Ravensburg - Die aus der Region stammende und in Berlin lebende Künstlerin Francis Zeischegg wurde eingeladen eine ‚Installation‘ 2022 im Atrium der Kreissparkasse Ravensburg zu realisieren.
Wie leben Menschen heute? In welchen Räumen spielt sich Leben ab, welche Vorstellung haben wir von Sicherheit und Geborgenheit? Die Künstlerin Francis Zeischegg verhandelt Themen, die im Grenzbereich zwischen Kunst, Architektur und der Erfahrung sozialer Räume liegen. „Ich betreibe auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen eine Art Grundlagenforschung über die Beziehung von Mensch zu Raum...“ sagt Zeischegg, „dabei begreife ich ‘Raum’ nicht nur als formale Konstante, sondern auch als dynamisches Ergebnis sozialer Prozesse, gesellschaftlicher Praxis und individuellen Verhaltens“. Dieses Zusammenspiel – den Wechsel und Wandel von Materialität, Dimension und Proportion der Behausungen, der Schutz- und Sicherheitsräume – macht Francis Zeischegg in der Installation „... so wohnen wir wandernd“* sichtbar.
Im Atrium der Kreissparkasse erwartet die Besucherinnen und Besucher ein Environment aus mobilen Architekturfragmenten, Skulpturen unterschiedlicher Materialität und Strukturen. Modellhaft erfahrbar sind das ‚Innenfutter‘ der Dachkammer eines Berliner Gründerzeitmietshauses; eine textile Zeltplane aus dem Gepäck eines Bundeswehrsoldaten sowie die kleinste Kammer eines Moderne-Industriebaus. Sie sind scheinbar temporär angeordnet neben einem maßstäblich nachgebauten Mauerfragment des Ravensburger Wehrturms „Mehlsack“.
Die zeltartigen, textilen Raum-Objekte machen die Verletzbarkeit von Bauwerken in ihrer historischen Dimension sichtbar, lassen soziale Zuschreibungen und normative Bauordnungen erahnen. Auf den festen Wänden der Installation finden Besucher Anregungen, sich auf ungewohnte Weise den aufgeworfenen Fragen zu nähern und den eigenen Körper im Raum zu verorten und wahrzunehmen. Zeischegg: Textcollage 2002, Zitat: 1975 Massimo Cacciari: Wohnen.Denken
Francis Zeischegg | studierte Visuelle Kommunikation und freie Kunst an der Hochschule der Künste (UdK) in Berlin (Meisterschülerin) und Sozialwissenschaften an der TU Berlin (Dipl.); sie lehrte von 2004 – 2012 als Professorin an verschiedenen Kunsthochschulen (KHB Berlin Weißensee, Burg Giebichenstein Halle/Saale, Bauhaus Universität Weimar). Bis heute lehrt sie als Dozentin an der Bauhaus Universität-Weimar und an der UdK Berlin.
Als Bildende Künstlerin ist sie in privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten (z.B. Kupferstichkabinett Berlin, Skulpturenpark Museum Morsbroich-Leverkusen und Haus am Waldsee Berlin). Sie war in den vergangenen 10 Jahren an wichtigen Ausstellungen beteiligt: 2016 Jagd- und Fischereimuseum München, 2017 Museum Schloss Morsbroich, 2018 Villa Merkel, 2019 im Zentrum für zeitgenössische Kunst ZAK in der Zitadelle Berlin, 2020 Schloss Achberg.
Einzelausstellungen: 2010 Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern „Reality looks back on me“, 2011 Berliner ‚Galerie Nord‘ (Kunstverein Berlin Tiergarten) „Edge of vision“, 2013 Galerie Andreae Bonn „Field of vision“, 2014 Galerie Vincenz Sala „targets“, 2017 Galerie Andreae Bonn „view control“ u.a.. Stipendien und Förderungen erhielt sie u.a. das Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn und der Senatsverwaltung Berlin.
Rauminstallation mit Arbeiten von 2004 – 2022. Ausstellungsort: Kreissparkasse Ravensburg Meersburger Straße 1, 88213 Ravensburg
Ausstellungsdauer: 21. Februar bis 8. April 2022
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag von 9.00 bis 12.15 Uhr
Montag, Dienstag und Freitag von 14.00 bis 16.00 Uhr
Donnerstag von 14.00 bis 18.00 Uhr
www.ksk-rv.de/ausstellung

1_Mobile Dachkammer, Aufbau 2003
Foto: Jonathan Gröger © Francis Zeischegg / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

2_Mobile Dachkammer, Innenansicht 2020
Foto: Uwe Walter © Francis Zeischegg / VG Bild-Kunst, Bonn 2022
Mobile Dachkammer, 2004 – 2021: Zeltkonstruktion begehbar, Nachbau einer Berliner Dachkammer im Originalmaßstab, LKW-Plane, 270 x 290 x 205 cm (Handelsübliches Zeltgestänge, Sonderanfertigung) Die mobile Dachkammer ist bereits in verschiedenen Zusammenhängen und Kunstevents in Innen- und Außenräumen und eingebunden in verschiedene performative Kunst-Aktionen gezeigt worden, zuletzt an dem Ort, dem sie entstammt, dem Kunsthaus Torstrasse 111 in Berlin Mitte.

3_Trennwandfragment, 2019
Foto: Bernd Borchardt
Trennwandfragment, 2019: Ausstellung: „Geordnete Verhältnisse“ ZAK Berlin (Zentrum für aktuelle Kunst), Zelt-Fragment zwischen die Säulen des Ausstellungsraumes gespannt, handelsübliche Persenning (beschichtet),vernäht, mit Fenstern (Fliegengitter) Druckknopfleiste, Gazefenster, Spanngurte, 2 x (15 m), Ratschen, Maße: 170 cm x 170 cm x 17 m


4 - 5_Urbaner Komplex- Mobile Zeltkabine, 1997
Symposium "Berg und Zeit‘ im Schweizer Appenzell (Bergmassiv Hoher Kasten) Foto: Wolfgang Neuhaus
URBANER KOMPLEX - Mobile Zeltkabine, wechselnde Standorte 1997 – 2007: Zeltplane, Normgestänge, Acryl-Siebdruck/Innenbeschriftung, je Kammer 87,5 x 87,5 cm, gesamt 175 x 210 cm
Für den „Urbanen Komplex“ wurden die Neufertschen Normmaße in eine mobile Zeltkonstruktion übertragen und diese an verschiedenen Orten mit der Umgebung konfrontiert. Durch die Herauslösung städtischer Normmaße aus ihrem gewohnten Umfeld wird den Betrachtern eine kritische Neubetrachtung dessen was als scheinbar unumstößliche Grundlage funktionaler Architektur gilt, ermöglicht.
Presseinformation Kreissparkasse Ravensburg, Bildmaterial: Abdruck honorarfrei unter Angabe der Bildquelle: © Francis Zeischegg / VG Bild-Kunst, Bonn 2022

