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Robert Östlunds neuer Film „Triangle of Sadness“ teilt in allerlei Richtungen aus. Er versucht die Oberflächlichkeit der Modeindustrie aufs Korn zu nehmen, der glatten Selbstinszenierung von Influencern und Lifestylebloggern mit einer ebenso glatten Inszenierung etwas entgegenzusetzen, und Klassenstrukturen zu entlarven. Ob ihm das gelingt können die Zuschauer ab 13. Oktober entscheiden, wenn die Satire in den deutschen Kinos startet.

 Das junge Männer-Model Carl (Harris Dickinson) und die erfolgreiche Influencerin Yaya (Charlbi Dean Kriek), in deren Beziehung es ein wenig kriselt, sind es gewohnt, ihr Luxus-Leben auf Instagram zu vermarkten. Als sie auf eine Kreuzfahrt für Superreiche eingeladen werden, können sie Erholung und Arbeit perfekt miteinander verbinden – sich mit einem Champagner-Glas auf dem Sonnendeck zu räkeln, ist schließlich absolut social-media-tauglich. Hinter den Kulissen geht es jedoch weit weniger paradiesisch zu. Während sich der dauerbetrunkene, marxistische Kapitän (Woody Harrelson) in seiner Kabine einschließt, versucht die Crew unter Leitung ihrer perfektionistischen Chefin Paula (Vicki Berlin), den verwöhnten Gästen jeden noch so absurden Wunsch zu erfüllen. Als das obligatorische Kapitänsdinner, zu dem sich der Captain dann doch noch breitschlagen lässt, ausgerechnet während eines Sturms stattfindet, laufen die Dinge jedoch völlig aus dem Ruder.

Szene Triangle 2

 

Von toxischer Männlichkeit ist in den letzten Jahren oft die Rede, doch ist das vorgeblich starke Geschlecht tatsächlich immer so stark? In seinen Filmen lotet der schwedische Regisseur Ruben Östlund immer wieder aus, was Männlichkeit in der modernen Welt wirklich bedeutet, in wirtschaftlicher, sexueller und moralischer Hinsicht: In „Höhere Gewalt“ flüchtet ein Geschäftsmann vor einer vermeintlich herannahenden Lawine, lässt seine Familie dabei aber einfach am Tisch der Alpenhütte sitzen. Mit dem Goldene-Palme-Gewinner „The Square“ folgte darauf dann eine bittere Abrechnung mit den patriarchalischen Strukturen des modernen Museumsbetriebs.
Den Abschluss dieser losen Trilogie liefert nun der beim Filmfestival in Cannes ebenfalls wieder mit der Goldenen Palme bedachte „Triangle Of Sadness“, der als in der Modebranche angesiedelte Satire beginnt, sich auf einer Luxusyacht zu einer Abrechnung mit den Superreichen ausweitet und schließlich nach einem Schiffbruch auf einer einsamen Insel endet, wo sich die eingeübten Rollenmuster plötzlich ins Gegenteil verdrehen und eine Toilettenfrau die Macht übernimmt. Subtil ist das alles nie, aber in seinen besten Momenten liefert Östlund dennoch eine pointierte und bitterböse Farce. Besonders substantiell ist diese Analyse gesellschaftlicher Strukturen auch nicht. Die Reichen und Schönen als oberflächlich zu entlarven und sich über aufmerksamkeitsgeile Influencer lustig zu machen, ist nun nicht gerade ein besonders schwere Aufgabe – selbst wenn man ein Abendessen auf der Yacht zu einer alle Grenzen des guten Geschmacks sprengenden Kotzorgie ausarten lässt. Oft fasert „Trinagle Of Sadness“ zur Nummernrevue aus, lebt von der Qualität einzelner Einfälle sowie einem Wortwitz, der sich allerdings oft auf plakative Phrasen reduziert, die oft klüger wirken als sie sind: „Der Kommunist hat Marx und Lenin gelesen, der Anti-Kommunist hat Marx und Lenin verstanden“, heißt es da. Das ist für einen einfachen Lacher gut, aber wirklich viel gesagt ist damit auch nicht.
Stückwerk ist das oft, manchmal zwar witzig und in den besten Momenten sogar eine böse Farce. Dennoch doch weit entfernt von den scharfen Analysen gesellschaftlicher Zustände die der Regisseur mit seinen früheren Filmen ablieferte.

 

Autor: Christian Oita

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