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Bad Waldsee - „Willst du bei uns mitspielen?“ steht im Programmflyer der Jungen Philharmonie Oberschwaben. Und weiter „Wenn du 14 bis 22 Jahre alt bist, aus Oberschwaben kommst und mitspielen möchtest, kannst du dich ab Dezember über unsere Homepage anmelden“. Am 24. September hat das Ensemble in der Stadtgalle in Bad Waldsee konzertiert.

Die Junge Philharmonie Oberschwaben „ist ein philharmonisches Orchesterprojekt, das sich aus ambitionierten Musikschülern und Musikschülerinnen sowie jungen Künstlern und Künstlerinnen der Region Oberschwaben zusammensetzt“, heißt es weiter in der Selbstdarstellung.

Während dreier Wochenenden unter professioneller Anleitung tasten sich die jugendlichen Musiker an die großen Werke des klassisch-romantischen Repertoires heran.

Der international bekannte Geiger Alban Beikircher rief das Orchesterprojekt 2008 ins Leben. 2016 erhielten Beikircher als Dirigent und Leiter sowie die JPO den Kulturpreis des Kulturforums Landkreis Sigmaringen sowie den Förderpreis der Bruno Frey-Stiftung.

Die Stadthalle war nicht ausverkauft, aber die Stuhlreihen im Parkett doch gut besucht.

Es war hübsch anzusehen, wie die jungen Musikerinnen in Abendroben und die jungen Musiker in schwarzen Anzügen mit weißem Hemd und Fliege einmarschierten, die Bühne enterten und auf ihren Dirigenten warteten.

Vom ersten Takt an hingen die jungen Musiker voller Konzentration am Gestus ihres Dirigenten und gaben sich ganz und gar der Musik hin.

Das Programm des Abends teilte sich in einen schwermütigen Abschnitt vor und einen beschwingteren Abschnitt nach der Pause.

Düstere Klangwelten beschwört Dvorak in seiner sinfonischen Dichtung „Die Waldtaube.“ Die Geschichte der Waldtaube, nach einer Ballade von Karel Jaromír Erben, dem die Komposition folgt, ist simpel. Eine Frau hat ihren Gatten vergiftet, die Musik beginnt mit einem Trauerzug. Ein junger Mann umgarnt die Witwe und heiratet sie. Doch die Rufe der Waldtaube – ein Symbol für die Seele des Ermordeten – erinnern die Frau an ihre Untat. Sie verzweifelt und sieht als einzigen Ausweg den Selbstmord, sie stürzt sich in die Fluten. „Wenige Töne, die immer wieder abgewandelt werden, bilden die thematische Keimzelle des Stücks, das mit seinem großen dramaturgischen Bogen meisterhaft konzipiert ist“, sagt Christoph Altstaedt, ein Kenner der Dvorak’schen Musik.

Die Geschichte des Jan Hus, ein Reformator des 14. Jahrhunderts, der unter falschen Versprechungen zum Konzil nach Konstanz gelockt und dort verbrannt wurde, fasste die Komponistin Sylva Smejkalová in Noten. Dieses extra für die JPO geschriebene und demnach in Bad Waldsee erstmals aufgeführte Stück brachte Zwiespalt und Hoffnung, das Marschieren und das flammende Inferno spektakulär zum Ausdruck.

Nach der Pause setzte das Programm mehr auf DUR als auf MOLL. Mit der sinfonischen Ballade „Der Wojewode“ und den Auszügen aus der Suite für Varieté-Orchester setzte Alban Beikircher für einen schwungvollen Abschluss auf bekannte Melodien.

Unter dem engagierten Dirigat von Beikircher brachte das JPO eine beeindruckende musikalische Leistung in die Bad Waldseer Stadthalle und bekam ihren Beifall mehr als verdient.

Der nächste Auftritt
Am 9. Oktober, 19.00 Uhr, spielt die Junge Philharmonie in Bad Saulgau im Stadtforum

Text und Fotos: Erwin Linder

Hier Impressionen vom Auftritt in Bad Waldsee:

29JPO Dirigent

 29JPO Bratsche

 29JPO Zwei

 29JPO zweiB

29JPO Gruppe 

 

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halloRV

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