Bad Schussenried – „Klimawandel und seine Auswirkungen im Südwesten Deutschlands – was uns lange Reihen mitteilen“, war der Titel des Vortrags von Prof. Dr. Rüdiger Glaser in dem Raum der Galerie Freiraum, der Wasserhüterin Theresia K. Moosherr, den zehn weitere Zuhörer verfolgten.

 

Glaser, der an der Uni Freiburg Physische Geographie lehrt, zuvor in Heidelberg und Würzburg tätig, war dazu direkt aus Freiburg angereist. Trotz der langen Anreise legte er frisch los und kommentierte eine Vielzahl von Statistiken und Schaubildern zum Thema.

Sein erstes Bild bezog sich ganz aktuell für den Tag auf Fridays for future, die sich auf die Wissenschaft berufen, wenn sie Aussagen zur Klimakrise machen. Ein exponierter Vertreter der Wissenschaft zum Gegenstand Klima war er zweifelsohne, wobei er betonte, seine Grundlagen seien objektive Messergebnisse und keine Glaubensfragen.

 

Ob eine Zielvorgabe 55 % Reduktion von CO2 bis 2030, wie die Regierung anstrebe, ein guter Weg sei oder wie Kritiker sagen, nicht ausreiche, sei dann Interpretation. Betrachte man, wer für den CO2-Eintrag verantwortlich sei, ist es der Mensch, wobei derjenige im globalen Norden viel und derjenige im globalen Süden weniger dazu beitrage. Dass richtige Maßnahmen greifen können, beweise das saure Regen Problem der 80er Jahre. SO2 in den Wäldern sei seitdem weitgehend kein Problem mehr. Die neuen Waldschäden sind Stress infolge der Dürren. Messdaten im Vergleich 1901 bis 2012 belegen einen Temperaturanstieg von 1,5 Grad weltweit. Seit 1760 ist die Temperatur in Deutschland im Durchschnitt bei großen Fluktuationen nach oben und unten stark ansteigend von 7.8 auf 10 Grad in 250 Jahren.

Wenn man selbst in diesen Daten keinen Beweis für die Klimakrise sehe, solle man die klimatischen Extreme wie z.B. der schneearme Winter 2019/2020, Starkregen und Schlammlawinen sowie anderes mehr sehen. Oder als Langzeitbetrachtung einen Gletscher wie den Vernagtferner, der von 1912 bis 2003 massiv zurück geschmolzen ist. Bedrohlich seien aber auch Folgeerscheinungen der Klimaveränderung wie z.B. das Schnakenproblem mit einer festen Population durch milde Winter ausgebildet. Eine Schnake, die das Denguefieber übertrage, ist schon in der Rheinebene gesichtet worden.

 

Was sei zu erwarten, fragt er, und zählt auf, Tropennächte mit Schlafproblemen werden zunehmen, 30 bis 40 mehr Sonnentage pro Jahr, d.h. mehr Dürren und gleichzeitig nasse Winter, sodass die gleichmäßige Verteilung der Regenmengen übers Jahr nicht mehr gegeben sei. Deutschland, als ein sehr technischer Staat, habe darauf reagiert mit Rückhaltebecken, weniger mit Rückbau bzw. Renaturierungen.

Um die Klimakrise zu stoppen, empfiehlt er wie Fridays for future jetzt und schnell zu handeln:

  1. Raus aus Subventionen für fossile Träger,
  2. Karbonneutrale Städte
  3. Finanzmärkte sollen umsteuern zu möglichst klimaneutralen Investitionen
  4. andere Mobilitätskonzepte
  5. Bildung. Mit einem Bild zur höheren CO2 Bindung durch Mais statt Grünflächen löst er nachfolgend Diskussionen unter den Zuhörern aus. Zu Nord Stream 2 hat er eine klare Haltung. Schon aus politischen Gründen tritt er für einen Stopp ein. Deutschland als Land mit wenig eigenen Energieträgern müsse schon deshalb auf erneuerbare Energie setzen. Bei Ölimporten sei allenfalls Norwegen tolerabel, andere wie Saudi- Arabien ohne Menschen- und Frauenrechte sei ein höchst fragwürdiger Geschäftspartner.

 

Zum Schluss bestätigt er eine Frage eines Zuhörers „Leben wir in Oberschwaben in einer heilen Welt?“. So gesehen ja.


Text und Bilder: Gerhard Maucher

 

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