Bad Wurzach (Leserbrief) - Maßnahmen, Zahlen und Versäumnisse im Zusammenhang mit Corona
Nein, ich bin kein Besserwisser, erlaube mir aber Kritik an denen, die es nicht nur besser hätten wissen müssen – sie haben es gewusst.
Doch dazu später mehr. Bevor wieder irgendwelche „Leserbriefverachter“ aus den Büschen springen, möchte ich darauf hinweisen, daß meine Kritik in diesem Falle angebracht ist, jedoch nur an zweiter Stelle rangiert. Und noch etwas sei zuvor bemerkt. Herrn Söder sei an dieser Stelle ausdrücklich dafür gedankt, daß er die „Notbremse“ gezogen hat – ja, es war Herr Söder an erster Stelle.
Täglich neue Zahlen, Relationen, Risikobewertungen usw., man mag es schon fast nicht mehr hören, so wichtig und richtig sie sind. Nicht wenige Menschen flößen sie u.a. mehr Angst ein, als sie Klarheit schaffen. Als Bewohner einer Kleinstadt habe ich mir einmal die Mühe gemacht, die Anzahl der infizierten Personen auf dem Hintergrund der Gesamtbevölkerung der Großgemeinde zu vergleichen, und war dann schon mal beruhigter.
Nimmt man dann noch die Anzahl der Einwohner pro qkm hinzu und vergleicht diese Werte mit denen von Stuttgart und Berlin kann man als Laie zumindest einen deutlichen Unterschied in der Risikobewertung erahnen. Die Ausbreitung einer Pandemie geschieht nicht von heute auf morgen, und das Szenario war und ist schon seit dem Jahr 2012 bekannt.
Bekannt ist seit längerem auch der Pflegenotstand, insbesondere bei der Betreuung älterer Menschen. An dieser Stelle möchte ich ausnahmsweise aus dem Bericht von Frontal 21 (Andreas Halbach) u.a. zitieren:
„Prognosen macht die RKI-Analyse auch zu möglichen Versorgungsengpässen für "Arzneimittel, Medizinprodukte, persönliche Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel". Wörtlich heißt es dazu: Weil „die Industrie die Nachfrage jedoch nicht mehr vollständig bedienen kann, entstehen Engpässe".
Angesichts dieser deutlichen Warnungen vor bereits sieben Jahren werfen Kritiker der Bundesregierung vor, sie hätte zu wenig für den vorbeugenden Bevölkerungsschutz getan.“ Interessant hierzu auch die Bundestagsdrucksache 17/12051.
Noch delikater aber die Aussage des Bundesgesundheitsministers vom Januar d.J., als er die Gefahr für Deutschland noch gering einschätzte, obwohl sich in China die Epidemie schon ausgebreitet hatte. Auf die Idee, unter gewissen Bedingungen (Personen pro Fläche) Atemschutzmasken zu verordnen, hätte man vielleicht schon früher kommen können. Ganz schlimm aber, daß solche u.a. nicht einmal für Ärzte und Pflegepersonal in notwendiger Anzahl vorhanden sind.
Geduldig und diszipliniert haben sich die Bürger massive Einschränkungen von Seiten der Verantwortlichen gefallen lassen und u.a. durch i h r Verhalten dazu beigetragen, daß es in Deutschland bei weitem nicht so schlimm ist wie in anderen Ländern. Und was für ein Ballungsgebiet gilt, muß nicht unbedingt für eine Kleinstadt mit relativ großer Fläche gelten.
Otto Loser
Ziegelbach
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