf das Machbare. Zunächst wünschte er sich mehr Kontakt zum jüngeren Teil der Bevölkerung. „Es sind zu wenig Leute unter 20 bei dieser Infoveranstaltung.“ Die Verbesserungen an Spiel- und Bolzplatz könnten zeitnah erfolgen.
Bei den verschiedenen Möglichkeiten des Wohnens im Alter sei die Verwaltung für alles offen, aber man brauche einen Investor dafür.
Um zu einer Verdichtung der Bebauung zu kommen, wurden alle Besitzer der bebaubaren Flächen angeschrieben. Ein besondere Wunsch, die Flächen zu verkaufen, ist bei den nicht vorhanden, aber die Hälfte der Flächen wurden mittlerweile bebaut.
Fragen der Bürger
Zum Zebrastreifen
Hier muss eine Verkehrsschau abgewartet werde. Diese verzögert sich durch Krankheit. Die Vorarbeiten der Ortschaftsverwaltung sind gemacht.
Zum Weiher
Musste wegen einer alten Genehmigung um 70 cm abgesenkt werde. Der Ablauf ist nicht hochwassergerecht. Bis zu einer neuen Genehmigung könne es noch Jahre dauern.
Photovoltaikanlage
Ein Besucher beklagte die Nichtgenehmigung einer PV-Anlage. Bürgermeisterin Ludy versprach, sich der Sachen anzunehmen.
Text: Erwin Linder

Führte durch den Info-Abend: Ortsvorsteher Frieder Skowronski. Foto: Erwin Linder

