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Memmingen - Das Landestheater Schwaben (LTS) läutet am 16. September mit einem Theaterfest die neue Spielzeit 2023/24 ein. Der Spielplan liegt jetzt bereits als Druckausgabe vor. Er steht unter dem Motto des afrikanischen Sprichworts „Ich bin, weil Du bist“. Es will an den Glauben appellieren, dass wir Menschen in unserem Handeln und in unserer Kultur universell miteinander verbunden sind. In einer Pressekonferenz wurde der neue Spielplan vorgestellt. BLIX war dabei.

Einleitend sprach die aus dem thüringischen Eisenach zum LTS gekommene neue Intendantin Christine Hofer nach dem Weggang von Kathrin Mädler von einer „Spielzeit mit hartem Schnitt“. Theaterarbeit betrachtet sie als „Geschenk, aus der Vergangenheit in die Zukunft weiterreichend“. Ein Geschenk sei es auch, so Hofer, hier arbeiten zu dürfen. Theater sollte nach ihrer Überzeugung „Hand in Hand für gutes gesellschaftliches Weiterleben gehen“.
Am Tag des Theaters am 16. September wird es zum Auftakt gleich zwei Premieren geben. Um 15 Uhr nachmittags am Schweizerberg die Premiere von Judith Seiberts „EinsLeben“. Um 20 Uhr folgt im Großen Haus die erste Vorstellung der Komödie „Bezahlt wird nicht“ des Italieners Dario Fo.
Am 29. September gibt es im Großen Haus das Schauspiel „Der große Gatsby“ nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald. Das Zitat „Ich bin einer der wenigen ehrlichen Menschen, die ich gekannt habe“ drückt aus, worum es in dem Schauspiel aus dem Amerika der wilden 20er Jahre geht: Hinter der Fassade zivilisierten Großstadtlebens herrschen die Schattenseiten von Unausgesprochenem: Lügen, Betrug, Affären. Fitzgeralds moderner Klassiker zählt zu den bekanntesten Romanen des letzten Jahrhunderts.
Wichtiger Pfeiler in der „Architektur des Spielplans“ (Dramaturg Sven Kleine) wird ab 16. Dezember die Oper „Der Sandmann“ nach E.T.A. Hoffmanns gleichnamiger Erzählung sein. Die zu den literarischen Meilensteinen der Schauerromantik zählende Geschichte nimmt eine bizarre Wendung: Der Protagonist verliert die Fähigkeit, zwischen Wahn und Wirklichkeit zu unterscheiden. Im Ablauf der geheimnisvollen Ereignisse entfaltet sich eine surreale Komposition aus weichen Pop-Balladen, aus Folk und Jazz mit Anklängen an Vivaldi.

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Christine Hofer ist die neue Intendantin am Landestheater Schwaben in Memmingen.

Gerhard Hauptmanns naturalistische Tragikomödie „Die Ratten“ aus dem Jahr 1911 geht ab 26. Januar 24 auf die Bühne des Großen Hauses. Laut Hans Mayer ist es Hauptmanns „wichtigster Beitrag zum modernen Welttheater“. Das Drama weckte wie ein Paukenschlag das damalige bürgerliche Publikum auf.
Am 22. Mai nächsten Jahres startet die lokalkolorierte Komödie „Schau, der Mau!“ in der Maustadt. Es ist die Uraufführung des Auftragswerks von Sergej Gössner. Zu erwarten ist ein Stück, das uns anflunkert und dabei doch immer aufrichtig ist. Mit Fantasie und Witz wird man viele Memminger Geschichten erfahren, von dem man bislang kaum was wusste.
Zusammen mit Dramaturgin Paula Regine Erb stellte Intendantin Hofer Georg Büchners Drama von weltliterarischem Rang „Woyzeck“ vor. Das von Hofer inszenierte Stück, das im Studio ab 1. Dezember 23 zur Aufführung kommt, lehnt sich nicht an die berühmte Verfilmung mit Klaus Kinski in der Titelrolle an. Die psychisch labile Randfigur wird von allen Bezugspersonen derart drangsaliert, dass er in unheilbare Wahnvorstellungen verfällt und in einem Gewaltakt explodiert: das Opfer wird zum Täter.
Von der Leiterin des Jungen Landestheaters Claudia Hoyer besonders hervorgehoben wurde das Schauspiel „Im Westen nichts Neues“ nach dem berühmten Roman von Erich Maria Remarque (30. Sept. 23). Die Schrecken des 1. Weltkriegs schildernd, gelangt der 1928 erschienene Roman durch Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine jetzt zu erschreckender Aktualität. „Wir waren 18 Jahre und begannen die Welt und das Dasein zu lieben; wir mussten darauf schießen. Die erste Granate, die einschlug, traf in unser Herz.“ Das ist immer noch so.

 

Text und Fotos: Horst Hacker

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