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Bad Waldsee - Nach zwei virtuellen Fasnetssaisons konnten die Narren dieses Jahr wieder feiern. Ohne Corona-, dafür mit der Fasnetsmaske. Im Haus am Stadtsee, da die Stadthalle mit Geflüchteten belegt ist. Es ging etwas enger zu, aber die Narren trugen es mit Humor.

„Näher“, „näher“, „no näher“ – der Nachtwächter rückt die Schriftrolle in bequeme Leseentfernung. „Es ist eine bodenlose Verleumdung, wenn behauptet wird, dass ...“ Die kleinste und sympathischste Randgruppe, wie sich die Nachtwächtergruppe selbst bezeichnet, hat in zwei Corona-Jahren kein bisschen Staub angesetzt. Wie eh und je setzt der Büttel Franzl Müller seine Pointen, leuchtet der Nachtwächter in die Niederungen des Allzumenschlichen und gibt der Tambour seinen Takt dazu. Auch wenn der Büttel dazwischen knurrt, „der Trommler soll amol aufhera“.

Was fürs Herz und fürs Gemüt im ganzen lauten Trubel: „AHA, AHA, AHA, die Fasnet ist jetzt da“, rief das kleine Mäschkerle, als es aus der Truhe kam.

Es sind diese kleinen Szenen, die das Waldseer G’schellabstauben jedes Jahr einmalig machen

Alles schon mal gesehen, aber immer wieder neu. Der „Zunfte“ begrüßte seine Gäste, allen voran den OB und die Abordnungen aus Aulendorf und Bad Schussenried. Hornist und Narr, Hofmarschall und Prinz, der ganze Hofstaat purzelte farbenprächtig und angestaubt aus der Narrenkiste, wurden von den Sammlern liebevoll von Staub und Spinnweben und allem, was in den beiden Jahren am Häs hängengeblieben war, befreit. Auch der Hofmarschall wusste den einen und anderen Schwank, mal derb, mal fein.

Schrättele und Federle machten ihren Spuk, Faselhannes und Narro läuteten den Frühling ein und dazwischen humpelte das Schorrenweible und verteilte manchen Trunk gegen Liebesweh und Herzeleid.

Neu in der Bütt
Neu „in der Bütt“ war der Hofnarr Maximilian Klingele. Wie wird er es machen? Die Spannung im Saal ist groß, die Fußstapfen seiner Vorgänger ebenso. Er machte es gut. Spannte einen weiten Bogen vom „Schtädtle“ bis weit in die Welt hinein. Reimte tadellos. Das ist der Unterschied zum rheinischen Karneval. Bei uns Schwaben muss nicht nach jedem Vers ein Umtata kommen. Wir verstehen auch mal die leiseren Töne des Narren. Und wenn er statt eines Schnellhefters beim Faselhannes einen Narrenspiegel zum Notieren seiner Verse ausgeliehen hätte, wär’s perfekt gewesen. Aber Fasnet und perfekt, das passt sowieso nicht.

Fasnet in Oberschwaben ist laut, ist krachig, ist pompös. Das ließen sich die Waldseer auch im kleineren Saale des Hauses am Stadtsee nicht nehmen.

Die Prinzengruppe rockte die Bühne. Die Sammlermusik spielte ihr Repertoire vom Schunkelwalzer über den Narrenmarsch bis zur Sammlermarie und Vorsänger Wigge Gros würde das Mikro sowieso am liebsten nie mehr aus der Hand legen.

Also alles beim Alten? Oder immer wieder neu? Die Fasnet trägt man im Herzen und wenn der erste Takt vom Narrenmarsch erklingt, juckt’s den rechten Narren in seinen Gliedern und er kann nicht anders als mitmachen, mitlachen, mitschunkeln.

Ehrungen
Ehrungen gab es auch. Das gehört zum G’schellabstauben einfach dazu: Marion Bucher, Sieglinde und Claus Frick, Johannes Fuchs, Michaela Scheible und Manfred Staiger wurden mit dem Zunftorden ausgezeichnet, Nadine und Florian Becker sowie Susanne Frick bekamen den Zunftorden in Silber und Theo Egle erhielt den Zunftorden in Gold.

Text: Erwin Linder

 

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halloRV

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