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Bad Wurzach / Bad Waldsee (dbsz) - Das Energiebündnis Bad Wurzach/Bad Waldsee e. V. hat uns zur Frage der örtlichen Energieversorgung nachstehende Stellungnahme zukommen lassen:

Grundlagen
Der spürbare Klimawandel, die angestrebte Einhaltung des 1,5°-Ziels – ratifiziert im Pariser Klimaschutzabkommen, bestätigt durch den Deutschen Bundestag – und die deutsche Gesetzgebung erfordern ein Handeln auf allen Ebenen in Deutschland. Vom Bund, den Ländern bis zu den Kommunen müssen die erforderlichen Schritte für die geforderten Ziele umgesetzt werden.

Das Verbrennen fossiler Brennstoffe muss heruntergefahren und beendet werden, die Klimaneutralität muss in Baden-Württemberg bis 2040 erreicht werden. Der Ausbau der Erneuerbaren Energien, Windkraft und Photovoltaik (EE-Anlagen), ist daher im „überragenden öffentlichen Interesse und dient der öffentlichen Sicherheit“ (gesetzlich vorgeschrieben im EEG).

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt den vordringlichen Bedarf an EE-Anlagen: 1,8 % der Landesfläche für Windkraft- und 0,2 % für Photovoltaikanlagen müssen bis spätestens 2032 verbindlich vorgesehen werden. Das gilt für die gesamte Region und für alle Kommunen. Der Regionalverband hat die Aufgabe, diese Flächenbeitragswerte umzusetzen und die Flächen bereit zu stellen.

Lokale energetische Herausforderung
Welche Herausforderungen sich für Bad Wurzach und Bad Waldsee stellen, zeigen die vorliegenden Energiedaten der Energie- und Klimaschutzkonzepte aus den Jahren 2015 (Daten 2012) bzw. 2014 (Daten 2010-2012).

Neuere und aktuelle Zahlen liegen uns leider nicht vor, da danach keine Energieberichte mehr verfügbar sind. Seitdem ist die Bevölkerung angewachsen, es wurde viel gebaut, der Verkehr hat zugenommen, gleichzeitig wurden teilweise Sparansätze und geringe Umstiege auf EE unternommen. Die Zahlen aus 2012 sind 2023 vermutlich noch höher anzusetzen, da bundesweit der Energieverbrauch gestiegen ist. Wir beschränken uns aber auf die vorliegenden Energiedaten.

TAB

Bad Wurzach hat ca. 15.000 Einwohner, Bad Waldsee etwas über 20.000 Einwohner. Es zeigen sich sehr große Unterschiede in den Energieverbrauchswerten insgesamt und auf pro Kopf bezogen. In Bad Wurzach ist der Wert 2,8-mal höher als in Bad Waldsee. Wir sehen an den Zahlen, dass die Herausforderungen für Bad Wurzach ungemein größer sind als für Bad Waldsee. Der sehr hohe Verbrauchswert in Bad Wurzach beruht auf den teilweise sehr energieintensiven Gewerbebetrieben.

Ein guter Ansatz ergibt sich aus den CO2-Ausstoßwerten, die pro Einwohner angerechnet werden. Dieser darf in Bad Wurzach zur Erreichung der Klimaneutralität künftig nur noch 1/7 des jetzigen betragen, von 14,3 t auf unter 2 t. In Bad Waldsee darf er nur noch 1/3 des jetzigen betragen, von 6,7 t auf unter 2 t. Im Land Baden-Württemberg ist der Wert 2019 auf 5,7 t / Einwohner und Jahr zurückgegangen (Bundesdurchschnitt 9,2 t/ Einwohner).3)

Der Ersatz der fossilen Wärmeenergiegewinnung beider Städte ist die größte Herausforderung: 88 % bzw. 85 % der Wärme werden bisher aus Gas, Erdöl oder Kohle gewonnen. Bei der bisherigen Stromgewinnung, 64 % bzw. 71 % aus fossilen Quellen, schneidet Bad Wurzach besser ab als Bad Waldsee. Der Grund liegt in der höheren Zahl privater Dach-PV-Anlagen: in Bad Wurzach 37 %, in Bad Waldsee 19 % der geeigneten Dächer, zudem an mehr Biogasanlagen in Bad Wurzach.

Wie sind die Zukunftsplanungen?
Die Diskussion über den Klimawandel gibt es nun schon sehr lange, die allermeisten Klimaforscher und verschiedene Gruppierung machen schon seit Jahren bzw. Jahrzehnten darauf aufmerksam und betonen die Dringlichkeit. Klimaschutzgesetze fordern es und Technologien zur Umsetzung existieren.

Wie ist der Plan der Kommunen Bad Wurzach und Bad Waldsee mit ihren Gemeinderäten und der Verwaltung zu diesen Anforderungen und Herausforderungen? Klimaschutzkonzepte und Energieleitbilder existieren in den Kommunen seit vielen Jahren. Was wurde bisher konkret gemacht, was sind die konkreten Ziele und wie ist der Weg dahin geplant?

Der Einsatz der EE-Anlagen auf den lokalen Flächen ist notwendig und wird unweigerlich kommen. Anstatt uns dagegen zu wehren, müssen wir versuchen, diese Umsetzung der Energiewende positiv mitzugestalten. Die aktive und finanzielle Beteiligung der Bürger an dieser Wende ist ein entscheidender Schlüssel auch für die Akzeptanz. Schlussendlich liefern die EE-Anlagen sauberen und günstigen Strom.

Das Energiebündnis Bad Wurzach/Bad Waldsee e.V. ist bereit, diese Energiewende aktiv mitzugestalten.

Einordnungen
Wir in Deutschland sind zwar nur 1 % der Weltbevölkerung, produzieren aber 2 % des CO2 und stehen als Energieverbraucher pro Kopf an sechster Stelle in der Welt und an vierter Stelle der Weltwirtschaft. Bereits im Mai („World-Earth-Day“) haben wir die Ressourcen eines Jahres verbraucht. Für die Welt hat der Weltklimarat (IPCC) errechnet, dass die CO2-Menge, die wir zu Einhaltung des 1,5°-Zieles maximal noch ausstoßen dürfen, bis 2030 aufgebraucht sein wird. In Deutschland müssen wir 65 % der Treibhausgasemissionen reduzieren, um 2050 Klimaneutralität zu erreichen. Nur wenn wir Europäer es schaffen, diese Ziele zu erreichen, wird es auch die Welt schaffen.

Das Energiebündnis ist davon überzeugt, dass hierfür auch massive Energieeinsparungen und eine suffiziente Lebensweise notwendig sind.

Standortsicherung und Wohlstand können weiterhin eine Zukunft haben, wenn wir rasch dafür sorgen, dass ausreichend CO2-neutrale Energie zur Verfügung steht. Nur Windkraft- und PV-Anlagen können aktuell günstige Energie liefern und die Unabhängigkeit von fossilen und teuren Energien gewährleisten.

Standortsicherung heißt, Gewerbebetrieben künftig günstige EE-Energie aus der Region zu liefern. Das bedeutet Erhalt der Arbeitsplätze und Sicherung der Zukunft für uns und unsere Nachkommen. Auf dem Weltmarkt zu bestehen, heißt in der Zukunft auch bei hohen CO2-Zertifikatpreisen produzieren zu können. Dies ist nur mit günstigen EE vorstellbar.

Text: Dr. Ulrich Walz (Energiebündnis)

1) Klimaschutzkonzept Endfassung Bad Wurzach 2015; Datengrundlage 2012; 4.2. Energiebilanz. Homepage der Stadt.

2) Energie- und CO2-Bilanz der Stadt Bad Waldsee 2014; Datengrundlage 2010-2012; 4.3.Endenergiverbrauch; 4.15 verursacherbedingter CO2-Ausstoß

3) Statistisches Landesamt Baden-Württemberg; Energiebedingte Kohlendioxid-Emissionen (CO2) je Einwohner in Baden-Württemberg 2019

 

 

halloRV

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