Bad Waldsee - Seit 50 Jahren befindet sich das Städtische Museum im ehemaligen Kornhaus. Der am 4. April 1972 ins Amt gewählte Bürgermeister Rudolf Forcher konnte die offizielle Einweihung am 21. Oktober 1972 vornehmen. Vertreter des Museumsvereins waren damals der Vorsitzende Thomas Mayer und Museumsleiter Sepp Beyerle. Am 1. Oktober hält Claudia Lemmes um 18.00 Uhr einen Vortrag aus Anlass des Jubiläums.
Das im Jahr 1913 gegründete „Altertumsmuseum“ war zunächst im „Alten Theater“ im Spitalhof untergebracht gewesen. In diesem Gebäude befindet sich seit 1975 die Stadtbücherei.
Am vergangenen Freitag, 16. September, fand aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums in der Pfeilerhalle des Kornhauses der Festabend für die Mitglieder des Vereins statt. Die gut 85 Besucher besetzten alle bereitgestellten Stühle in der Mitte des Raums, die einzelnen Abteilungen der Ausstellung „Korn-Haus-Museum“ blieben ausgenommen und konnten während des gesamten Abends noch betrachtet werden. Ausnahmsweise wurden den Gästen gleich zu Beginn Getränke angeboten.
Das Streichquartett der Jugendmusikschule eröffnete den Abend, es spielte unter Leitung von Salome Hänsler mit Pausen insgesamt drei Musikstücke (von Telemann, Haydn und Mozart).
Anschließend konnte die Stellvertretende Vorsitzende Brigitte Hecht-Lang namentlich begrüßen: Herrn OB Matthias Henne, Herrn Alt-Bürgermeister Prof. Rudolf Forcher, den ehemaligen Stadtpfleger und Ersten Beigeordneten Alfons Fiegel sowie den früheren Landtagsabgeordneten Helmut Kiefl. Ferner die Ehrenvorsitzenden des Vereins Roland Schneider und Ernst Langer sowie Marieluise Leser, die Witwe des langjährigen Vorstandes Rupert Leser.
In den 50 Jahren wurde der Museumsverein von folgenden Personen geführt: Auf Thomas Mayer folgte Ludwig Gros, dann Rupert Leser, Hans-Joachim Kaschner (kommissarisch), Roland Schneider und Ernst Langer; seit 2021 ist Hubert Leißle Vorsitzender des Museums- und Heimatvereins Bad Waldsee. Die Leitung des Museums oblag folgenden Personen: auf Sepp Beyerle folgten Michael Barczyk, Maja Gros und zuletzt Gertrud Auer. 2009 wurden die Funktionen des Vereinsvorsitzes und der Museumsleitung zusammengelegt.
"Die Zürn würden den Stadtkern wiedererkennen"
Es folgte ein engagiertes Grußwort von Matthias Henne, in dem er unter anderem die für die Stadt werbewirksame, ehrenamtliche Arbeit des Vereins hervorhob. Ebenso die Rolle der Stadt, die vor 50 Jahren die neue Nutzung möglich machte und so zur Rettung und Erhalt des Kornhauses beitrug. Scherzhaft und doch mit gewissem Ernst meinte er, da der Stadtkern sich kaum verändert habe, könnten sich Mitglieder der Familie Zürn wohl heute noch problemlos hier zurechtfinden.
In einem Beitrag mit Power-Point-Unterstützung stellte die Stellvertretende Vorsitzende des Museumsvereins umfassend die Entwicklungen und wechselseitigen Beziehungen des Vereins ab 1910 und des Kornhauses ab 1918 dar. Nach dem Beschluss des Gemeinderats vom 11. 9. 1969 wurde die zunächst teilweise Nutzung des Kornhauses als Museum möglich, nach der Sanierung der Pfeilerhalle im Erdgeschoss von 2001 – 2003 ist nun das komplette Haus Museum.
In einem weiteren Vortrag erläuterte die Kreisdenkmalpflegerin Ursula Rückgauer anhand von Bildbeispielen kenntnisreich und nachvollziehbar das Wesen eines Denkmals und die Schwierigkeiten beim Erhalt und der Umnutzung historischer Gebäude. Dabei kann es sich um Kirchen und Kapellen, herrschaftliche Wohnhäuser, Bauernhäuser oder zum Beispiel auch Mühlen aus allen Zeit- und Stilepochen handeln.
Nach dem offiziellen Teil wurden die Stuhlreihen rasch aufgelöst und mit bereitgestellten kleinen Tischen zu Essgelegenheiten gruppiert. Das von einer hiesigen Metzgerei reichhaltige und schön verzierte Buffet wurde auf dem Podium platziert und fand regen Zuspruch. Auch dem offerierten Rot- und Weißwein wurde gern zugesprochen, es gab natürlich auch Wasser. Es fanden sich viele interessierte Gesprächsgruppieren zusammen und alle Museumsmitglieder genossen den unmittelbaren Austausch mit langjährigen „Weggenossen“. Die Gesellschaft blieb lange zusammen und beim Heimgehen sagte jeder „Danke“ für den schönen Abend.
Am Samstag, 1. Oktober
Am Samstag, 1. Oktober, hält Claudia Lemmes, Mitarbeiterin im DFG-Projekt Bad Waldsee, um 18.00 ihren Vortrag im Kornhaus. Titel: „Zusammenspiel von Mensch und Umwelt in Waldsee, Überlieferung und Spuren mittelalterlicher bis frühneuzeitlicher Wirtschaftsentwicklung in Schrift- und Umweltarchiven.“
Text: Brigitte Hecht-Lang / Fotos: Museum im Kornhaus
Die derzeit laufende Sonderausstellung „Korn – Haus – Museum“ kann bis 3. Oktober 2022 immer freitags, samstags und sonntags von 13.30 Uhr bis 17.30 Uhr besichtigt werden (auch am 3. Oktober). Der Eintritt ist frei; Spenden werden gerne entgegengenommen.

Blick ins Altertum-Museum, Anfang 1920er-Jahre.

Einweihung im Kornhaus, 1. OG, am 21. Oktober 1972. Links Museumsleiter Sepp Beyerle, mittig Rudolf Forcher, rechts Regierungspräsident Birn.

Eröffnung der Ausstellung „Flugpioniere in Oberschwaben“, 2005 in der Pfeilerhalle.

Blick in die Ausstellung „Die Waldseer Bildhauer Zürn“, 1998.
Eröffnung des Festabends am 16. September. Foto: HMV

Der Festabend war ein geselliges Beisammensein der Waldseer Kulturfamilie. Foto: HMV

