Haisterkirch - Wie in all den Jahren vor der Corona-Pandemie hatten sich am Sebastianstag (20. Januar) wieder Hunderte von Menschen nach Haisterkirch aufgemacht, um dem Festgottesdienst und der anschließenden Prozession hinauf nach St. Sebastian beizuwohnen. Das Leitwort lautete „Beten und Gehen für den Frieden“. Etliche Gruppen – kleine und große – aus Weilern und Dörfern vor allem aus dem südlichen Kreis Biberach und aus den Seelsorgeeinheiten Bad Waldsee, Bad Wurzach und Oberes Achtal pilgerten auch schon die Tage zuvor direkt zur Kapelle, um dort zu beten und um den Beistand des Heiligen bei Gott zu erbitten.
Das winterliche Wetter – etwas Schnee und ab und zu einige Sonnenstrahlen – passte zu „Bastiane“ und beflügelte Gläubige aus nah und fern, den Sebastianstag in Haisterkirch mitzufeiern. Die Pfarrkirche war bei Gottesdienstbeginn um 9.00 Uhr voll belegt. Begrüßt wurden die Gottesdienstbesucher von Waltraud Ruf und Rolf Heber, der bisherigen und dem neuen Gewählten Vorsitzenden des Kirchengemeinderats von Haisterkirch. Sie freuten sich darüber, dass auch Oberbürgermeister Matthias Henne, die Ortsvorsteherin Rosa Eisele (Haisterkirch), Ortsvorsteher Achim Strobel (Reute-Gaisbeuren) und weitere kommunalpolitisch Engagierte zur großen Schar der Gottesdienstbesucher gehörten. Beeindruckend war die große Schar von Ministrantinnen und Ministranten, die alle schulfrei bekommen hatten. Ihnen folgten in ihren priesterlichen Gewändern beim Ein- und Auszug aus der Kirche die Diakone Klaus Maier (Bad Waldsee) und Erik Touet (Weingarten), Pater Hubert, Pater Konrad (beide vom Gottesberg in Bad Wurzach), Superior Ulrich Steck vom Kloster Reute, Dekan i. R. Josef Mattes und Hauptzelebrant Pfarrer Thomas Bucher.
Feierliche Kirchenmusik
Pfarrer Stefan Werner hatte sich im Altarraum eingereiht in ein singstarkes Doppelquartett, dem auch Marina Bühler, Theresa Fischer, Werner Hirsch, Johannes Tress, Monika und Matthias Winstel sowie Verena Westhäußer angehörten. Letztere pendelte zwischen der Orgel und einem im Altarraum befindlichen Keyboard. Die Sangesschar sorgte für die feierliche musikalische Umrahmung und vertiefte auch gesanglich die Leitgedanken zum Thema „Frieden schaffen“.
Die Kraft des Gebetes
Anstatt einer Predigt wurden in einer Frage- und Antwortrunde Leitgedanken zum Thema Frieden sehr lebensnah erörtert. Die Fragen stellten Waltraud Ruf und Rolf Heber. Antworten erhielten sie von Schwester Birgitta (Kloster Reute) und Pfarrer Stefan Werner. Dabei wurden an Beispielen aus dem Lebensalltag der beiden Antwortgeber Parallelen zum Wirken und Tun des Soldaten und Christen Sebastian aufgezeigt. Die Hoffnung bestehe, dass durch die Kraft des Gebets und auch durch den Beistand von St. Sebastian, der ja nah bei Gott ist, Frieden gelingen kann und möge. „Unser Gebet um den Frieden“ muss helfen, so das Resümee der Talkrunde.
Reichlich Beifall
Nach dem Dankeschön und Vergelt´s Gott für Mesner, Ministranten, Helferinnen und Helfer, für Sängerinnen und Sänger gab es am Schluss des Festgottesdienstes reichlich und anhaltenden Beifall durch die Gottesdienstbesucher. Riesigen Applaus erhielten zudem der neugewählte Vorsitzende des KGR Rolf Heber und Waltraud Ruf, die nach zehn Jahren engagierten Wirkens als Gewählte Vorsitzende des Kirchengemeinderats mit einem prächtigen Blumenstrauß durch Pfarrer Werner aus ihrem Ehrenamt verabschiedet wurde. Waltraud Ruf übernimmt das Amt der Kirchenpflegerin von Camilla Maucher, die während drei Jahrzehnten mit großer Übersicht und Sorgfalt die Finanzgeschäfte der Kirchengemeinde Haisterkirch gemanagt hatte.
Die Prozession für den Frieden
Den Pilgerzug unter dem Motto „Wallfahrt für den Frieden“ führte die Ministrantenschar mit Kreuz und Fahnen an. Auch bei der Prozession hinauf zur Kapelle und an der Kapelle selbst wurde das Friedensthema in Gebet und Gesang behandelt – und dabei die Problematik auf alle Bereiche des menschlichen Lebens geweitet, von der Ukraine bis hin zum unfriedlichen Miteinander in den Familien, bei den Paaren, in der Arbeit ...
Den Minis wurde oben an der Kapelle besonders gedankt, hatten sie doch nahezu vier Stunden lang ihre ehrenamtlichen Dienste verrichteten.
Aus allen Richtungen
Den ganzen Tag über trafen Gebetsgruppen oben bei der Kapelle ein – so Gruppen aus Arnach, und Ziegelbach, die von Haidgau her gepilgert waren, und eine Gruppe aus Dietmanns, die von Graben her gekommen war.
Weiter kamen beispielsweise Brunhilde Grünvogel aus Bad Waldsee (mit Gehhilfe) oder Josef Forderer und Hans Hoh aus Bergatreute ab Rossberg oder der Aulendorfer Karl Keller mit dem Zug nach Bad Waldsee und dann über Hittelkofen hinauf nach St. Sebastian.
Wie es schöne Tradition ist, kam auch wieder eine Gruppe ehemaliger Lehrkräfte der Döchtbühlschule Bad Waldsee.
Das Mesnerehepaar
Kapellenmesner Bernd Schmid und Ehefrau Rosmarie hatten die Sebastianskapelle wieder festlich geschmückt. Da in den letzten Tagen alle Kerzenplätze belegt waren, achten beide darauf, dass die zurückgelegten Opferkerzen nachgelegt und wunschgemäß im Sinne der Pilger angezündet werden.
Das Wallfahrtsbuch
Aufgefallen ist dem Ehepaar Schmid, dass im aufgelegten Wallfahrtsbuch sehr viele Einträge an St. Sebastian, den Fürbitter bei Gott, etwa so lauten: „Lass Frieden auf der Welt einkehren und die Verantwortlichen richtige Entscheidungen treffen. Bitte von ganzem Herzen um ein gesegnetes, friedvolles und gutes 2023“. (Eintrag vom 13. Januar 2023).
Viel ehrenamtliches Engagement
Hoch geschätzt wird am Sebastianstag auch das gemeinschaftliche Engagement von Mitgliedern des Kirchenchors, des Seniorenteams, des Kirchengemeinderats und weiterer freiwilligen Helferinnen und Helfer, die nahezu ganztägig dafür Sorge getragen haben, dass sich Pilger heuer zum dritten Mal in der Gemeindehalle mit Speisen und Getränken sowie Kaffee und Kuchen stärken konnten.
Herbert Eisele und sein Team
Der Vorstand des Kirchenchors Herbert Eisele, zugleich Küchenchef, war stolz auf sein Serviceteam, denn das Küchen- wie auch das Saalpersonal musste um die Mittagszeit, als nahezu alle Stühle belegt waren, die große Anzahl an Pilgern möglichst zeitnah bewirten. Die regionalen, schmackhaften Essensangebote waren von der Metzgerei Frank (Reute) geliefert worden.
Text: Rudi Martin
Nachstehend Impressionen vom großen Haisterkircher Wallfahrtstag. Alle Fotos stammen von Rudi Martin.

Vorbeter beim Gang hinauf zur Kapelle waren Sr. Birgitta (ganz links) und Pfarrer Stefan Werner (rechts daneben).

Zahlreiche Pilger machten sich auf den Weg zur Sebastianskapelle.

Zuvor wurde in der Pfarrkirche in Haisterkirch eine Festmesse gefeiert. Hauptzelebrant war Pfarrer Thomas Bucher (rotes Messgewand) – hier beim Einzug in die Kirche.

Eine Schola umrahmte mit feierlichem Gesang die Heilige Messe. Die Leitung hatte Verena Westhäußer.

Ein Teil der Ministrantenschar.

Weitere Minis.

Ein Teil der Geistlichkeit: Pater Konrad Werder und Pater Hubert Vogel vom Gottesberg in Bad Wurzach, Superior Ulrich Steck vom Kloster Reute und Dekan i. R. Josef Mattes (von links).

Die Interviewpredigt: Waltraud Ruf (mit dem Rücken zur Kamera) und Rolf Heber stellten die Fragen und Pfarrer Werner und Schwester Birgitta antworteten. Es ging um Sebastian und den Frieden im Großen und Kleinen.

Pfarrer Werner überreichte Blumen an Waltraud Ruf, die nach zehn Jahren den Vorsitz im Kirchengemeinderat abgegeben hat (sie dient der Kirchengemeinde künftig in der Funktion der Kirchenpflegerin).

Rolf Heber (Bildmitte) ist der neue Gewählte Vorsitzende der Kirchengemeinde Haisterkirch. Hier applaudiert er seiner Vorgängerin.

