Ravensburg - Wie von dpa gemeldet, dürfen die Klimaaktivisten, die einen Baum in Ravensburg besetzt haben, vorerst bleiben. Darauf einigte sich die Stadt mit den jungen Leuten nach einem Gespräch am Donnerstag. Weitere Gespräche sollen folgen, „bei denen mit den Aktivisten über rechtlich zulässige Formen von Versammlungen und Demonstrationen gesprochen wird", erklärte ein Stadtsprecher am Freitag. Bis dahin werde das Camp nicht geräumt, das auf dem Baum errichtet wurde. Eine weitere Baumbesetzung werde es aber aus Sicherheitsgründen nicht geben können, so der Sprecher weiter.

 

Nachdem eine erste Besetzung eines Baumes Ende Dezember von einer Spezialeinheit der Polizei beendet wurde, waren die Aktivisten im Anschluss auf einen anderen Baum geklettert. Polizei und die jungen Leute hatten sich zunächst auf eine "Friedenspflicht" bis zum 10. Januar geeinigt, die verlängert wurde. Mit der Protestaktion wollen die Aktivisten erreichen, dass Ravensburg in Sachen Klimaschutz mit gutem Beispiel vorangehe. Die Stadt betonte aber, dass dies bereits geschehe und verwies auf mehrere Initiativen dazu - etwa im öffentlichen Nahverkehr. Die Baumbesetzer müssen wegen der Aktion mit Bußgeldern rechnen.

Aus Sicht der Baumbesetzer ist bei dem Gespräch nicht wirklich was rumgekommen, so Samuel Bosch (18 Jahre). Insgesamt prägte die Stadtspitze das Gespräch durch Hinweise auf viele Einzelmaßnahmen, die in Sachen Klimaschutz schon ergriffen wurden, und verwies immer wieder auf andere Kommunen, die diesbezüglich noch schlechter aufgestellt sind als wir", erklärt Aktivistin Emma Junker (17 Jahre). "Dass andere Städte in Klimaschutz eine "6" bekommen, heißt nicht, dass wir uns auf unserer "4" ausruhen dürfen. Note "4" in Klimaschutz ist "ungenügend" und verstößt gegen das demokratisch beschlossene Pariser Klimaabkommen!"

Wie in fast allen Städten Deutschlands sei zwar in Ravensburg ein Rückgang der CO2-Emissionen feststellbar, meinte Professor Ertel und sagte: "Ravensburg befindet sich aber nicht auf einem Reduktionspfad, der mit den eigenen Klimazielen kompatibel ist. Der im Juli 2020 im Ravensburger Gemeinderat einstimmig beschlossene 'Klimakonsens' ist gut, doch nun versäumt es die Stadt, Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Ziele einzuhalten!" Nicht einmal der Klimarat, der die Umsetzung des Klimakonsens begleiten sollte, wurde bisher von der Stadt eingesetzt.

Text und Bild: Gerhard Maucher

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