Aulendorf – Ein Sommertag war am Sonntag angesagt mit Temperaturen deutlich über 20 Grad, also zwingend kurz-kurz Bekleidung auf dem Rad. Von Aulendorf fuhr ich über Reute, Gaisbeuren und Ankenreute nach Wolfegg am Auto- und Bauernhaus-Museum sowie Schloss, einem Renaissancebau mit einem 52 Meter langen Rittersaal vorbei, hoch zur Abzweigung nach Grund, wo ich eine Stippvisite bei den Baumbesetzern im Altdorfer Wald machte. Diese hatten am Muttertag ein neues Transparent hoch über die Straße gehängt, das im Dank an die Mutter die Mutter Erde einschloss, wie es Religionen und andere Weltanschauungen tun.

Nach Grund Richtung Vogt bog ich links ab über Rötenbach, Tannen und Siggen nach Bietenweiler. Immer wieder boten sich phantastische Blicke auf die tief verschneite Bergkette vom Allgäu Nagelfluh über die Vorarlberger und Schweizer Bergspitzen bis zum Säntis, 2501 Meter hoch. Speck, Ganszürnen, Unterriedgarten hießen die nächsten kleinen Orte, die ich durchfuhr. Über die Untere Argen war ich in Wangen im Allgäu angekommen. In der einstigen Reichsstadt sind besonders die zwei großen spätgotischen Tortürme und das Rathaus mit einer prächtigen Barockfassade sehenswert. Ich erinnerte mich aber gerade, dass dort eine ehemalige Kollegin von mir wohnt, der ich einen Besuch abstatten wollte. Und wie es der Zufall wollte kam sie und Jogi von der anderen Seite, als ich im Begriff war die Gartentüre zu öffnen.. Sie wollten mit ihren E-Bikes „Cube“ und „Stevens“ gerade aufbrechen nach Lindau, und so änderte ich meine ursprünglichen Pläne und schloss mich ihnen an.

Wir fuhren gemeinsam, sie auf E-Bikes, ich auf dem Rennrad ohne Unterstützung, was gut harmonierte, eher musste ich mich immer wieder bremsen. An der Halle, wo die Barock-Radrundfahrt Ende der Sommerferien immer startet, vorbei, der Argen entlang wird viel gebaut, ein neues gemischtes Wohngebiet soll entstehen, und die ersten wohnen auch schon dort auf dem ehemaligen Fabrikgelände der Textilfabrik Erba. In der Regel fuhr meine Ex-Kollegin Heidi voraus, an der oberen Argen entlang einem gut ausgeschildertem Radweg folgend. Wir schwatzten über dies und das, überquerten mehrmals die Argen und gelangten so nach Hergensweiler und Mollenberg. Dort auf einer Anhöhe machten wir Pause mit dem Blick auf Lindau und Bodensee, Pfänder und ins Rheintal.

Heidi und Jogi wollten noch hinunter zur österreichischen Grenze, die von Ausnahmen abgesehen derzeit geschlossen ist. Der Kreis Lindau mit einer Inzidenz von aktuell 82 liegt zwar vergleichsweise gut und auch in Bregenz ist man erstmals seit 7 Monaten wieder unter 100 Fällen, aber noch hat sich der Grenzverkehr nicht der neuen Lage angepasst. Ich verabschiede mich von den beiden, und kehre um, folge am Rückweg der Bodenseestraße, bis ich nach Dabetsweiler links abbiege. Roggenzell und bei Duznau am mit vielen bunten Fahnen geschmückten Schloss Achberg vorbei, ging es nach Siberatsweiler und Echetweiler mit Blick auf den Muttelsee. Hiltensweiler, Unterlangnau und über die Argenbrücke nach Laimnau beendeten die Fahrt durch die Weiler.

Inzwischen hatte ich das Allgäu verlassen und war in der Bodenseeregion rund um Tettnang dem Schussental nahe. In Laimnau suchte ich mir links ab einen etwas abenteuerlichen Weg für meine schmalen Rennradreifen über die Iglerberger Straße durch den Wald auf gut ein Kilometer unbefestigter Straße nach Neuhäusle und Waldhub bzw. danach Baumgarten, das man besser kennt. Über Siggenweiler geht es oberhalb von Liebenau über Berg tatsächlich hinunter ins Schussental und in Obereschach folge ich dem Radweg rechts ab nach Oberhofen, Torkenweiler, alles Eingemeindungen der Stadt Ravensburg mit über 50 000 Einwohnern. Längst schon vor der Türmestadt weisen die Mehlsäcke in den Vorgärten daraufhin, dass hier auf ihre Heimat stolze Ravensburger wohnen. Zur Erklärung für Auswärtige: der Mehlsack, ein runder Turm ist das Wahrzeichen der Stadt, der bis zur Höhe der Veitsburg hochragt, 51 Meter hoch am St.-Christina-Hang. Als Ravensburger muss ich natürlich sagen, es ist die wichtigste Stadt südlich von Ulm, auch wenn sich Biberacher Schützenfest und Ravensburger Rutenfest in ihrer langen Tradition sehr ähneln, aber die Ravensburger Spiele und Puzzles kennt man selbst in Australien, no doubt.

Weingarten lasse ich rechts liegen, denn nach dem Bahnhof in Ravensburg folge ich tatsächlich der Schussen, wenn auch nicht direkt. Nach Aulendorf geht es aber zum Ursprung der Schussen bei Bad Schussenried. In Staig finde ich einen netten Vater, der mit seinen zwei Kleinen im Garten ist, den ich bitte, mir meine Wasserflasche aufzufüllen. Noch sind es gut 20 km bis Ebersbach, wo ich verabredet bin. Mateo, sein 4-Jähriger darf mir die mit herrlich kühlem Hahnenwasser gefüllte Flasche überreichen, die ich bis zum Ziel leere. In Ebersbach gibt es zum Wasser auch dann noch Bier, Bergbier und Walder Bräu, das ich mir verdient habe. 135 km bei 1303 Höhenmetern in knapp 7 Stunden mit 19 persönlichen Auszeichnungen sagt meine Strava App zu dem Ergebnis.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

 

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halloRV

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