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Reute-Gaisbeuren - Wer wandert, hat ein Ziel vor Augen: am Ende möchte man sich belohnen, gerne mit Speis’ und Trank. Zum guten Schluss kehrt man ein. Und wer spazieren geht, der will pausieren: an schönen Orten verweilen, die Ruhe genießen, einen Apfel essen oder eine Zigarette rauchen, bevor es weitergeht. Und dazu braucht es an richtiger Stelle, die passende Sitzgelegenheit für jung und alt. A Bänkle halt! Franz Lämmle hat sich dieser Aufgabe angenommen.

Statt zu klagen, hat der Rentner in die Hände gespuckt. Lämmles Bänkla finden sich rund um Reute-Gaisbeuren bei Bad Waldsee und ermöglichen es nicht nur älteren Menschen, der Muße zu folgen und die reizvolle Landschaft zu genießen. 2015 baute Franz Lämmle die erste Bank, mittlerweile sind es 30. Was bewog den Mann dazu?

 

Saubermachen

Jedes Bänkle hat einen Kehrbesen zum Saubermachen.

 

Hier sei er schon vor über fünfzig Jahren gesessen, schmunzelt Franz Lämmle (76), als wir uns im Gemeinschaftsraum des gemeinnützigen Vereins Solidarische Gemeinde in Reute-Gaisbeuren zu einer Bänkles-Tour treffen. Alte Schule steht über dem Eingang des liebevoll restaurierten Gebäudes am Dorfplatz im Schatten des wuchtigen Franziskanerinnen-Klosters Reute. Am Tisch sitzt ein zweiter „gebürtiger Reutemer“. Willi Wachter (67), der bei der Telekom arbeitete, unterstützt Lämmle seit einigen Jahren beim Bänklesbau. Die Männer waren schon gemeinsam im Fanfarenzug aktiv. Beide arbeiten sie mit im Arbeitskreis Heimatpflege der Solidarischen Gemeinde. Lämmle, Fernfahrer von Beruf, hatte bei langen Spaziergängen mit seinem Hund Sitzmöglichkeiten vermisst und beschloss 2015, selbst aktiv zu werden.
Anfangs baute er die massiven Sitzmöbel aus Eiche, mittlerweile bestehen sie aus Eschenholz. Die handwerklich begabten Männer fragen den Förster nach günstigem Holz, in der örtlichen Zimmerei Eder dürfen sie Säge, Hobelmaschine und andere Maschinen benutzen, Landwirte helfen schon mal beim Befestigen des Untergrundes. Selbstverständlich müssen zunächst die jeweiligen Grundbesitzer um Erlaubnis gefragt werden. Sie stimmen meist zu, wissen sie doch, dass die Bänklesbauer sich auch um die Pflege der Bänke kümmern, sie etwa regelmäßig streichen und den Müll wegräumen, den unsensible Zeitgenossen schon mal liegenlassen. „Do hanna isch es doch so schee, des gfalld dr doch au, drum raim dein Gruschd wieder auf, und lass id alles bloß schdau“, schnitzte Lämmle daher in die Lehne einer Sitzgruppe mit Tisch neben einer Kapelle. Oder er weist auf Kleinode am Wegesrand hin: „Vom 17. Jhdt. soll des scheene Käppele sai, nimm dr doch a bidzele Zeid und lueg aweang nai.“ Anwohner und Spaziergänger freuen sich über die Bänke mit ihren launigen schwäbischen Sprüchen. Ein Grundbesitzer lud sogar zu einem Bänklesfest an „seiner“ Sitzgruppe ein.

 

Standorte

Gut wählen Franz Lämmle und Willi Wachter die Standplätze ihrer Bänke aus.

 

Vor allem ältere Menschen sind dankbar für die Pausenplätze. 2019 wurde ein Flyer erarbeitet, auf dem die Standorte der Bänke mit Sprüchen nummeriert eingezeichnet sind, und ein neuer Flyer ist derzeit in Arbeit, der alle hinzugekommenen Bänke mit aufführt. Der Tourenvorschlag „Rund um Gaisbeuren“ erstreckt sich über zehn Kilometer westlich vom Dorfplatz in Reute, der andere „Reute und Altdorfer Wald“ ist noch zwei Kilometer länger. „So a tolle Aussicht, des ischt doch schee und zum Ausgruaba a Bänkle, was willscht denn noch meh“, gibt Lämmle in makelloser Schönschrift Wanderern zu bedenken. Der Arbeitskreis Heimatpflege, dem ein Dutzend Aktive angehören, darunter auch eine Ordensschwester, kümmert sich auch um Feldkreuze. In Kümmerazhofen restaurierten Mitglieder etwa einen hundert Jahre alten Bildstock, der einem Mann gewidmet ist, der vom Blitz erschlagen wurde. Am ehemaligen Moordorf im Schorrenried hinterm Kloster steht eine Bank direkt an der erst im Juni errichteten Infotafel, die an das Steinzeitdorf erinnert. Und: unter jeder Bank hängt ein Kehrbesen, mit dem man gegebenenfalls die Sitzfläche von Laub oder Schmutz befreien kann. Hervorragend!
Auf die Frage, welche die schönste Bank von allen sei, verrät Wachter: „Meine Lieblingsbank steht am Wasserreservoir.“ Lämmle bekennt: „Mir gfallet oifach alle.“ Und natürlich weiß er auch schon, wo die nächste hin soll ...

Autorin: Andrea Reck 

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