Aulendorf – Im Beisein von Bürgermeister Matthias Burth wurde die „Rote Bank“ am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt. Elvira Birk von der Beratungs- und Interventionsstelle für Frauen und Kinder in Not e.V. in Ravensburg berichtet aus ihrem Alltag, wo sie fast täglich mit Formen der häuslichen Gewalt konfrontiert ist.
Letztes Jahr waren es 271 Fälle, wo sie tätig werden mussten. Ihr Verein betreibt auch noch das Frauen- und Kinderschutzhaus im Landkreis, wo Frauen Schutz suchen können vor weiteren Übergriffen, aber auch Beratung und Begleitung beim Verarbeiten des Erlebten bekommen.
Darüber hinaus leisten die Beratungsstellen auch Kriseninterventionsarbeit, etwa nach einem Polizeieinsatz, um Schutz und Sicherheit für die Betroffenen abzuklären. Und sie gehen auch in die Prävention, um Frauen und Kinder auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Brigitte Thoma von der Stadt Aulendorf ergänzt, dass vor Ort das Ordnungsamt in Zusammenarbeit mit der Polizei Platzverweise aussprechen und kontrollieren.
Die „Rote Bank“ (Panchina rossa) kommt ursprünglich aus Italien, wo sie längst ein Symbol gegen Gewalt an Frauen ist. 2016 wurde sie in Perugia zum ersten Mal an öffentlichen Plätzen aufgestellt, es folgten daraufhin viele weitere Städte in Italien und später auch in Deutschland.
Die Bank soll auf die weiterhin erschreckend hohe Zahl häuslicher Gewalt in unserer Gesellschaft aufmerksam machen.Die Bank selbst ist mahnendes Zeichen für die Plätze, die frei bleiben, wenn Frauen häuslicher und sexualisierter Gewalt zum Opfer fallen. Statistisch gesehen wird in Deutschland jeden dritten Tag eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner aus dem Leben gerissen.
Häusliche Gewalt ist noch weitgehend ein Tabu. Das Aufstellen der Bank inmitten der Öffentlichkeit soll aufmerksam machen und die Vorbeigehenden anregen, darüber nachzudenken, dass jeder und jede dazu beitragen kann, Gewalt in Beziehungen zu beenden.
Die „Rote Bank“ wandert im Landkreis von Ort zu Ort, kommt aus Bad Waldsee, bleibt vom 18.08. – 09.09.2022 in Aulendorf, um danach in Weingarten ihren Platz zu finden. Initiiert wird das Projekt im Landkreis Ravensburg mit von der Gleichstellungsbeauftragten Sonja Grauberger.
Text und Bild: Gerhard Maucher

