DBSZ DBSZ BadWurzach 1200v01

Michelwinnaden (dbsz) - Am 15. März nahm Michelwinnaden Abschied vom langjährigen früheren Ortsvorsteher Paul Hepp. Er hatte sich für die örtliche Gemeinschaft in vielen Bereichen engagiert – so als Ortsvorsteher von 1977 bis 1999 und vielfach auch auf Vereinsebene. Frieder Skowronski, sein Nachfolger im Amt des Ortsvorstehers, würdigte den Bürgermedaillen-Träger Paul Hepp, der am 10. März im Alter von 83 Jahren gestorben ist, mit diesen Worten:

Liebe Familie Hepp, liebe Marlies,
wir sind hier in unserer Kirche zusammengekommen, um Abschied von Paul zu nehmen, der Euch und unseren Ort letzte Woche für immer verlassen hat. Er durfte dies auf eine Weise tun, die sich die meisten von uns für ihren letzten Weg wünschen würden, mitten aus dem Leben, ohne lange Krankheit und mit dem Beistand seiner Familie. Der große Verlust für Euch und für uns alle bleibt.

Auf meinen Wunsch darf ich, nach Absprache mit Herrn Oberbürgermeister Henne, die Worte des Abschieds und des Dankes sprechen, die unseren fast 40 gemeinsamen Jahren in Michelwinnaden entspringen.

Kennengelernt habe ich Paul noch, bevor ich hier heimisch wurde. Beim Umbau meiner damals noch zukünftigen Wohnstatt hatte ein Bagger die Hauptwasserleitung abgerissen und ich war dankbar, dass Paul für mich in diesem Moment erreichbar war, zu Hause alles stehen und liegen ließ und mir zur Hilfe eilte und ganz selbstverständlich wusste, was zu tun war.

Er war immer vor Ort, immer Ansprechpartner für alle Belange seiner Mitbürger, oft Klagemauer und Blitzableiter in manch hitziger Debatte. Immer Vermittler zwischen der Landwirtschaft und den Behörden, immer verantwortungsbewusst bei den Bauvorhaben und der Dorfentwicklungen hier in Michelwinnaden.
Gerade diese zahlreichen Bauvorhaben wie
das Klärwerk,
das Baugebiet Bergäcker,
der Burg-Umbau 1986 mit Bürgermeister Forcher,
die Sportplätze,
das Feuerwehrhaus,
der Kindergarten,
der Bauhof
erforderten unzählige Sitzungen, Gespräche mit Architekten und den Ausführenden und den Zuständigen in der Stadt, eine Aufgabe, die weit über das zumutbare Maß des Ehrenamtes hinausging und ohne sein Team nicht zu schaffen gewesen wäre. Paul, seine Mitarbeiterin im Büro Frau Schönsee sowie Amtsleiter Franz Bendel waren 22 Jahre lang ein Dreigestirn, das jeder Aufgabe gerecht wurde.

Und wenn eine Bushaltestelle nicht anders zu realisieren war, brachte Paul eben das eigene Grundstück ein und noch heute profitieren wir alle von seinem Sinn fürs Gemeinwohl.

Ohne Dich, Marlies, die Mithilfe Eurer Kindern und dem einen oder anderen Betriebshelfer wäre die von Pauls Onkel und Tante übernommene Landwirtschaft wohl sicher nicht umzutreiben gewesen.

Schon ein Jahr nach Eurer Hochzeit, kurz nach der Geburt Eures ersten Kindes, brannte der Hof ab. Ihr kamt mit Eurem Sohn Paul zunächst im Ausgedinghaus im Blumenweg unter. Zwei schwere Jahre des Wiederaufbaus lagen vor Euch.

Und dennoch hat sich Paul 1971 zur Wahl als Gemeinderat gestellt. Begonnen hat er dann seine ehrenamtlichen Aufgaben in der damals noch selbständigen Gemeinde Michelwinnaden in Abwesenheit; noch vor der Wahl hatte ihn ein schrecklicher Arbeitsunfall ereilt und auch Du, Marlies, warst, nach einer fast zeitgleich im Stall erlittenen Verletzung, im Waldseer Krankenhaus. Der Verlust eines Armes hinderte Paul jedoch nicht daran, seiner einmal übernommenen Verpflichtung nachzukommen und er wurde 1977 nach der Eingemeindung sogar zum Ortsvorsteher gewählt.

Paul und ich hatten noch fünf gemeinsame Jahre im Ortschaftsrat, bevor ich sein Amt des Ortsvorstehers 1999 übernahm. Ich war in der Anfangszeit froh, ihn immer wieder um Rat fragen und dank seiner Umsicht auf einem soliden Fundament weiterbauen zu können.

Nach dem Ausscheiden aus dem Amt war er umso mehr in den Vereinen in Michelwinnaden aktiv. Ob im Krieger- und Soldatenverein, im Kirchenchor oder bei den Oldtimerfreunden, die im heimischen Gartenhaus viele Versammlungen abhielten, Paul war dabei, ob beim Seniorennachmittag oder dem Burggrabenfest, ob beim Gartenbauverein oder den Blutreitern. Die ihm 1999 durch Bürgermeister Forcher verliehene Bürgermedaille und die unlängst von Oberbürgermeister Henne und Bürgemeisterin Monika Ludy überreichte Ehrennadel zeichnete ihn für seine 22-jährige ehrenamtliche Tätigkeit als Ortsvorsteher im Teilort aus. Gewürdigt wurde die Tatkraft und Zielstrebigkeit, mit der sich Paul der Gestaltung des Ortsbildes und der Schaffung öffentlicher Einrichtungen widmete. Der nach wie vor gültige Schlusssatz der Urkunde lautet: Ortsvorsteher Hepp hat sich um Michelwinnaden und um Bad Waldsee verdient gemacht.

Wir sind ihm dankbar für die vielen Stunden, die er für die Dorfgemeinschaft aktiv war.

In letzter Zeit war er öfters in Gedanken an anderen Orten, aber Marlies war stets für ihn da und wusste seine Einschränkungen im Alltag auf liebevolle Weise auszugleichen.

Genau heute vor einer Woche sah ich Paul, auf einer Runde durch seinen Ort, am Kindergarten vorbei auf seinen ehemaligen Amtssitz zugehen; es war für mich im Nachhinein gesehen, wie wenn er sich nochmal davon überzeugen wollte, dass alles, was er mit auf den Weg gebracht hat, wohlgeraten sei.

Paul, wir werden Deine Präsenz im Ort zu Fuß, auf dem Fahrrad oder Deinem geliebten Hanomag vermissen. Wir werden Dich bei den Festen und Zusammenkünften im Ort vermissen.

Danke, dass Du für uns da warst.

18Hepp U

Paul Hepp (1939 – 2023). RR-Archivbild: br

 

 

--------------------------------------------------

halloRV

­