Aulendorf – Die Aulendorfer Gemeinderatssitzung am Montag (25.4.) stand im Zeichen zweier großer Themen: Es ging um die Feuerwehr und die PV-Freiflächenanlage Wannenberg.

Da bei zwei anderen Tagesordnungspunkten Unterlagen nicht rechtzeitig nachgereicht wurden, wie der langjährige Kommunalpolitiker Rainer Marquart (SPD) sogleich bemerkte, mussten diese von der Tagesordnung gestrichen werden. So müssen die Einbeziehungssatzung Tannhausen und der Bebauungsplan „PV-Park Hasengärtlestraße“ in der nächsten Sitzung erneut aufgerufen werden.

Trotzdem blieben große Themen übrig, so die Vorberatung des Brandschutzbedarfsplanes der Freiwilligen Feuerwehr Aulendorf, die alleine einer ganzen Stunde der Erklärung durch Sven Volk von gtx-Rettungsingenieure aus Immenstaad und dem Aulendorfer Feuerwehrkommandanten Martin Seifert bedurfte. Geregelt ist der Bedarfsplan im Feuerwehrgesetz Baden-Württemberg; er verpflichtet die Gemeinden, eine leistungsfähige Feuerwehr aufzustellen. Es wird der Ist- und Soll-Stand einander gegenübergestellt und daraus der Bedarf ermittelt.

Feuerwehrbedarfsplan

Die geforderte Sollstärke, um mit einem ersten Anmarsch eine Menschenrettung bei Standardbrand oder beim Verkehrsunfall abarbeiten zu können, wird im Nacht-/Wochenendalarm planerisch sicher erreicht. Im werktäglichen Alarm fehlen atemschutztaugliche Einsatzkräfte, weshalb sogar nur unter sehr günstigen Umständen mit einer fristgerechten Abrückung in Staffelstärke, unter Beachtung der einschlägigen Vorschriften, gerechnet werden kann. Die Ursache liegt in der zu geringen Gesamtverfügbarkeit einer Ausrückezeit von 5 Minuten, da die Einsatzkräfte werktags aus ihren Betrieben kommend im Gegensatz zu einer Berufsfeuerwehr zuerst mal das Feuerwehrhaus erreichen müssen. Von 124 ausgewerteten Einsätzen hatten 102 das Ziel erfüllt und waren in 8:37 Minuten am Brand- oder Einsatzort. Mit durchschnittlich 80 Prozent ist das Planungsziel von maximal 10 Minuten bis zum Eintreffen damit erreicht.

Die geforderte Sollstärke, um den ersten Anmarsch mit einer weiteren Gruppe bei der Einsatzbewältigung zu unterstützen, wird im Nacht- und Wochenendalarm erreicht. Im werktäglichen Alarm fehlen im zweiten Abmarsch Führungskräfte und insbesondere atemschutztaugliche Einsatzkräfte. Fortbildungen innerhalb der Feuerwehr können eine Verbesserung bringen, allerdings nicht die zu geringe Gesamtverfügbarkeit auffangen.

Heute ist der Brand nur noch in 15 bis 20 % der Fälle, so Volk, ein Einsatz. Andere Alarmierungen wie die eingeklemmte Person bei einem Verkehrsunfall oder Unwetterlagen mit Hochwasser haben an Bedeutung zugenommen. Kommt dann ein Blitzeinschlag mit Feuer hinzu, wird es umso schwieriger. Neben der Zahl in Minuten einsatzfähigen Kräfte spielen die Geräte und Fahrzeuge eine große Rolle. Bei jährlich über 1200 Stunden für die Gerätewartung wird empfohlen, diese über eine Person durchzuführen, welche in einem festen Beschäftigungsverhältnis mit der Stadt Aulendorf steht. Wegen der räumlichen Enge um das Feuerwehrhaus wird ein Neubau empfohlen.

Die Frage dabei ist, wo und ergeben sich dadurch nicht andere Nachteile, das rechtzeitige Eintreffen der Einsatzkräfte betreffend. Auch wird empfohlen, ein neues Fahrzeug in den nächsten fünf Jahren anzuschaffen. „Unser neues Fahrzeug ist acht Jahre alt“, ergänzte Franz Thurn (BUS), seit 40 Jahren bei der Feuerwehr dabei. Martin Seifert betonte die Personalsituation, wobei eine Stelle ausgeschrieben ist, und merkte zudem an, dass die Beschaffung eines Standardlöschfahrzeugs 16 bis 18 Monate Lieferzeit benötige. Der Gemeinderat stimmt dem vorliegenden Brandschutzbedarfsplan einstimmig zu, denn alle Fraktionen stehen hinter der Feuerwehr.

PV-Freiflächenanlage "Wannenberg"

Das Haus Königsegg-Aulendorf plant in Zusammenarbeit mit der Blue Elephant Energy, Hamburg im Gewann „Wannenberg“ eine PV-Freiflächenanlage zu errichten.
Die Potentialflächen umfassen ca. 40 ha und eine installierte Leistung von bis zu ca. 43 MW (peak). Die Potentialflächen wurden in einer Präsentation von Herrn Quast als Geschäftsführer der Blue Elephant Energy Devlepopment GmbH vorgestellt und anhand folgender Auswahlkriterien untersucht:

– Alleinlage ohne Sicht-/Blendstörung

– Abstände zu Siedlungsgebieten größer 500 m

– geringe Belastung des Landschaftsbildes.

Aus dem Haus Königsegg-Aulendorf, das seinen Betrieb seit 2019 strategisch im Bereich der erneuerbaren Energien ausrichtet, waren S.E. Maximilian Graf zu Königsegg-Aulendorf und Philipp Erbgraf zu Königsegg-Aulendorf anwesend.

Die Blue Elephant Energy hat sich auf den Betrieb von erneuerbaren Energien spezialisiert. Über 1.100 MW an Solar-/Windenergie befinden sich im eigenen Bestand bei mehr als 60 Kraftwerken. Seit ihrer Gründung 2016 hat die Blue Elephant Energy über 1,5 Mrd. € investiert. Anteilseigner des Betriebes mit 50 Mitarbeitern sind unter anderen die Familien Wacker (Chemie) und Jahr (Medienverlag Gruner+Jahr) oder auch Biontech.

Blue Elephant Energy übernimmt die Entwicklung, den Bau und den Betrieb der Anlage für mindestens die nächsten 30 Jahre. Es ist ein erster Meinungsaustausch über die Umsetzung des Projektes. Wie der Bürgermeister Matthias Burth eingangs erklärte, steht im Hintergrund das Ziel der Klimaneutralität durch 2 % der Freiflächen mit Sonnen- oder Windkraftanlagen zu versehen. Auf Aulendorf bezogen sind dies 104 ha und 40 ha sei dabei ein nennenswerter Anfang.

Die Anlage werde, so der Geschäftsführer Quast, von Blue Elephant Energy entwickelt, umgesetzt, betrieben und nicht weiterveräußert. Photovoltaik sei wirtschaftlich und ökologisch sinnvoll und die kostengünstigste von allen erneuerbaren Energien. Sie sei zudem ohne Geräusche und Emissionen und rückbaubar. 90 Prozent der Gewerbeeinnahmen kommen der Gemeinde zugute, eine Summe im „unteren sechsstelligen Bereich jährlich“. Seine Solaranlagen richten sich nach NABU-Standard für eine naturverträgliche Ausrichtung und Biodiversität. Die Versiegelung der Fläche betrage unter 5 % und auch eine Eingrünung der bis 3 m hohen Anlage ist geplant.

Bürgerinformation geplant

Als nächste Schritte nach diesem informellen Austausch mit dem Gemeinderat ist eine Bürgerinfoveranstaltung und, wie von Burth angeregt, eine frühzeitige Einbeziehung der zu informierenden Behörden geplant. Grundsätzlich unterstütze er die Energiewende, so Pierre Groll (BUS) für seine Fraktion, bevorzugt aber wie Ralf Michalski (FWV) eher PV-Anlagen auf Dächern, hinterfragt die angesprochene Doppelnutzung durch grasende Schafe und schlägt vor, sich mit dem LAZBW über ein Forschungsprojekt zu verständigen. Letzterer Vorschlag wird auch von Konrad Zimmermann (CDU) und Rainer Marquart positiv gesehen und auch vom Betreiber gerne als Idee mitgenommen. Die Erweiterungsoption eines Speichers sei technisch unproblematisch umsetzbar, aber noch nicht wirtschaftlich geregelt, so Quast.

Weitere TOPs

Die übrigen Tagesordnungspunkte (TOPs) Bebauungsplan „Schlossgarten Schuhhalde“ und der Grundsatzbeschluss zu Pop Up Stores wurden dann zügig beraten und abgestimmt, ohne Beteiligung der befangenen Räte (Rainer Marquart und zum anderen Beatrix Nassal). Einstimmig wurde der Beschlussantrag der Verwaltung zum Bebauungsplan angenommen. Dabei ist Ziel der Planung die städtebauliche Struktur und die Erscheinungsweise in der gewachsenen Innenstadt zu steuern, so dass die Harmonie und der Wiedererkennungswert des typischen Ortsbildes gewahrt bleiben. Weiteres Ziel ist die dauerhafte Stärkung der Zentralität der Stadt und die Sicherstellung einer dem historischen Stadtkern angemessenen städtebaulichen Entwicklung durch ein ortbildprägendes Ensemble mit dem Schwerpunkt Gastronomie-/Dienstleistungs- und Wohnnutzung.

Nicht einheitlich waren hingegen die Meinungen zu Pop Up Stores. Wie die Kämmererin Silke Johler erklärte, sind es wechselnde Betriebe im Zeitraum von 2 bis 4 Monaten in einem fixen, von der Stadt angemieteten Raum. Außer bei der CDU wurde dieses Konzept befürwortet und bei jährlichen Kosten von rund 12.000 Euro wurde mehrheitlich dem Förderprogram für die nächsten 2,5 Jahre zugestimmt. Wenn man nichts mache, so Burth, nehme man Leerstand und negatives Image in Kauf. Ungeachtet dessen gab es Gegenstimmen durch Konrad Zimmermann, Kurt Harsch, Stefan Maucher und Gabi Schmotz, alle CDU, die eine Verzerrung des Wettbewerbs befürchten.

 

GR FreiflächenPV

Beim Tagesordnungspunkt „PV-Freiflächenanlage Wannenberg“ waren S.E. Maximilian Graf zu Königsegg-Aulendorf (Zweiter von rechts) und Erbgraf Philipp anwesend

 

27GR Brandschutzbedarfsplan

Der Feuerwehrbedarfsplan wurde von Sven Volk und Kommandant Martin Seifert erläutert. Links Bürgermeister Burth

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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halloRV

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