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Bad Waldsee - Morgens um acht Uhr standen die Macher des 2. Bad Waldseer Nachhaltigkeitstages noch vor einem Problem. Trotz vieler Hinweisschilder trotzte ein PKW mit Hannoveraner Kennzeichen sehr nachhaltig den Bemühungen der Organisatoren und städtischen Ordnungskräfte nach einem reibungslosen Aufbau (am 8.10.). Da half nur noch ein Anruf beim Abschleppdienst Tränkle ...

Interessant dann ab 10.00 Uhr, wer sich beim Bad Waldseer Nachhaltigkeitstag zwischen Klosterhof und Gut-Betha-Platz präsentierte. Die Spannbreite war gigantisch: Unten am Seeufer zeigten die Lehrerinnen der Döchtbühlschule Kindern, wie man aus Tetra-Verpackungen hübsche Geschenktüten herstellen kann. Oben am Gut-Betha-Platz warb die Pangea Life GmbH mit hohen Renditen um Investments in Erneuerbare-Energien-Anlagen. Da war doch für jeden was dabei, für die Kids und ihre Papis.

Veranstaltungen auf Klosterhof betrete ich sozusagen durch die Hintertür. Verständlich. Mit Frau und Hund raus aus dem Garten auf den Uferweg und dann stadteinwärts marschiert, dann kommt man über die Seebrücke und steht am Stand der Firma Volk. „Uns kennt doch keiner in Bad Waldsee, deshalb stellen wir hier aus“, meint ein freundlicher junger Herr und ist dann bass erstaunt, als ich ihm widerspreche „Ihr macht doch die Kommunalfahrzeuge mit Batterieantrieb seit zig Jahren.“ Es stellt sich heraus, dass sich seit den mit Batterie betriebenen Transportern, die alte Waldseer noch vom Uferweg her kennen, die Angebotspalette wesentlich geändert und erweitert hat. Heute findet man die Volk-Fahrzeuge als Schlepper auf Flughäfen und in Industriebetrieben.

Ein Fahrgefühl für ein Volk-Fahrzeug konnte man beim Parcours rund um die alten Reifen erwerben. Statt selbst zu fahren, nimmt meine Frau lieber den Fotoapparat zur Hand und ich schwinge mich in den Fahrersitz. „Also das links ist der Totmannschalter, den müssen sie immer gedrückt halten, sonst steht das Fahrzeug gleich hin. Rechts ist das Gaspedal und daneben die Bremse.“ Ich gebe „Gas“ und ziehe meine Kurven um die Reifen, komme sicher wieder im Ziel an. Ich glaube, einen Preis habe ich mir nicht verdient, aber man kann nicht überall gewinnen.

Nebenan werkeln Große und Kleine an Tetra-Packs. „Ja, Sie dürfen schon ein Foto machen, aber erst wenn wir weg sind“, sagen die sonst sehr freundlichen Lehrerinnen und verschwinden von der Bildfläche. Mir viel Liebe und Geduld, mit Bindfaden und Kleber, mit Stoffresten und buntem Papier entstehen aus alten Packungen nette Geschenksideen.

Beim Kaffee-Caravan kann man Steine bunt bemalen und sich über Trinkwasser-Verschwendung und sinnvollen Einsatz aufklären. „Wissen Sie, wieviel Wasser für eine einzige Tasse Kaffee benötigt wird?“ Nein ich weiß es nicht und lasse mich gerne aufklären.

Bei Solawi hat man nichts gegen ein Foto und strahlt mit der Sonne, die sich ein bisschen zurückhält, um die Wette. Der Zusammenschluss gleichgesinnter Gärtner ist ja in Bad Waldsee nichts Unbekanntes mehr. In Unterurbach bewirtschaftet Solawi auf dem Naturlandhof von Josef Wild ein Stück Land und ein Gewächshaus. Die Mitglieder teilen sich, was wächst, und kommen so in den Genuss von biologisch aufgezogenem Gemüse.

die Polizei und die Grauen Panther
Die Polizei ist ebenfalls mit einem Stand vertreten. „Was macht die Polizei denn Nachhaltiges?“ Mit dem Einsatz beim Nachhaltigkeitstag sucht die Polizei den Kontakt zu Radfahrern. „Mit den Jüngsten machen wir Sicherheitskurse. Dabei hätten es die Älteren viel notwendiger. So viele Unfälle passieren mit den Senioren auf ihren Pedelecs. Es ist einfach ein Unterschied, ob man mit einem Fahrrad oder einem Pedelec losfährt.“ Ich versichere, dass ich immer erst den Helm aufsetze, bevor ich mit dem Rad starte und denke, er hat ja so recht. Wenn ich an die Grauen Panther denke, die über Bad Waldsees Fahrradautobahnen sausen ...

Jetzt aber erst mal einen Kaffee. „Wie läuft’s bei Mr. Coffeebee?“ Wird erstmal nix mit dem anvisierten Capuccino. Mein Hund protestiert lautstark über den zu langsamen Spaziergang, über zu viele Leute und überhaupt. Also drehe ich erstmal ab, denn ich seh’ schon, dass sich die Besucher von Veronika Denglers Faro-Theater gestört fühlen.

Die Gemeinderäte König und Leser nehmen einen Gemeinderatsbeschluss schon vorweg und präsentieren Fördermöglichkeiten für Lastenräder, Balkon-PV-Anlagen und ein Regenwassermanagement.

Torwandschießen stand auch noch auf dem Programm, die Drohnen der Wildtierrettung starteten in den grauen Himmel, zu Essen und Trinken gab’s genügend, Musikgruppen im Klosterhof und am Gut-Betha-Platz sorgten für ansprechenden Sound, das Wetter war durchwachsen, und die Standbetreiber konnten sich über mangelnde Besucher nicht beklagen.

Shqipe Karagja ist sehr zufrieden
Und was meint Shqipe Karagja, die städtische Wirtschaftsförderin? „Im Ganzen können wir zufrieden sein mit unserer Veranstaltung. Wir haben tolle Projekte, die sich präsentieren. Wir haben alte Bekannte, aber auch neue Akteure, und wenn das Wetter noch perfekt gewesen wäre, dann hätte es nicht schöner sein können.“

Text: Erwin Linder

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Der DBSZ-Reporter testet ein Volk-Fahrzeug im Reifen-Parcours. Foto: Eva Linder-Heusohn

2Solawi: Gemeinsam gärtnern, gemeinsam Bio-Gemüse genießen. Foto: Erwin Linder

3Musik-Untermalung des Nachhaltigkeitstages. Foto: Erwin Linder

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Aus Ziegeln wird bei Heydt wertvolles Substrat für Gärtner. Foto: Erwin Linder

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Städtische Förderung für Lastenräder, Balkon-PV und Regenwassermanagement. Foto: Erwin Linder

 

 

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halloRV

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