Ravensburg - „Viele Menschen in Russland sehen die Menschen in der Ukraine als Brüdervolk und umgekehrt.“ Das sagte Maksim Malinovskii im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung des SPD Kreisverbandes Ravensburg am vergangenen Freitag. Der 31jährige Sozialdemokrat wurde in Turkmenistan geboren, studierte in Moskau und Berlin Germanistik sowie Politikwissenschaft. Malinovskii ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Deutschen Bundestags.
Die Differenzierung nach „ethnischen Russen“ und „ethnischen Ukrainern“, wie sie Putin in seiner Argumentation anführt, sei nicht haltbar, denn in der Sowjetunion konnte jeder alle mögliche Nationalitäten in den Pass eintragen lassen. Hieraus ergäben sich formal die Differenzierungen in ethnische Russen und ethnische Ukrainer, sagte Malinovskii in dem vom stellvertretenden Kreisvorsitzenden Michael Hermann moderierten Gespräch, das online übertragen wurde. Ob der Zerfall der Sowjetunion das persönliche Trauma von Putin oder der gesamten russischen Gesellschaft sei, wurde Malinovskii gefragt. Malinovskii analysierte, dass dieser zwar in großen Teilen kein Trauma sei. Jjedoch habe der Zerfall tiefe Spuren hinterlassen, vor allem in Hinblick auf den sozialen Abstieg.
In der Russischen Föderation hätten sich Preise stark verteuert, der Sozialstaat sei abgebaut worden und das Lebensniveau sei gesunken. Daher sehnten sich viele Russen die Zeiten der Sowjetunion wieder herbei, als die Lebenshaltungskosten geringer gewesen seien. Im Hinblick darauf, wie politischer Diskurs in der Öffentlichkeit gelebte wird, berichtete Malinovskii, dass viele insbesondere ältere Menschen nicht kritisch über Politik sprächen und sich darüber hinaus auch nur in den Staatsmedien informierten. Ein Teil der Bevölkerung, den Malinovskii auf ca. 20 Prozent schätzt, informiert sich über alternative, nicht zensierte Medien, welche meist im Internet bspw. auf YouTube oder TikTok zu finden seien.
Als letzten Punkt im Gespräch zwischen Hermann und Malinovskii kam das russische Militär zur Sprache. Laut Malinovskii habe das Militär in Russland einen besonderen Stellenwert und eine große Integrationsfunktion. So sei zum einen der „Große vaterländische Krieg“, wie der Zweite Weltkrieg in Russland genannt wird, dort sehr präsent, zum anderen schaffe die Armee für viele, insbesondere ärmere Russen die Möglichkeit für gesellschaftlichen und sozialen Aufstieg.
In einer anschließenden Diskussion mit den Teilnehmern der Veranstaltung wurden unter anderem die Rolle der russischen Opposition oder der Einfluss von Russia Today im Wesen angesprochen. Zum Ende der Veranstaltung berichtete die Ravensburger Bundestagsabgeordnete und SPD Kreisvorsitzende Heike Engelhardt über die Positionen der SPD und der Bundestagsfraktion zu diesem Thema. „Dieser Krieg ist ein Krieg Putins“, sagte Engelhardt. Für die SPD sei klar, dass es für die militärische Eskalation und der Verletzung der territorialen Integrität der Ukraine keine Rechtfertigung gebe.
Die Reaktion des Westens müsse hart und entschlossen sein und die breite internationale Gemeinschaft müsse eng.zusammenarbeiten. Ziel müsse es laut Engelhardt sein, so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch zurückzukehren und Russland müsse seine Truppen abziehen.
Pressemitteilung und Bild des SPD-Kreisverbands Ravensburg

