Zum Ende des ersten Weltkriegs meldet sich eine Gruppe junger Männer, angetrieben von Euphorie und Heldenmut, freiwillig zum Dienst an der Front. Ihnen wird ein großes, aufregendes Abenteuer und eine ruhmreiche Heimkehr versprochen. Doch es kommt vollkommen anders als gedacht. Während das Deutsche Reich mit Frankreich über ein Waffenstillstandsabkommen verhandelt, erleben die jungen Soldaten die Hölle auf Erden.
1928 veröffentliche der deutsch-amerikanische Schriftsteller Erich Maria Remarque das Antikriegsdrama „Im Westen nichts Neues“, das bereits 1930 zum ersten Mal und ein weiteres Mal 1979 verfilmt wurde. Dass der Stoff nun erneut auf der Leinwand zu sehen ist, zeugt von seiner anhaltenden Aktualität. Dabei handelt es sich bei der aktuellen Version um die erste deutsche Fassung und nicht um eine Hollywood Produktion. Regie führte Edward Berger, der bereits mit der DDR-Agentenserie „Deutschland 83“ für Aufsehen sorgte. Und auch hier liefert er sicher die eindrücklichste Verfilmung der Romanvorlage ab. Dabei überlässt Berger nichts der Fantasie. Die Bilder des britischen Kameramanns James Friend sind so unbarmherzig wie der Krieg selbst und an vielen Stellen kaum noch zu ertragen. Dazu kommt ein herausragendes Sounddesign - Schüsse, Explosionen und Schreie treffen direkt ins Mark und über allem schwebt die unheilvolle Musik von Volker Bertelmann. Einziger Wehrmutstropfen sind die oft stark genuschelten und unverständlichen Dialoge - mittlerweile ein fast omnipräsentes Problem im deutschen Film. Dennoch überzeugen die Schauspieler auf ganzer Linie. Hauptdarsteller Felix Kammerer spielt den von Tatendrang getriebenen Jungen genau so glaubhaft wie den schwer vom Krieg gezeichneten Mann und Daniel Brühl brilliert einmal mehr in der Rolle des Abgeordneten Matthias Erzberger. Dass „Im Westen nichts Neues“ bei der diesjährigen Oscar-Verleihng gleich viermal den begehrten Filmpreis gewann, erscheint daher mehr als gerechtfertigt. Der Film zeigt schonungslos und unerbittlich die grausame Gewalt, aber auch die vollkommene Sinnlosigkeit des Krieges. Ein wichtiger Film, der dem Betrachter allerdings einiges abverlangt und mit Sicherheit noch lange nachwirkt.
Erscheinungsdatum: 24. März 2023
Laufzeit: 148 Min. / FSK: 16
Alexander Koschny
