Bad Waldsee (mnu) - Um klimastabile Wälder zu schaffen und die Funktionen des Waldes – zum Beispiel als Wasserspeicher oder zur Luftreinigung – zu erhalten, wird der Bad Waldseer Stadtwald im Zeitraum vom 7. Juli bis 7. August gekalkt. Im Vordergrund steht nicht die Düngung, sondern die Stabilisierung der Bodenstruktur als Voraussetzung für vitale Bäume und sauberes Trinkwasser. Die Maßnahem betreffen auch Bad Waldseer Stadtwald, der im Gebiet der Stadt Bad Wurzach liegt.
Die bundesweite Bodenzustandserhebung II hat gezeigt, dass eine gezielte Kalkung von Waldflächen die Situation hinsichtlich pH-Wert, Basensättigung, Kohlenstoffspeicherung, Vielfalt und Häufigkeit von Bodenlebewesen, auf durch Menschen verursachten versauerten oder zur Versauerung neigenden Waldböden deutlich verbessert. Dies ist das Ergebnis von langjährigen Studien der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt in Freiburg (FVA), Abteilung Bodenkunde.
Der Stadtwald von Bad Waldsee soll aufgrund dieser Forschungsergebnisse nun ab dem kommenden Dienstag, 7. Juli, innerhalb von vier Wochen bis zum 7. August auf 350 von insgesamt 590 Hektar gekalkt werden. Gekalkt werden nur diejenigem Flächen, die nach eingehender Bodenanalyse durch die FVA einen Mangel aufgewiesen haben. Ausgeschlossen von der Kalking sind alle moorigen Standorte, die von Natur aus einen niedrigen pH-Wert aufweisen. Ebenso ausgeschlossen sind auch Standorte, an denen kalkempfindliche Arten gefunden wurden. Die von der FVA als kalkungswürdig befundenen Standorte wurden vom Landratsamt Ravensburg geprüft und entsprechende Änderungswünsche wurden in die Planung übernommen. Als Grundlage dafür dienten die Bodenproben, die nach genauen Vorgaben vom zuständigen Revierleiter an vorgegebenen und per Satellitenunterstützung (GPS) eingemessenen Orten im Stadtwald gezogen wurden. Es musste hierzu für jede einzelne Probe bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern gegraben werden. Die einzelnen Bodenhorizonte wurden sauber getrennt zur Analyse bereitgestellt.
Die Kalkung wird in den Distrikten Großer Wald (Tannenbühl), Saubad, Schorren, Kramerts, Osterholz, Kohaus, St. Sebastian und Ziegelberg durchgeführt. Sie findet je nach Wetterlage statt. Während der Kalkung kann der Waldzutritt eingeschränkt sein. Es kommt in den gesperrten Gebieten auch zu einem erhöhten Verkehr von Lastwagen, die den Kalk anliefern. Zudem sind Beeinträchtigungen durch den Kalkstaub möglich. Gesundheitsgefährdend ist dieser Staub aber nicht und die optischen Beeinträchtigungen sind spätestens nach dem ersten Regenschauer wieder weg. Auf die Einschränkungen wird vor Ort durch Beschilderung hingewiesen. Die Bevölkerung wird gebeten, die Hinweise zum eigenen Schutz einzuhalten.
Mit der Ausbringung von Kalk soll die Versauerung der Waldböden abgemildert werden. Die natürlichen Regenerationsprozesse der Böden sollen unterstützt werden. Das bedeutet eine gute Basis für klimastabile Wälder, die viele wichtige Funktionen haben, beispielsweise als Wasserfilter und Erholungsraum. In Baden-Württemberg wird aus diesem Grund seit zehn Jahren ein Gemisch aus Holzasche, Dolomit und Wasser ausgebracht. In Bad Waldsee wird das Gemisch nicht aus der Luft durch einen Hubschrauber ausgebracht, sondern mit speziellen Fahrzeugen und Gebläsen. Die Maßnahme wird mit 90 Prozent der Nettokosten von der Europäischen Union mit Fördergeld unterstützt.
Pressemitteilung der Stadt Bad Waldsee

