Kommentar zum neuen Logo der Stadt Bad Waldsee
Es gibt Designs, die sind unverbesserbar: die blaue Nivea-Dose zum Beispiel.
Bad Waldsee besitzt seit langem ein Logo, das durch Schlichtheit, ja durch ein radikales Reduziertsein besticht. Es ist das von Otl Aicher geschaffene Signet mit seiner lautmalerischen Botschaft: Wald und See.
Auch wenn die grafische Ableitung unhistorisch ist – der verstorbene Stadtarchivar Michael Barczyk wurde nicht müde zu betonen, dass der Name Waldsee nichts mit einem Wald zu tun hat – so ist das Aicher-Logo in seiner Einfachheit doch berückend. Die Reduktion erinnert an die genialen Piktogramme, die der Meister aus Rotis für die Olympischen Spiele in München geschaffen hat.
50 Jahre ist das nun her und die Piktogramme wirken so frisch wie am ersten Tag. Aichers Sport-Icons gingen um die Welt. Jeder Betrachter wusste sofort, was gemeint ist. Diese nonverbale Aussagekraft hat auch das bisherige Waldsee-Logo.
Gewiss, man könnte es aus gutem Grunde verwerfen, folgte man der Etymologie Barczyks. „Waldsee“ ist eine sprachgeschichtliche Fortentwicklung des mittelalterlichen Namens „Walahsé“. Der wiederum rührt von den Walchen her, jenen romanisierten Kelten, die vor der alemannischen Landnahme die Landbrücke zwischen den beiden hiesigen Seen bewohnten.
Wenn man aber das Wald-See-Logo beibehalten möchte, dann tunlichst unverfälscht! Aichers grüne Bäume, der blaue Kreis – das ist perfekt.
Was da nun aber im neuen Logo als Gold-Tannen auf „Golfball“ daherkommt – in Anlehnung an Otl Aicher – würde der Kreditkarte einer Regionalbank alle Ehre machen. Eine Verbesserung für das optische Standing Bad Waldsees ist das aber nicht.
Ist eine derartige Verfremdung des Aicher-Motivs urheberrechtlich eigentlich statthaft?
Und dann die Adjektiv-Triade! Ein stabreimender Dreiklang macht sich in der Werbung immer gut. Mit den beiden ersten Wörtern des neuen Slogans („menschlich“, „malerisch“) kann sich jeder Waldseer identifizieren. Was aber hat es mit dem „meisterhaft“ auf sich? Ist der Werbeagentur nichts Besseres eingefallen?
„Meisterhaft“ würde zu Nürnberg passen, der Stadt der Meistersinger. Oder zu einer Handwerkskammer. Wenn schon eine m-Alliteration, dann schlagen wir für das dritte m-Wort vor: munter.
Ein Input von Seiten der Bildschirmzeitung in den zweijährigen Markenprozess. Koscht nix.
Warum immer Altbewährtes verwerfen? Warum das Rad neu erfinden? „Bad Waldsee tut gut“ ist doch ein starker Werbespruch. Damit assoziiert man Gesundheit und noch viel mehr. Der Spruch hat die Klasse der Nivea-Dose. Und die ist ein Ewigkeits-Seller.
Isny, das vom Weltgrafiker eine ganze Serie an Piktogrammen bekommen hat, hält seinen Otl Aicher hoch in Ehren. Hat ihm zum 100. Geburtstag soeben einen Pavillon errichtet. Sehenswert.
Und in Bad Waldsee? Dort wird das Aicher-Logo vergoldet, also entwertet.
Wir raten: Stoppt den Markenprozess! Eine Kehrtwende wäre ein kommunalpolitisches Meisterstück.
Oder ersetzt zumindest das Adjektiv „meisterhaft“ durch ein anderes m-Wort. Das wäre ein bisschen mutig.
Gerhard Reischmann

