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Biberach - Nach zwei Jahren ist Schluss. Nathalie Arnegger, die Nachfolgerin von Helga Reichert, beendet vorzeitig ihre Intendanz der Filmfestspiele Biberach. Man habe „im beidseitigen Einvernehmen entschieden, zukünftig getrennte Wege zu gehen“, erklärte der Vorstand des Vereins Biberacher Filmfestspiele, der das jährliche Filmfestival ausrichtet und dafür verantwortlich ist. Damit wiederholt sich innerhalb kurzer Zeit die Situation, dass die Filmfestspiele ohne künstlerische Leitung ist, wie schon vor zwei Jahren als Helga Reichert ihren Vertrag nicht verlängerte. BLIX sprach mit Oberbürgermeister Norbert Zeidler, der von amts wegen 2. Vorsitzender des Vereins ist, über Gegenwart und Zukunft des kulturellen Aushängeschilds

Herr Zeidler, das kulturelle Highlight für die Stadt Biberach, die Biberacher Filmfestspiele, war ein nationales Event, für das die Stadt sich sehr stark engagiert hat, nun steht es in Frage. Was unternimmt die Stadt, was unternehmen Sie als 2. Vorsitzender des Vereins, der federführend die Festspiele ausrichtet, um das kulturelle Aushängeschild zu erhalten?

Die Filmfestspiele waren – und sind – eines der Highlights im Biberacher Veranstaltungskalender. Sie sind keineswegs in Frage zu stellen. Dieses Jahr werden sie anders sein, als wir es in den letzten Jahren erleben durften. Aber sie sind ja auch viel kleiner und familiärer gestartet, weshalb das vom Verein für dieses Jahr beabsichtigte familiäre Format, für das aktuell ein Konzept erarbeitet wird, aufgrund der aktuellen Gegebenheiten durchaus passend ist.

 

Der Verein hat sich vor zwei Jahren nicht mit der Intendantin Helga Reichert über eine Fortsetzung der bis dahin erfolgreichen Zusammenarbeit einigen können und präsentierte Nathalie Arnegger als deren Nachfolgerin. Nach zweimaliger Durchführung ist nun Schluss. Arnegger schmeißt das Handtuch. Warum?

In das operative Geschäft des Vereins oder gar der Intendanz habe ich mich nie eingemischt. In die jüngsten Gespräche war ich involviert, aber es wäre vermessen, wenn ich auf die Schnelle eine Antwort dafür parat hätte, warum die letzten beiden Intendanzen nur zu kurzen Gastspielen wurden. 

 

Der Vorgang erinnert an die Auseinandersetzung mit Helga Reichert und vermittelt das Bild, dass der Verein Biberacher Filmfestspiele und sein Vorstand nicht in der Lage sind, ein solch komplexes Event wie die Filmfestspiele zukunftsfähig zu organisieren. Was wollen Sie daran ändern?

Wir werden aufarbeiten, ob organisatorische Gründe mit verantwortlich gewesen sein könnten und dann auch überlegen, ob etwas geändert werden muss. Freilich wird dabei auch das derzeitige Geschäfts- und Organisationsmodell zu hinterfragen sein.

 

Die Stadt ist neben den Sponsoren mit 90.000 Euro der maßgebliche Finanzier der Filmfestspiele und damit in besonderer Verantwortung. Wie wollen Sie gewährleisten, dass die Filmfestspiele weiterhin stattfinden und ihre stark beschädigte Reputation wiedererlangen?

Im städtischen Haushalt sind aktuell 89.300 Euro für die Filmfestspiele bereitgestellt. Das ist zwar die größte Einzelposition und dokumentiert auch, welche Bedeutung die Stadt den Filmfestspielen beimisst. Was die Reputation der Filmfestspiele betrifft, warne ich davor, sie schlecht zu reden. Sie wissen um die Macht der Medien: Sie können einem Thema einen negativen, pessimistischen Touch geben oder Hoffnung verbreiten. Jede Veränderung ist schließlich auch Chance für einen Neubeginn. 

 

Helga Reichert wäre unbestritten kompetent, die Filmfestspiele fortzuführen. Das Ehepaar Kutter hat das über Jahrzehnte bewiesen, und die Stadt hat Adrian Kutter dafür zum Ehrenbürger ernannt. Ist es für Sie eine Option und haben Sie mit Frau Reichert bereits Kontakt aufgenommen, ob sie ihr Engagement in Biberach fortsetzt? Wenn ja, gibt es ein Ergebnis?

In der Tat führe ich derzeit immer wieder Gespräche zu den Filmfestspielen. Jede Begegnung mit Adrian Kutter ist nicht nur charmant, sondern immer auch hilfreich. Wenn wir für uns klarer sehen, wie die Organisationsstruktur sein könnte, werde ich sicherlich auch mit unserem Ehrenbürger das Gespräch suchen und ihn auch um seinen Rat fragen. Im Fokus steht für mich allerdings zunächst der Filmfestspiel-Event in 2023. 

 

Autor: Roland Reck

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