Landkreis Ravensburg - Am 25. November fiel der Beschluss in der Ministerpräsidentenrunde, dass der Lockdown für Gastronomen bis zum 20. Dezember bestehen bleibt. Ein Tiefschlag für alle Restaurant- und Hotelbetriebe, die in diesem Monat, erfahrungsgemäß hohe Umsätze generieren. Äußerungen des Tourismusbeauftragten MdB Thomas Bareiß stoßen auf Unverständnis.
In einem Interview, das Staatssekretär Thomas Bareiß, MdB und Tourismusbeauftragter der Regierung mit der Schwäbischen Zeitung führte, brüskierte er nahezu die gesamte Branche; Zitat: „Erst einmal glaube ich, dass die Erstattung des Umsatzes so eine starke Förderung darstellt, dass der gewonnene Spielraum bei den meisten Unternehmen auch länger als einen Monat hilft“. Gemeint hatte Bareiß damit die zugesagten „Novemberhilfen“, die 75 Prozent des Vorjahresumsatzes deckeln sollen.
Die Reaktionen auf seine Aussagen kamen in Form eines offenen Briefes, den unter anderem auch Daniel Bally vom Hotel und Gasthof „Bayerischer Hof“ in Leutkirch in den sozialen Medien veröffentlichte. Darin beschreibt der Leutkircher Gastwirt die Situation im November wie folgt (Zitat): „…..Dazu muss man kein Mathegenie sein um zu erkennen, dass der November in unserer Branche ein sehr schwacher Monat ist und wir nicht ohne Grund oft Betriebsferien machen und uns von den anstrengenden Sommermonaten erholen und unsere Mitarbeiter Ihren Urlaub abbauen lassen.“
In der Gastronomie kocht es derzeit nicht nur in den Töpfen, mit „To-Go“ Essen und Lieferangeboten versucht die Branche sich über Wasser zu halten, was zunehmend schwieriger wird.
Ralph Fischer, Betreiber des Restaurants „Zum Schloss“ in Amtzell, nennt ganz deutlich Ross und Reiter und zeigt schonungslos die Probleme auf, die er derzeit hat. „Wir mussten die Krankenkassenbeiträge unserer Mitarbeiter stunden lassen, weil wir keine liquiden Mittel mehr haben“, beschrieb er die Schwierigkeiten, die er jetzt bewältigen muss. „Kreditverträge werden zwar momentan gestundet, aber deren Laufzeit verlängert sich nicht, das bedeutet, die monatlichen Raten steigen an“, führte er weiter aus und fasste die wirtschaftliche Situation zusammen: „Es ist zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel“. Nachgefragt zum Thema „Novemberhilfe“, erklärte Fischer: „Unser Steuerberater konnte nun endlich die Anträge dafür stellen.“ (Anmerkung der Redaktion: Das Gespräch mit Christian Fischer fand am 26.November statt). Ihm, seinen Kollegen und auch dem Gaststättenverband DEHOGA fehle eine verlässliche Planungssicherheit. „Wir wissen heute noch nicht, ob wir über die Feiertage öffnen dürfen oder nicht“.
Das Essen im Restaurant ist der Schlussakkord einer langen Lieferkette, die ebenfalls mit einschneidenden Umsatzeinbußen zu kämpfen hat. Gemüsegroßhändler, Bäcker, Getränkezulieferer und Brauereien können ihre Produkte nicht mehr platzieren und der Waldseer Tiefkühlkostanbieter, die Firma Geyer, verkaufte ihre Convenience-Produkte an Endkunden, um sie vor dem Verderb zu bewahren. Die Liste könnte nun beliebig fortgeführt werden; sie endet schließlich beim Landwirt, der für sein Weihnachtsgeflügel ebenfalls keinen Absatz findet.
Thomas Bareiß geht in seinem Gespräch noch weiter: Zitat „Deshalb wären für den Dezember meine Erwartungen etwas gedämpft – auch deswegen, weil nochmal 10 Milliarden Euro auch unsere Finanzen stark beanspruchen würden“. Logisch betrachtet, wäre diese Ausgabe keinesfalls notwendig, wenn Restaurants und Gaststätten weiterhin ihrem Geschäft nachgehen dürften.
Diese Branche unterliegt der strengsten Hygieneüberwachung überhaupt, wie Fischer und Bally übereinstimmend erklärten, die Auflagen nach dem ersten Lockdown wurden beinahe schon übererfüllt, Lüftungsanlagen wurden installiert und Tischbereiche mit Plexiglasscheiben abgegrenzt. Selbst in den Statistiken des Robert-Koch-Institutes tauchen die Restaurantbesuche nicht als überproportionale Ansteckungsorte auf, was die Schließungsmaßnahmen nicht logischer und nachvollziehbarer werden lässt.
„Wir wollten unsere Gäste schützen und dazu beitragen, dass sie gesund bleiben“, erläuterte Ralph Fischer die getroffenen Vorkehrungen und führte weiter aus: „Aber arbeiten wollen wir auch“. So ähnlich waren die Aussagen von Baden-Württembergs Justizminister, Guido Wolf, der in diesem Sommer mit den Waldseer Gastronomen, am runden Tisch diskutierte (die Bildschirmzeitung berichtete) und der damals ganz klar sagte: „Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht leisten“.
Was und vor allem, wie lange sich die Betreiber von Hotels, Restaurants und Gaststätten diesen „Lockdown light“ noch leisten können, bleibt völlig offen. Offen bleibt auch, ob nach der Wiedereröffnung noch genügend Gäste sich einen Besuch überhaupt leisten können, denn wenn aus Kurzarbeitern Arbeitslose werden, die an allen Ecken sparen müssen und sich den Genuss eines Restaurantbesuches schlichtweg verkneifen müssen, wäre das für die ganze Branche ein schleichender Tod. Der Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA rechnet bereits jetzt mit 71 % Betriebsschließungen.
Bericht: Christine Hofer-Runst
