Bad Waldsee - Feuka sorgte für beste Stimmung bei der Waldseer Fasnet am Donnerstag. Sie wissen nicht wer Feuka ist ? Feuka hieß das Hoch, das am Gumpigen Dunschtig einen ganzen langen Narrentag die Sonne über dem alt-ehrwürdigen Städtle und seinen tausenden von Mäschkerle erstrahlen ließ – und eine ganze Nacht die Sterne am Himmel funkeln. Denn so lange dauerte der absolut glückselige Gumpige in Bad Waldsee.
Schulstürmung
An der Döchtbühlschule schossen die Kanoniere das Lehrerzimmer sturmreif. Schulleiter Frank Wiest drohte völlig vergebens mit dem Eintrag ins Notenbuch. Aber unterstützt von den Zunfträten, skandierten die Schüler lautstark „Fasnet, Fasnet“ und so blieb den Schulleitern nichts weiter übrig, als die weiße Fahne zu schwenken.
Die Garde marschierte ein, nahm die Lehrer in Gewahrsam und alle zusammen zogen vom Döchtbühl in die Innenstadt.
Am Fußgängerüberweg auf der Frauenbergstraße sorgte die Polizei für einen sicheren Übergang. Jawohl, gestern hatten die Fußgänger mal Vorfahrt in Bad Waldsee. Ein paar Ungeduldige konnten nicht warten und wendeten mitten auf der Frauenbergstraße. Das wurde gestern auch nicht geahndet.
Wächsebrauch
Der Wächsebrauch, so genannt nach dem Wachszieher Albrecht, fand dieses Mal nicht am Haus Albrecht am Gut-Betha-Platz statt, sondern in Waldsees „Guter Stube“ vor dem Rathaus.
Zwischen Rathaus und Kornhaus, zwischen Hirsch und Grünem Baum drängten sich Hunderte Kinder und Erwachsene. „Am Schwaneberg, am Schwaneberg, do wohnt dr Muschelbeck, der schtreckt sein Arsch zum Fenster naus, ma moint, es sei an Weck. Mai liabe Leit, des isch koin Weck, des isch dr Arsch vom Muschelbeck“. Ganz egal, ob Kinder alteingesessener oder zugezogener Waldseer, das ist doch der erste Narrenspruch den alle kennen und der auch am gestrigen Gumpigen voller Inbrunst zu den Maskenköpfen in den oberen Fenstern des Hirschen hinauf gerufen wurde und der auch mit Brezga, Würscht und Guetsle belohnt wurde.
Nach dem Wächsebraiuch machten sich die Zimmerleute, angeführt von ihren Geometern, auf und stellten den Narrenbaum auf der Hochstatt. Dabei gab’s natürlich wie immer viel Narrenholz zu verteilen, für die „herausragenden Verdienste“ während des Jahres.
Narrentreiben
Das Sammlervölkle war auch noch eifrige auf Tour. Von Haus zu Haus, von Geschäft zu Geschäft, in allen Straßen und Gassen der Innenstadt wurde bis zum Umzug noch fleißig für die Kinderfasnet gesammelt. Die Akkordeons und Trommeln schallten um die Ecken und die bunte Schar legte noch einen gewaltigen Endspurt hin.
Nach und nach füllte sich die Stadt mit allerlei närrischen Gruppen. Die Wirtschaften wurden gut frequentiert. Für die Zuschauer wurde es Zeit, sich ein gutes Plätzle zum Zuschauen auszusuchen. In der Sonne bei frühlingshaften Temperaturen war es gut auszuhalten.
Umzug
Der Umzug am Donnerstag ist der unbestrittene Höhepunkt der „Waldseer Hausfasnet“. Nach der Zwangspause der letzten Jahre war es wieder ganz toll, die phantasievollen und phantastischen Verkleidungen zu sehen, die den Narren im Städtle eingefallen waren. Mit Vollgas zurück in die 70er und 80er Jahre beflügelte die Verkleidungskünstler. Schauen Sie sich unsere Bildergalerie an, da sind alle Gruppen einmal zu sehen. Man muss schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, um sich zurück erinnern zu können. An die Flippers, den PAC-Man, und wer weiß denn noch, was ein Walkman war. Rubic’s Cube, Cats, Ghost-Busters und und und.
Angeführt wurde der Umzug von der Rösslegruppe. Kurz vor der Pandemie aus der Taufe gehoben, gehört sie jetzt schon richtig zum Umzugsbild. Nachtwächtergruppe und das Narrenschiff des Fasnetsprinzen bildeten die Vorhut. Dann das tolle Treiben der närrischen Gruppen. Und die Waldseer Originalmasken. Zu tausenden trieben Schrättele und Co ihren Schabernack mit den Zuschauern.
Ein guter Schluss ziert alles, heißt es im Volksmund. Und so beschloss traditionsgemäß das Sammlervölkle mit ihrem wagen den Umzug.
Auf der Hochstatt bekam jedes Kind Wurst und Wecken. Nach guten eineinhalb Stunden Umzug hatten sie es sich auch verdient.
Eine Nacht voller Glückseligkeit
Anschließend gehörte das Städtle bis tief in der Nacht den Narren. Zwischen Hirsch und Grünem Baum, zwischen Rathaus und Kornhaus, rund um den Stock herrschte bis in die frühen Morgenstunden fröhliches Treiben.
Erwin Linder




























































