Unterankenreute/Oberankenreute – Beim Treffpunkt am Dorfgeminschaftshaus in Unterankenreute haben sich am Samstagnachmittag trotz Schneegestöber 170 Bürger*innen zu einer der ersten Demonstrationen durch Unter-und Oberankenreute versammelt.

Zu Beginn gab es am Gemeinschaftshaus einen Rede zum Regionalplan von Barbara Herzig und ein Gedicht von Rechtsanwalt Klaus Schulz zur Klimagerechtigkeit. Herzig betonte, dass der Regionalplan eine völlig überdimensionierten Wohn- und Straßenbau vorsehe, statt Ressourcen zu schonen und unter Schutz zu stellen.

Sie forderte einen zukunftsfähigen Regionalplan, für den schon 15 000 bis 20 000 Stimmen gesammelt wurden. Danach setzte sich der Demonstrationszug durch das Wohngebiet Richtung Oberankenreute in Bewegung. Am Wirtsbühl, der am nächsten an der Kiesgrube gelegenen Straße in Oberankenreute, erinnerte die die Anwohnerin Ulla Köberle-Lang an den 23. Februar dieses Jahres, wo dieses Gebiet großräumig von der Polizei abgesperrt wurde, um vier Baumbesetzerinnen von den Bäumen zu räumen. Kinder kamen nicht zur Schule, aber Kieslaster durften fahren.

Kies habe Vorfahrt vor Wald, Klimaschutz und Mensch. Sie betont, „trotz des schlechten Wetters sind so viele Bürgerinnen gekommen, um sich gegen den Kiesabbau zu stellen. Es sind nicht nur ein paar junge Leute die dort oben im Wald gegen den Kiesabbau kämpfen, sondern auch wir Anwohner*innen sind klar gegen eine Fortführung dieser Umweltzerstörung. Seit Jahrzehnten regt sich der Widerstand, jetzt gehen wir endlich geschlossen auf die Straße, denn es geht um unseren Wald und vielmehr noch um die Zukunft unserer Kinder."
Manfred Walser, Vorstandsmitglied des BUND Ravensburg-Weingarten vergleicht den Preis pro Tonne Kies, in Deutschland 10, in Österreich 17 und in der Schweiz 20 Euro. Seit mehr als drei Generationen wird Kies aus Oberankenreute und dem angrenzenden Altdorfer Wald bis über die Grenzen nach Schweiz und Österreich veräußert und verfrachtet.

Laut Regionalplan sind weitere 30 Hektar gesunden Mischwaldes, die Fläche von 42 Fußballfelder zur Kiesausbeute vorgesehen. Zusätzlich zu der seit über einem Jahr bestehenden Waldbesetzung bei Grund regt sich auch seit vielen Jahren der Widerstand in der Bevölkerung, welche zuletzt über 13.000 Unterschriften zum Schutz des Altdorfer Waldes gesammelt hatten. Als Alternative zu Kies werde Recyclingbeton trotz erprobtem Verfahren noch viel zu wenig verwendet, so Walser. Auch der Verbrauch von Strom nehme eher zu statt ab. Ein Ausbau der Windenergie könne deshalb vor dem Altdorfer Wald nicht Halt machen.

Der Weg zum Ort der Abschlusskundgebung führte über die Hauptstraße von Ankenreute zurück zum Dorfgemeinschaftshaus, wo der Autor und Journalist Wolfram Frommlet zum Abschluss die Aktionen des zivilen Ungehorsams rund um den Altdorfer Wald in eine Tradition mit den Blockaden gegen Pershing-Raketen in Mutlangen stellte. Damals hatten sich die Nobelpreisträger Heinrich Böll und Günter Grass, die Theologen Helmut Gollwitzer und Norbert Greinacher, die Grünen Petra Kelly und Gert Bastian 3 Tage ungestraft auf die Straße gesetzt. Heute werde eine Studentin zu 4000 Euro verurteilt. Bagatellen, bei denen niemand zu Schaden komme, werden vor Gericht gezerrt. „Seid stolz darauf“ rief er den Baumbesetzer*innen zu.

Allen ist klar, dass wir es uns nicht länger leisten können die Natur immer wieder Profiten unter zu ordnen. Wir werden der ungebremsten Zerstörung nicht länger zuschauen, sondern uns geschlossen dagegen stellen." so der 19-jährige Baumbesetzer Samuel Bosch. "Es ist immer wieder bestärkend zu sehen wie viele Menschen unser Anliegen teilen.

In Zeiten der Klimakatastrophe müssen wir aufhören die alten, zerstörerischen Vorgehensweisen fortzuführen, sondern müssen endlich neue Wege gehen. Das geht nur gemeinsam, deshalb stehen wir heute zusammen auf der Straße." ergänzt Charlie Kiehne.

 

 

Text und Bilder Gerhard Maucher

 

halloRV

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