Aulendorf - Vom nachhaltigen Sonntag in Aulendorf und der Würdigung als Fairtrade-Stadt berichtet unser Reporter Gerhard Maucher.
Es war eine kluge Entscheidung der Veranstalter, den Schenk- und Tauschbasar vom Schlossinnenhof in die Stadthalle witterungsbedingt zu verlegen. Kurz nach Beginn um 11.00 Uhr war das Gewusel der Besucher*innen dort besonders groß, denn es galt „wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Leider waren in der Hauptstraße die Reihen der Aussteller etwas lückenhaft, angesichts der bescheidenen Wetterprognosen für den Sonntag.
Trocken und warm war es hingegen bei den Vorträgen, wenn auch, wie Walter Göppel, Geschäftsführer von der Energieagentur Ravensburg empfohlen hatte, die Thermostate an den Heizungen im Marmorsaal des Schlosses auf maximal Stufe 3 aufgedreht waren.
Was man aus Altmaterial alles machen kann
„Eine außergewöhnliche und spannende Begrüßung“, fand Bürgermeister Matthias Burth die Darbietungen des Duos „Recyklang“, die mit ihren Instrumenten aus Teilen vom Schrottplatz ihres Onkels Erwin aus Garmisch viel Applaus ernteten – auch der anwesenden Landtagsabgeordneten Petra Krebs (Grüne) und des Bundestagsabgeordneten Axel Müller (CDU). Der Benzinkanister mit Gartenschlauch als Doppel-Duplex-Instrument, der Tankbass mit Handbremsseilen eines Rolls-Royce, die Abflusspumpe als Panflöte und der Auspuff als Fender-Gitarre – alles wurde umfunktioniert. Bei letzterem rauchte es nicht nur, sondern auch das Lied war passend: Smoke on the water. Mit dieser „tollen Geschichte“, so Burth, wobei er nicht allein den Auftritt, sondern das Programm des ganzen Tages in und außerhalb des Schlosses meinte, sei endlich ein würdiger Rahmen gefunden worden, das Projekt „FairTrade“ in Aulendorf zu präsentieren.
Breites Spektrum an Akteuren
Nach etwas Anlaufschwierigkeiten mit einer ersten Ablehnung durch den Gemeinderat 2017 hatte es Fairtrade spätestens 2019 – nun auch mit der Zustimmung des Gemeinderates – aus der Nische des Sozialladens herausgeschafft, wo Fairtrade und Nachhaltigkeit schon seit der Eröffnung im Jahr 2000 Thema waren. Heute sind, wie Bruno Sing, Sprecher der Steuerungsgruppe, stolz aufzählte, nicht nur die Vereine Ökumenischer Sozialladen, Bahnhofsmission und BUND Aulendorf dabei, sondern neben evangelischer und katholischer Kirche auch die Schulen St. Johann Blönried, Schule am Schlosspark und Edith-Stein-Schule engagiert. Die Stadtverwaltung legt bei ihrem Beschaffungswesen den Maßstab auf fair gehandelte Produkte und in den Geschäften Modehaus Scheffold, EDEKA-Markt Sigmund, Rewe, Herrenmühle und Getränkemarkt Vogel, Frischemarkt Raisch kann man diese kaufen oder in den Gasthäusern Schalander, Rad & Hotel Arthus, Bäckerei Leser, Irreal und Cafe-Bar Schlossgarten verzehren.
Pfiffiges Lob des Teilens
Manfred Holz, Ehrenbotschafter Fairtrade Deutschland, verwies in seiner Rede auf die Kreativität der Aulendorfer mit ihren Aktionen, denn ohne sie bliebe die Vision eine Illusion. Eine Bemerkung auf die schnellen Klicks bei Facebook konnte er sich nicht verkneifen, denn würde auf der Welt so viel geteilt wie dort, gäbe es keine Armut. Fair sei es, nicht billig einzukaufen, wofür andere teuer bezahlen. Jeder Bundesbürger gibt jährlich 25 Euro für fair gehandelten Kaffee, Kakao, Bananen oder Tee aus. Da sei noch Luft nach oben bei 54 Euro der Österreicher und 103 Euro der Schweizer.
Als Fairtrade-Stadt stehe Aulendorf jetzt in einer Reihe mit den bekanntesten europäischen Metropolen. 2009 war Saarbrücken die erste deutsche Stadt, Aulendorf kommt nun als 674. Stadt in Deutschland hinzu. Im Landkreis Ravensburg sind es die Städte und Gemeinden Ravensburg, Wangen, Bad Waldsee, Leutkirch Amtzell und Isny, in nächster Nachbarschaft kam jüngst die Stadt Biberach hinzu.
Früh unterwegs zu sein, war auch an allen Aktivitäten unter freiem Himmel geboten, denn wer hatte schon Lust, am verregneten Nachmittag mit nassem Schreibmaterial seinen ökologischen Fußabdruck im Umgang mit Energie, Konsum, Ernährung und Mobilität zu ermitteln. Schade, aber es wird noch mehr Gelegenheiten zum Bummeln und Mitmachen geben.
Text und Bilder: Gerhard Maucher

Manfred Holz, Ehrenbotschafter Fairtrade Deutschland, verliest die Urkunde.

Walter Göppel, Geschäftsführer der Energie-Agentur, bei seiner Ansprache im Marmorsaal.

Die Zuhörerschaft im Marmorsaal.

Doppelt kreativ: das Duo „Recyklang“.

Gut besucht: der Schenk- und Tauschbazar in der Stadthalle.

Auf dem Weg zur Verringerung des ökologischen Fußabdrucks.



Stände auf der Hauptstraße.

