Aulendorf - Vor dem Eintritt in die Tagesordnung verabschiedete Bürgermeister Matthias Burth den Kämmerer Dirk Gundel, der ihm 10 Jahre und 11 Monate zur Seite stand. Der Hesse kam zu einer schwierigen Zeit für Aulendorf mit hohem Schuldenberg ins Amt, schon erfahren, feierte er doch 2012 bereits sein 25-jähriges Dienstjubiläum.
Am besten beschreiben seine Arbeitsbelastung die 200 Besprechungen mit dem Landratsamt, musste doch jede Ausgabe über 10.000 Euro auf schriftlichen Antrag genehmigt werden. Auch die gemeinsamen Zugfahrten bis nach Trier aus dieser Zeit sind Burth noch nachhaltig im Gedächtnis geblieben. Auch Konrad Zimmermann, der für den gesamten Gemeinderat seinen Dank ausspricht, lobt seine Verlässlichkeit, seine menschliche und sympathische Art, auch den Till Eulenspiegel in ihm, der ihnen sprichwörtlich den Spiegel vorgehalten hatte. Sie werden ihn vermissen und hoffen, ihn noch öfters in Aulendorf zu sehen. Der Hesse Gundel bedankt sich für die Abschiedsgeschenke und bezeichnet seine Zeit als sehr arbeitsreich, aber auch sehr lehrreich, „immer kam noch etwas hinzu, wenn man sich nicht schnell genug weggeduckt hat“. Stolz ist er darauf, die Schulden zurückgefahren zu haben, sowie auch Neues aufgebaut zu haben.
Kindergarten für rund 5,5 Millionen Euro
Die Entwurfsplanung, vorgestellt von Architekt Andreas Hack, war sofern sinnvoll und machbar, um 393.000 Euro bei gleichem Raumprogramm wie im Vorentwurf gekürzt worden. Der Entwurf fügt sich ins Gelände ein und wie die Landschaftsarchitektin von Lintig assistierte, soll ein Sandspiel mit Sonnensegel für die Krippenkinder und ein Sandspiel mit Wasssermatsch-Spielmögichkeiten für die größeren Kinder ab 3 Jahre entstehen. Es sei dabei auch möglich, schon genutzte Spielgeräte aus dem bisherigen Kindergarten auszubauen und an neuer Stelle einzubauen. Der Fachmann für Sanitär ergänzte, dass er eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage bevorzuge gegenüber einer Fensterlüftung im Herbst und Winter. Die Nassräume sind mit einem Abzug soweit in der Lage, Schimmelbildung auszuschließen. Im Sommer werde eine Nachtauskühlung durch Dachventilatoren erreicht. Wie sein Kollege für die Elektrik erklärte, werde die Energie vom Schulgebäude mit erweiterbarer Photovoltaik aus versorgt: Zum einen die automatische Jalousiensteuerung wie auch Telefon und Internet.
Holzböden und Wände sind so konzipiert, dass diese ein- bis zweimal abgeschliffen werden können. Profilierte Alubleche mit Blick nach draußen, aber nicht Blick in das Gebäude hinein sind rundum vorgesehen. Die Fenster und Türen sind in weiß gehalten. Farbe komme durch die Kinder, so Hack. Eine zusätzliche Be- und Entlüftungsanlage koste cirka 150.000 Euro brutto. Über diese müsse heute abgestimmt werden. Bei 70 Prozent der Ausschreibungen über die Hauptgewerke könne mit einem Baubeginn in einem Jahr gerechnet werden. Bürgermeister Burth ergänzte die Einnahmesituation. Bei einem Zuschuss von 891.000 Euro verbleibe ein Eigenanteil von 4,7 Mio Euro bei der Stadt.
Konrad Zimmermann (CDU) sprach sich für die kostengünstige Lösung ohne Belüftungsanlage aus. Dem schloss sich Ralf Michalski, Freie Wähler, an. Pierre Groll, B.U.S fragte sich insbesondere, ob die Außenlage unbedingt 400.000 Euro kosten müsse. Immerhin handele es sich um 2500 m² für die Dreijährigen und 300 m² für die Krippenkinder, entgegnete die Landschaftsarchitektin von Lintig. 18 Monate nach Baubeginn, also im Frühsommer 2023 könne mit einer Fertigstellung gerechnet werden. Rainer Marquart (SPD) stimmte schweren Herzens zu, obwohl er die Kosten für Aulendorfer Verhältnisse für unangemessen hält. Gegen das Projekt stimmten Robert Rothmund (Freie Wähler) und Kurt Harsch (CDU). Letzterer sagte „nicht vorstellbar, Kinder in einen Betonbunker einzusperren“ und im Übrigen zu teuer. Mit 15 Ja, einer Enthaltung (Martin Waibel, BUS) und zwei Gegenstimmen wurde dem Entwurf zugestimmt.
Der Bebauungsplan "Allewindenstraße-Hasengärtlestraße" befasste sich in seiner 2. Änderung zum Planentwurf mit der Anhörung der Träger öffentlicher Belange und sonstiger Behörden und Beteiligung der Öffentlichkeit. Die freie Architektin Antonia Kasten stellte den Entwurf für die Erweiterung des EDEKA-Marktes vor. Mit zwei Empfehlungen von Martin Waibel B.U.S versehen, eine Solaranlage auf dem Dach und eine Solarenergietankstelle zu berücksichtigen, wurde der Entwurf einstimmig verabschiedet.
Bei der Feststellung der Jahresrechnung 2019 wurde ein deutlich besseres Ergebnis als der Entwurf und der Nachtragshaushalt erzielt, so Burth. So geht man mit Rücklagen von insgesamt 8,6 Mio. Euro ins Jahr 2020. So gab es auch keine Diskussion zur Feststellung über das Rechnungsjahr 2019 und der Jahresrechnung wurde einstimmig zugestimmt. Ebenfalls einstimmig wurden der Coronabedingte Verzicht auf die Kindergartenbeiträge von April - Juni 2020 für gut geheißen.
Mehr Diskussion gab es bei der Beteiligung der Stadt an der Aktion "1.000 Bäume für 1.000 Kommunen" des Gemeindetages. Nicht in der Sache an sich, sondern in der Ausführung. In Absprache mit Matthias Holzapfel (B.U.S) wurden Laubbäume, die 15 – 20 Meter hoch werden und welche mit gut 30 Meter Kronenhöhe vorgeschlagen. Solange der Vorrat reicht kann an drei Abholterminen jeder Aulendorfer maximal drei Bäumchen bekommen, wobei kein Anspruch auf einen bestimmten Baum vorgesehen ist. Mit dieser Aktion können rund 4300 Tonnen Co2 pro Jahr gebunden werden. Ralf Michalski (FWV) warf ein, ob diese Höhe für kleine Grundstücke geeignet sei und ob auch kleinere Obstbäume möglich wären. Nach längerer Diskussion wurde am Ende eine 3. Kategorie Obstbäume beschlossen, die demnächst bei der Firma Karl Schlegel Riedlingen beschafft werden sollen.
Text und Bilder: Gerhard Maucher
Bürgermeister Burth überreicht Gundel ein Abschiedgeschenk.
Die Entwurfsplanung für den neuen Kindergarten wird vorgestellt.
Architektin Antonia Kasten stellt den Entwurf für die Erweiterung des EDEKA-Marktes vor.

