Reute-Gaisbeuren - Die Kirchengemeinde Reute-Gaisbeuren feierte am Donnerstag und Freitag das Gut-Betha-Fest. Mit nur 34 Jahren verstarb die selige Elisabeth Achler aus Bad Waldsee an ihrem Geburtstag im Jahre 1420 in Reute.
Festprediger war Pastoralreferent Hermann Merkle, nach seiner Pensionierung ist er als Vorstand des Pax-Christi-Verbands der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Einsatz. In den Wirren des Ukrainekrieges sprach er die gewaltige Spannung zwischen Waffenhilfe und Gewaltfreiheit an.
Die Lichterprozession am Donnerstag
Bei der Lichterprozession am Donnerstagabend fanden sich neben zahlreichen Franziskanerinnen mit Generaloberin Maria Hanna auch über 100 Gläubige aus der gesamten Seelsorgeeinheit ein. Der Lichtergang galt umfänglich der Sorge um den Weltfrieden. Beim Start am Dorfbrunnen nannte Schwester Birgitta neben Elisabeth Achler auch Maximilian Kolbe: „Für einen im Kriegsjahr 1941 zum Tode bestimmten Familienvater hatte er sein Leben im Austausch angeboten, die Kirche verehrt ihn deshalb heute als modernen Märtyrer und Heiligen.“
Auch sprach die Franziskanerin den Bombenangriff auf die Ukraine an: „Aktuell müssen dort 10 Millionen Menschen ohne Licht und Wärme frieren, geben wir ihnen mit unseren Kerzen symbolische Wärme.“
Nach einer Gebetsstation an der Maximilian-Kolbe-Statue zogen die Wallfahrer hinauf in die Pfarr- und Wallfahrtskirche. Nachdem alle Kerzen im Altarraum aufgestellt waren, begleitete Schwester Birgitta mit ihrer Gitarre den Schwesternchor bei geistlichen Liedern. In den Fürbitten wurde bereits an etwa 70 ukrainische Frauen und deren Kinder gedacht, welche in den nächsten Wochen als Flüchtlinge im Bildungshaus „Maximilian-Kolbe“ des Klosters einziehen werden.
Festgottesdienst am Freitag
Den Gottesdienst am Festtag zelebrierte Pfarrer Thomas Bucher zusammen mit sechs weiteren Geistlichen. Bei der Begrüßung der vielen Wallfahrern skizzierte Pfarrer Stefan Werner die Gute Beth mit den Worten: „Die Selige von Reute hat in den Sorgen der damaligen Zeit den Himmel mit ihrem Gebet bestürmt. Tun wir es ebenso in der Sehnsucht nach Frieden auf der ganzen Welt.“
„Ich hätte nicht gedacht, dass es an einem Freitagmorgen in Reute ein so volles Gotteshaus gibt“, mit diesem Satz begann Pastoralreferent Hermann Merkle seine Festpredigt. „Zu gerne wollte ich heute mit dem Satz aus der Bergpredigt: ‚Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen‘ alle kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine kommentiert. Jedoch, wir sind keine Schwärmer, wir erkennen den Ernst der Lage im gesamten Ausmaß. Hoffen und beten wir mit der Guten Beth von Reute, dass doch in ernsthaften Gesprächen Lösungsvorschläge erarbeitet werden“, so der Prediger.
Musikalisch umrahmte Verena Westhäußer den Gottesdienst. Abwechselnd spielte sie meisterhaft auf der Orgel und am E-Piano im Chorraum der Kirche. Zusammen mit Stefan Werner gab es auch erhebenden Sologesang.
Elisabeth Achler, von allen nur die Gute Beth genannt, entschied sich im Alter von vierzehn Jahren für ein Leben nach den franziskanischen Regeln. Die neuerbauten Klause von Reute war jetzt ihr Zuhause. Hier führte sie ein Leben in Abgeschiedenheit und Gebet. Hunger und Armut waren ihr nicht fremd. Sie bekam die Wundmale Christi und war buchstäblich vom Mitleiden geprägt.
Nach dem Gottesdienst sprach Rudi Heilig mit verschiedenen Wallfahrern über ihre Beziehung zur Seligen von Reute. Fritz Schmid aus Mittelurbach antwortete prompt: „Es ist doch gut, wenn man eine Selige in der Nähe hat, welcher man in Freud und Leid alles anvertrauen kann.“ Für Erika Dicht aus Bad Waldsee ist die Gute Beth eine wertvolle Stütze im Alltag. Josef Mattes als Dekan im Ruhestand sagte: „Ich gedenke in jedem Gottesdienst der Seligen und nenne sie auch beim Namen.“ Bis aus Salem kam Lucia Rauh zum Grab der Wundertäterin. „Ich war jetzt das erste Mal bei diesem großen Fest, über den Kontakt zu Kräuterschwester Birgit Bek habe ich von dem Heilwasser aus dem Gut-Betha-Brunnen erfahren." Auch der ehemalige Ortsvorsteher von Reute-Gaisbeuren Franz Bendel outete sich als großer Verehrer der Seligen von Reute: „In allen Sorgen und Problemen ist sie eine große Kraftquelle im Alltag.“
Bericht und Bilder Rudi Heilig
Bild: Sr. Birgitta und Pfarrer Werner
Bild: Angela Brändle
Bild: Festprediger Hermann Merkle
Bild: Pfarrer Werner und Verena Westhäußer

