Aulendorf – Fast wie die Ziehung der Lottozahlen in einer öffentlicher Sitzung wurde der letzte noch zu vergebende Bauplatz im Baugebiet Tafelesch bestimmt.

Herr Rieger für den Bauträger brachte die Lose orginalverpackt mit und ohne dass die Namen mit den Losen verknüpft sind, wurde gezogen. Als Losfee fungierten der Ortsvorsteher von Zollenreute Stephan Wülfrath und nach einigem Zögern der ganzen Runde Beatrix Nassal, vielleicht weil sie den kürzesten Weg nach vorne hatte. Jedenfalls wurden drei Nummern in der Reihenfolge 14, 21 und 3 gezogen und die Bewerber*innen werden nach dieser Reihung gefragt, ob sie weiter zu ihrer Bewerbung stehen.

Als nächstes war der Tagesordnungspunkt, der sich mit den Baugebieten Buchwald und angrenzend Bildstock beschäftigte, an der Reihe. Der Bürgermeister Matthias Burth zählte die Fragen auf, die im ersten Schritt des Bebauungsplanes und bei der öffentlichen Anhörung eine Rolle spielten: Verkehr Hillstraße, Eingriff in ein Naherholungsgebiet und Entwässerung, sowie Regenwasserüberflutung.

Antonia Kasten vom beteiligten Architekturbüro erläuterte die Details. Es ging unter anderem um schalltechnische Untersuchungen, eine 3,5 m hohe Schutzmauer an der Einmündung Saulgauer Straße, die ausgebaut und mit einer Abbiegespur versehen werden muss. Diese Baumaßnahmen, eine Schutzmauer auf 50 Meter an den Enden abgeschrägt, bringe wenig Schutz, und auch das Ortsschild zu versetzen, wäre leider nicht mit dem Landkreis zu vereinbaren gewesen. Das bedauerten viele, denn es hätte die Kosten und die Baumaßnahmen verringert.

Die Schallschutzmaßnahmen bestehen somit aus einer Baumallee im Mündungsbereich und das Tempo der Fahrzeuge kann nur auf 70 kmh gedrosselt werden. Herr Kapitel, der für die Erschließungsmaßnahmen zuständig ist, versicherte, dass der Mahlweiher nicht wie befürchtet, überflutet werden kann, und zudem seien „Retentionszisternen zur Regenrückhaltung bei jedem Grundstück vorgesehen. Ganz am Ende der Tagesordnung, kurz vor 23 Uhr kam er nochmal zu Wort, auch für ihn ein langer Arbeitstag.

Ein ganz neues Thema war die „Option für eine klimaneutrale Quartiersversorgung“, kurzweilig und anschaulich vorgestellt von Dr. Harald Schäffler aus Freiburg. Er informierte über die Machbarkeit von 100 % Klimaneutralität mit erneuerbaren Energien, zukunftsgerecht und finanzierbar, denn mit Hilfe der Förderprogramme BEW und BEG werde jeder eingesetzte Euro 5-fach bezahlt. Umgesetzt hat er mit Schäffler Sinnogy schon Projekte im nahen Schlier, Waldburg und Vogt. Erdwärmesonden pumpen in der Regel diese Energie aus dem Boden und mit PV-Anlagen auf den Dächern werde der dafür notwendige Strom bereitgestellt.

Die Förderung sei für Mehrfamilienhäuser günstiger für den einzelnen Bauherr, aber auch für Einfamilienhäuser, kombinierbar mit gemeinsam genutzten Anlagen möglich. So war sich der Gemeinderat einig, eine erste Potentialanalyse für das Baugebiet Buchwald/Bildstock in Auftrag zu geben. Diese komme in 4-6 Wochen zum Ergebnis, so Schäffler, und eine darauf folgende Machbarkeitsstudie dauere 6 bis 12 Monate.

Die Einbeziehungssatzung für Münchenreute stellte Frau Kupfer von Lars consult vor, und der Gemeinderat beschließt einstimmig die Vorlage. Nächster Punkt, beim neu zu planenden Baugebiet Ober der Ach in Blönried waren wieder Schallschutzmaßnahmen zum Bahngleis mit angrenzendem Spielplatz zu beachten. Empfohlen wird passiver Schallschutz, also entsprechende Fenster und Türen im Plan vorzusehen. Auch Zisternen, hier Drosselzisternen, müssen sein und bei Befangenheit von Kurt Harsch wurde das Thema einstimmig bei zwei Enthaltungen beschieden.

 

Bahnübergänge sollen bleiben

Auch ein Bahnthema waren die vier Bahnübergänge, denen die Stilllegung droht. Die Bauamtsleiterin Kathleen Kreutzer berichtete aus den Verhandlungen mit der Bahn, die aus Sicherheitserwägungen und auf Grund der Umstellung auf die neue Technik bis 31.12. dieses die Sache entscheiden möchte. Sollten die Bahnübergänge nicht geschlossen werden, würde eine 6-jährige Bauzeit der Instandsetzung folgen.

In dieser Zeit sind die Bahnübergänge nicht mit einem Fahrzeug zu überqueren und würden mit einem Poller abgesperrt. Damit war der Rat ganz und garnicht einverstanden, der Ortsvorsteher Hartmut Holder erwähnte eine Unterschriftsliste dagegen, und Pierre Groll wollte sogar rechtliche Schritte gegen die Bahn prüfen und gegebenenfalls klagen. Es betrifft zuallererst die Bahnübergänge Steinenbach-Schmittenweg und beim Tiergarten.

Selbst wenn Umwege vorhanden oder sowieso einzurichten wären, sind Landwirte, die ihre Felder auf der anderen Seite der Bahn haben zu kilometerlangen Umwegefahrten gezwungen, für die Rettung ein Problem und überhaupt für gewohnte Wege aller Benutzer wie die Tannhauser Ortsvorsteherin Margit Zinser-Auer bekräftigte, nicht tragbar. Alle betroffenen Bahnübergänge müssen ofen gehalten werden, entschied der Rat.

Letztes Thema, das Diskussionen auslöste war die Umstellung bei Recyclingmüll. Entscheiden tut diese Sache der Kreis. Das Biberacher Modell, das mit Doppelnutzung für Papier und Wertstoffe, die in den gelben Sack gehören, dem Bürger eine Tonne erspart, ist nicht bei den Möglichkeiten dabei.

 

Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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 Bild: Baugebiete Buchwald Bildstock (vorne)

 

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Bild: Burth mit Dr. Schäffler

 

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halloRV

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