Bad Waldsee - Die Stiftung Zukunft der Arbeit und der sozialen Sicherung (ZASS) der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Deutschlands verlieh in Köln den Kettelerpreis, für herausragende Engagement im Sinne des früheren Bischofs von Mainz, Wilhelm Emmanuel von Ketteler (1811-1877).
Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde bereits zum achten Male verliehen. Er stand in diesem Jahr unter dem Thema „Kreativität von ‚unten‘ in der Corona-Pandemie“. Die mit dem Kettelerpreis ausgezeichneten Projekte und Personen haben diese Kreativität im Interesse der Menschen und des sozialen Miteinanders in vorbildlicher Weise während der Pandemie Realität werden lassen.
So wurde das mit Motto der Stiftung „Wir bewegen Menschen!“ an vielen Orten umgesetzt. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Peter Niedergesäss würdigte in seiner Rede die Solidaritätsschaffenden: „Wir danken Ihnen für ihr Engagement für eine neue Kultur der Solidarität in unserer Gesellschaft. Sie ist bitter notwendig und tut uns allen gut.“
Den Preis teilen sich in diesem Jahr vier Preisträger.
Rudi Heilig – Suppenküche Klosterstüble e.V. aus Bad Waldsee
Nach dem biblischen Grundsatz „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ betreiben 35 - 40 Ehrenamtliche seit 2008 die Suppenküche in Bad Waldsee. Von Anfang an ist Rudi Heilig als erster Vorsitzender des eingetragenen Vereins mit dabei. Mit seinem Engagement ist er für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein großes Vorbild. Zum täglichen Mittagessen, welches durchgehend das ganze Jahr über von Montag bis Freitag geboten wird, kommen aktuell 30 bis 40 Gäste. Viele von ihnen sind Menschen mit geringem Einkommen. Daneben erleben alleinstehende Personen hier eine wohltuende Atmosphäre.
Rudi Heilig koordiniert nicht nur das tägliche Mittagsmenü, er hat auch ein offenes Ohr für vielerlei Sorgen und Nöte der Mitmenschen. Mit seinem Wissen als ehemaliger Bankvorstand ist er auch Ansprechpartner für ganz viele Menschen in der großen Kreisstadt Bad Waldsee, wenn es finanziell eng wird. In nicht wenigen Fällen kommen diese Personen auf Anraten des städtischen Sozialamts zur Suppenküche. Da „schnelle Hilfe doppelte Hilfe“ bedeutet, bekommen die Hilfesuchenden nach Einblick in die Finanzen oft die sofortige Zahlung einer überfälligen Forderung.
So konnten allein im Corona-Jahr 2021 finanzielle Hilfen von über 70.000 Euro gewährt werden. Dies ist alles nur durch das besondere Engagement von Rudi Heilig möglich. So konnte in zahlreichen Fällen durch einen Zuschuss verhindert werden, dass der Strom oder die Heizung abgeschaltet wurde. Auch bei einer unverhofften Autoreparatur ging es oft nicht ohne eine finanzielle Hilfe.
In einem normalen Jahr finden in der Suppenküche etwa 150 Beratungstermine statt. In der Corona-Pandemie wurden fast täglich Beratungsgespräche durchgeführt. Über das Jahr 2021 hinweg waren es über 200 Termine, welche im Anschluss auch einen erheblichen Zeitaufwand nach sich ziehen. So mussten neben Verhandlungen mit den Stromanbietern und anderen Gläubigern auch Gespräche mit weiteren Beratungsdiensten geführt werden. In vielen Fällen stellte Heilig auch Anträge an die SZ-Nothilfe Ravensburg. Rudi Heilig packt seine Aufgaben in der Suppenküche als Christ mit Herz und Verstand an, weil für ihn der Mensch nicht nur vom Brot allein lebt.
Musikkapelle Heiden Sessions 2021 – ein Videoprojekt
Proben im großen Orchester sind nicht möglich? Dann eben in Kleingruppen! Keine öffentlichen Auftritte möglich? Dann eben auf Video! Gegründet wurden 20 kleinere Musikgruppen, wobei jede Gruppe ihren eigenen Musikstil wählte: von Irish Folk, über Film- und Volksmusik bis hin zu Popsongs oder (Brazzy) Funk. Die Videos wurden über den vereinseigenen YouTube-Kanal veröffentlicht – mit überwältigender Resonanz.
Männer-Koch-Kurs der KAB-St. Elisabeth
Der langjährige Kochkurs für Männer der KAB St. Elisabeth in Nordhorn konnte zu Zeiten des Lockdowns nicht gemeinsam kochen – aber einsam in der eigenen Küche, sozusagen online mit den anderen vernetzt wurden trotzdem die leckersten Speisen zubereitet den. Darüber hinaus bieten sie Kochkurse für männliche Jugendliche, oft mit Migrationshintergrund an, um sie an das Kochen und eine Selbstversorgung heranzuführen.
Women4Youth
Frauen helfen Mädchen aus der Corona-Krise. 35 Prozent der Mädchen zwischen 16 und 19 Jahren beschreiben depressive Symptome. Um sich diesem Problem anzunehmen und Mädchen und jungen Frauen zu helfen, initiierten im Oktober 2021 In VIA Katholischer Verband für Mädchen- und Frauensozialarbeit Deutschland e.V., der Katholische Deutsche Frauenbund e.V. (KDFB) das Projekt „Women4Youth“. Gesellschaftliche Solidarität und gezielte Hilfen unterstützen die jungen Frauen, damit wieder Normalität im Alltag, in Ausbildung und Arbeit gelebt werden kann.
Prof. Dr. Friedhelm Hengsbach betonte im Rahmen der Preisverleihung, wie wichtig das gezeigte Engagement ist. „Solidarität als gelebte Tugend“ ist eine der herausragenden Erfahrungen in der Zeit der Pandemie. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass der Riss mitten durch unsere Gesellschaft noch tiefer geworden ist. Dieser Riss ist nur durch eine organisierte Solidarität wieder zu überwinden.
Bericht Peter Niedergesäss Foto Friederike Schäfers

