Aulendorf – Karin Halder (BUS-Fraktion) konnte rund 30 Zuhörer:innen zum Bürgergespräch im voll besetzten Nebenraum des „Ristorante Zum Mohren“ begrüßen, darunter Gemeinderäte und die Ortsvorsteher aus Blönried und Tannhausen. sowie einen SPD-Kreisrat.

 

Seit Ende September ist das Primärversorgungsnetzwerk in der ehemaligen Apotheke (Hauptstraße 50) für Bürgerinnen und Bürger geöffnet. Geplant und durchgeführt wird das Projekt vom Ärztehaus am Schloss: Dr. Jan Schmidt und Sebastian Eisenlauer. die bei der Veranstaltung ihr Projekt präsentierten und Fragen dazu beantworteten. Im Gegensatz zum Primärverversorgungszentrum, das als Ersatz für das geschlossene Krankenhaus in Bad Waldsee gedacht ist, findet im PVN Aulendorf keine ärztliche Behandlung statt. Eisenlauer war wie sein Kollege Schmidt sagt, die treibende Kraft das PVN zu installieren.

Es wird vom Ärztehaus am Schloss mit Fördermitteln des Landes Baden-Württemberg betrieben. Projektträger ist die Stadt Aulendorf, die Förderung läuft bis Mai 2024. Das Förderprogramm zur Verbesserung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum wird unter anderem mit diesem Projekt erprobt und danach evaluiert. Eisenlauer zählt auf, was darin gemacht wird: Unterstützung vor und/oder nach einem Krankenhausaufenthalt bei Medikamentenplänen, Verordnungen und den ganzen weiteren Abläufen. Medikamente sind gerne von zuhause mitzubringen.

Unterstützung bei der Suche nach häuslicher oder stationärer Pflege, um zu verhindern, dass nicht Pflegebedürftige aus Aulendorf im Pflegeheim Eberhardzell und umgekehrt Eberhardzeller in Aulendorf untergebracht werden. Unterstützung bei der Suche nach Fachärzten, Entgegennahme von Bestellungen für Rezepte und Überweisungen. Abzuholen sind diese aber nach wie vor im Ärztehaus, schon aus Sicherheit, dass kein Rezept auf diesem Weg verlorengeht. Nicht zuletzt bietet das PVN Hilfe bei digitalen Gesundheitsangeboten. Patienten können mit ihrem Handy kommen, um eine App zu installieren. Es kann jede/r Patient:in oder Angehörige kommen. Er oder sie muss nicht Patient:in des Ärztehauses sein.

Die beiden Ärzte betonen, dasss sie ihre erfahrenen Arzthelferinnen aus dem Ärztehaus, die die Strukturen vor Ort kennen, im PVN einsetzen. Es ist ein niederschwelliges Angebot und man bennötigt keine Versicherungskarte. Die Öffnungszeiten sind Montag – Freitag 8.00 bis 12.00 Uhr und Montag, Dienstag und Donnerstag 14.00 bis 16.00 Uhr. Alle 14 PVN in Baden-Württemberg arbeiten ohne Vergütungsstruktur und die Finanzierung nach Mai 2024 ist ungeklärt. Gefragt zur Zusammenarbeit mit den Pflegestützpunkten, erklärt Eisenlauer, dass sie Betroffene zur Beratung hinschicken, aber sie greifen auch eine Anregung des Stadtseniorenratsvorsitzenden Franz Erwin Kemper auf, Beratungstermine in ihren Räumen zu vereinbaren. Eine anwesende niedergelassene Psychotherapeutin fragt nach Sozialarbeitern.

Hier verweist Eisenlauer auf die Stadt oder einschlägige Träger wie Caritas. Die Resonanz könnte besser sein, sagt Eisenlauer und er fordert die Anwesenden auf, in ihrem Umfeld von der Veranstaltung zu berichten und das Angebot bekannter zu machen. Es könnte auch das Ärztehaus mit seinem Andrang und Warteschlangen bis auf die Straße entlasten.

Seit zwei Wochen besteht dort ein Aufnahmestopp für neue Patienten. Jeden Tag werde das Telefon von Patienten aus umliegenden Orten blockiert, die aufgenommen werden möchten. 1993 sei das Ärztehaus von seinem Vater mit 2 Ärzten errichtet worden, sagt Jan Schmidt. Heute arbeiten dort 9 Kolleg:innen in beengten Verhältnissen. Aber er sei zuversichtlich, diesen Zustand in einigen Jahren mit dem Bau eines neuen Ärztehauses in Ortsrandlage zu beenden. Darin sollte auch Platz für PVN und Pflegeplätze sein.

 


Text und Bild: Gerhard Maucher

 

 

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