Den Holocaust-Gedenktag (27. Januar) nimmt unser Leser zum Anlass, vor einer weiteren Liberalisierung der Abtreibungsgesetzgebung zu warnen
Wenn der Gedenktag an den Holocaust und an die Verbrechen der Euthanasie der Nazis einen Sinn hat, dann auch, dass sich so etwas nicht wiederholen darf.
Dabei fällt mir aktuell die von der Regierung vorgesehene Reform des Abtreibungsparagraphen 218 ein. Jährlich werden bei uns in Deutschland etwa 100.000 sich entwickelnde Leben „abgebrochen“. Mit steigender Tendenz. Sei es, weil ein Kind nicht in die Lebensplanung passt, man nicht das richtige Alter hat, sich in wirtschaftlicher Not befindet, die Kariere gefährdet ist, weil der Partner danach drängt, ein Kind die Freiheit einschränkt, es behindert sein könnte oder das falsche Geschlecht hat. Es gibt viele Gründe, warum diese Leben es nicht wert sind, geboren zu werden.
Und doch sollte sich unsere Gesellschaft fragen, wohin sich unsere Moral und unsere Kultur entwickelt. Eine Gemeinschaft, die sich mehr Sorge um das Schreddern von Küken macht als um den Schutz des ungeborenen menschlichen Lebens. Die in dekadenter Weise die Probleme unserer Demographie durch Migration lösen will. In der sich selbst die Kirche lieber um Gendergerechtigkeit kümmert, als um die elementaren Fragen des Lebens und sich so dem Zeitgeist anpasst.
Das ungeborene Leben ist ein Mysterium, genauso wie der Tod. Deshalb ist es eine Frage der Moral und der Ethik. Auf gesetzlichem Wege allein schwer zu fassen. Es spiegelt aber den Zustand unserer Gesellschaft wider, wie wir mit dem Thema umgehen. Mir liegt es fern, Frauen zu verurteilen, die den Weg der Abtreibung wählen, weil ich die Not der Einzelnen nicht ermessen kann und mir das als Mann auch nicht zusteht. Ich denke aber, Frauen sollten sich bewusst machen, dass ihnen von Gott die besondere Gnade verliehen wurde, Leben zu schenken. Das Nachdenken darüber will ich wachhalten.
Für NS-Opfer werden Stolpersteine gesetzt. Vielleicht sollte man Stolpersteinen auch für „abgebrochenen Leben“ setzen.
Hubert Leißle, Bad Waldsee


