Während ein Ehering heute Symbol der Verbundenheit in der Ehe ist, war er in der Antike Symbol dafür, dass eine Frau zu einem Mann oder einer Familie gehört und zeigte an, dass der Mann die Mitgift der Frau erhalten hat.
Den Brauch verheirateter Frauen, einen Reif am Ringfinger der linken Hand zu tragen, gab es schon in der römischen Antike. Meist war er aus Eisen und signalisierte die Zugehörigkeit zur Sippe des Gatten. Im christlichen Brauchtum wurde dem Ehering seit Papst Nikolaus im neunten Jahrhundert Bedeutung beigemessen, als Zeichen der vor Gott gelobten lebenslangen Treue („Bis dass der Tod uns scheidet“). Erst später wurde es üblich, dass auch der Gatte einen Ehering trug. Das gegenseitige Anstecken der Trauringe durch die Brautleute geschah mit den Worten: „Trage diesen Ring als Zeichen Deiner Treue“. Ab dem 13. Jahrhundert wurden sie während der Trauungszeremonie vom zelebrierenden Priester gesegnet, was ihre Bedeutung weiter steigerte. Schon damals wurden die Ringe am vierten Finger der linken Hand getragen. Die Menschen glaubten, von diesem Finger würde eine Ader direkt zum Herzen führen. Dieser Finger wurde damals schon als Ringfinger bezeichnet. Vom 15. Jahrhundert an wurde zwischen Verlobungs- und Trauring/Ehering unterschieden.
In Deutschland trägt man den Ehering traditionell am Ringfinger der rechten Hand, in den USA oder in Italien meist am Ringfinger der linken Hand. Ringe sind ein Symbol der Unendlichkeit, haben sie doch keinen Anfang und kein Ende.

Silberschmied in Libyen.
Trauringstudios werben damit, 10.000 verschiedene Angebote zu führen, Manufakturen bieten Einzelanfertigungen an. Und aus welchem Material? Generell gilt: Je reiner und wertvoller das Metall, desto geringer die Allergiegefahr. Neben Gold, bei dem nur sehr selten Allergien auftreten, eignet sich das besonders reine und wertvolle Platin. Beliebt sind nach wie vor Ringe aus Gelbgold, aber auch Ringe aus Weißgold. Weißgold ist eine Goldlegierung, der durch andere metallische Legierungspartner die Farbe entzogen wird. Möglich sind auch Ringe aus Edelstahl, aus Titan und natürlich aus Silber.
Sehr vielseitig ist auch die Materialoberfläche. Bei einer polierten Oberfläche erhält der Ring eine schöne glänzende Oberfläche. Für eine matte Oberfläche wird die Fläche aufgeraut. Ein außergewöhnliches Muster entsteht durch Bearbeiten mit einem Ziselierhammer.
Viele Paare lassen Datum und Name des Partners eingravieren. Manche angeblich auch den Herzschlag des Partners. Dazu müssen beide mit einem EKG den Herzschlag aufzeichnen lassen. Möglich ist auch ein übergreifendes Symbol, das auf einem Ring beginnt, und auf dem anderen Ring weitergeht. Wie wäre es mit einem zweigeteilten Spruch? Etwa „Ein Leben lang… ...an deiner Hand.“ Manche Paare lieben es, Botschaften in den Ehering zu gravieren. Gerne in Latein: „Omnia vincit amor“ (Liebe besiegt alles), „Pro amore vitae meae“ (Für die Liebe meines Lebens) oder „Tempus fugit, amor manet“ (Die Zeit vergeht, die Liebe bleibt).

Gleich werden sie angesteckt werden ...
Braucht man eigentlich Ringe?
Auf dem Standesamt wird die Ehe vor dem Gesetz geschlossen. Nach der kurzen Rede der Standesbeamtin oder des Standesbeamten werden die Ringe getauscht, ehe beide Ehepartner die Eheurkunde unterschreiben. Obwohl im Ablauf der standesamtlichen Trauung der Tausch der Trauringe vorgesehen ist, sind sie nicht nötig, um eine rechtlich gültige Ehe zu schließen.
Heiratet man in einer evangelischen Kirche, funktioniert der Tausch der Eheringe ähnlich wie im Standesamt. In der katholischen Kirche werden die Ringe vor dem Anstecken gesegnet. Die Zeremonie kann aber auch ohne Ringe gefeiert werden.
Info: Riese Ringe
Manche Eheringe zeugen von gemeinsamen Abenteuern. So wurden diese Exemplare vor vielen Jahren bei einer Sahara-Tour im Süden Libyens erworben von Silberschmieden aus dem Niger. Als sie vom vielen Tragen schon recht dünn geworden waren, fertigte eine Biberacher Goldschmiedin neue Ringe in ganz ähnlicher Form an. Statt auf einem Seidenkissen liegen sie nun in weitgereistem Wüstensand.
Text und Fotos: Andrea Reck
