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Bad Waldsee - Bad Waldsees Gemeinderat hat in seiner Sitzung am 30. Mai der Fortschreibung des städtischen Lärmaktionsplanes zugestimmt – allerdings nicht so, wie von Planern und Rathausspitze favorisiert. Auf einigen Innenstadt-Straßen wird Tempo 30 kommen.

Eine große Mehrheit der Ratsmitglieder zeigte sich irritiert angesichts des von den Experten gebotenen „Flickenteppichs“ an Geschwindigkeitsbeschränkungen und plädierte für die dritte von drei Varianten.

Für die Zukunft heißt das: Tempo 30 im unteren Teil der Frauenbergstraße (ganztags) sowie auf einem Abschnitt der Aulendorfer Straße in Richtung Steinach (nur nachts). Außerdem soll auf Bleiche- und Friedhofstraße (L 275 bzw. L 300) wie bereits im Bereich Muschgayspange dauerhaft Tempo 30 kommen. Weil die Volksvertreter anders entschieden als von Planungsbüro und Stadtverwaltung angenommen, muss jetzt auch die für 7. Juni in der Durlesbachhalle geplante Informationsveranstaltung verschoben werden.

Ein Lärmaktionsplan hat zuvorderst das Ziel, die Bevölkerung vor Verkehrslärm an Hauptverkehrsstraßen zu schützen. Grenzwert sind dabei 8200 Kfz am Tag sowie ein Lärmpegel von tagsüber 65 dB(A) sowie 55 Dezibel in der Nacht. Erst wenn diese Werte erreicht sind, kann die Kommune einen solchen Lärmaktionsplan aufstellen und zum Beispiel Tempo 30 anordnen. Die Crux an diesem Vorgehen: der Verkehr sucht sich neue Wege, es kann zu massiven „Verlagerungseffekten“ kommen, also mehr Verkehr auf anderen Straßen.

Kommt Tempo 30 in der Frauenbergstraße, müssen vor allem die Anlieger von Richard-Wagner- und Wolfegger Straße mit einer Zunahme des Autoverkehrs rechnen. Je nach Modell sind es zwischen 700 und 1800 Kfz täglich in der Richard-Wagner-Straße und zwischen 300 und 1600 in der Wolfegger Straße. Die kritische Grenze von 8200 Fahrzeugen wird dadurch aber nicht erreicht. Anders sieht es bei der Aulendorfer Straße aus, die künftig wohl bei einer Frequenz von über 8000 Kfz pro Tag liegen wird und so zum neuen Problemfall wird.

Deutlich entlastet werden dagegen Frauenberg-, Bleiche- und Friedhofstraße. Legt man die jetzt gewählte Variante 3 zugrunde, rechnen die Planer für die Bleichestraße mit einem Minus von 2200 Fahrzeugen. Derzeit sind es noch etwa 11 000 Kfz am Tag. Noch stärker ist der Verkehr mit 12 800 Kfz in der Frauenbergstraße. Wenn der Lärmaktionsplan greift, sollen es 1600 weniger sein. Der angenommene Rückgang in der Friedhofstraße liegt bei 1400 Kfz.

Ein Verkehrsschwerpunkt bleibt die B 30. Besonders betroffen sind hier bekanntlich Gaisbeuren und Enzisreute (zwischen 18 600 und 22 400 Kfz) sowie Mattenhaus/Englerts (14 200). Auch „Anlieger“ in der Fliederstraße leiden unter dem Verkehrslärm von der Bundesstraße. Innerstädtisch sind vor allem Bewohner von Frauenberg-, Friedhof- und Bleichestraße betroffen. Hier schätzen die Planer die Risiken als „hoch“ ein, ebenso in Teilen von Reute.

 

Thema Hinder: „Wir nähern uns einer Lösung an“

Reute - Die Firma Hinder und ihre Emissionen sorgen in Reute seit Jahren für Gesprächsstoff. Vor allem Anlieger plädieren für eine Umsiedlung des Bau- und Abbruchunternehmens in der Kammermoosstraße. Jetzt war die Kurt Hinder GmbH wieder einmal Thema im Gemeinderat von Bad Waldsee. Petra Hofacker nutzte die Bürgerfragestunde am Montag und erkundigte sich nach dem Stand der Dinge: „Wie sieht es aus mit der Auslagerung?“

Die Stadt hat das Thema im Fokus. Man sei „im persönlichen Gespräch“, ließ der OB wissen, machte jedoch deutlich, dass „die Standortfrage nicht ganz unproblematisch ist“. Das Ziel ist für Matthias Henne klar: „Wir streben eine Verlagerung an.“ Und offenbar ist man auf diesem Weg einen Schritt voran gekommen: „Wir nähern uns einer Lösung an.“ Unterm Strich ließ das Stadtoberhaupt keinen Zweifel daran, dass „wir aus eigenem Interesse mit großem Engagement dabei sind, endlich eine Lösung zu finden“.

In einem Punkt konnte die Rathausspitze ganz konkret Entwarnung geben: „Ein Antrag auf Erweiterung liegt uns nicht vor.“

Das Thema Lärm hat in Reute ganz unterschiedliche Facetten. Da ist nicht nur der Bau- und Abbruchbetrieb am Ortsrand und natürlich die L 285 mit ihren rund 9000 Fahrzeugen jeden Tag. Petra Hofacker nannte noch eine weitere Lärmquelle in Reute: den „Jugendtreff an der Tankstelle“, in der Nachbarschaft zur Firma Hinder also. Ihr Fazit: „Es ist tagsüber sehr laut und nachts oft bis 2.“

 

Bericht Michael Kaiser

 

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halloRV

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