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Federsee - Es ist fast schon Tradition, dass der Naturschutzbund Deutschland (NABU) die Menschen auffordert, den Vogel des Jahres zu bestimmen. Und die Wahl fiel in diesem Jahr auf das Braunkehlchen, es ist Vogel des Jahres 2023. Und damit ein tierischer Werbeträger für das Federseemoor, denn der kleine Charaktervogel extensiv genutzter Feuchtwiesen ist eine Art „Maskottchen“ für den Naturschutz am Federsee: Er zeigt, dass gezieltes Pflegemanagement der Feuchtwiesen wesentlich zur Stützung einer bei uns bedrohten Art beitragen kann.

 

Auch wenn der kleine Vogel nicht mit prächtigem Gefieder punkten kann: durch seinen weißen Überaugenstreif und die charakteristische orangebraune Kehle und Brust macht er durchaus was her. Wobei „Er“ intensiver gefärbt ist als „Sie“, wie bei vielen Vögeln. Braunkehlchen-Männchen beeindrucken ein Weibchen hauptsächlich durch auffälligen Gesang, präsentiert von erhöhten Warten aus. Genau an diesen Requisiten scheitert oft eine erfolgreiche Brautwerbung und Familiengründung: Wiesenlandschaften sind nur dann für den Jahresvogel geeignet, wenn es höhere Strukturen wie Stängel und Blütenstände gibt, die als Singwarten zur Verfügung stehen – und als Ansitzwarten für die Jagd.
Bundesweit in der Roten Liste in der Kategorie „stark gefährdet“, in Baden-Württemberg sogar als „vom Aussterben bedroht“ eingestuft, ist das Braunkehlchen einer der großen Verlierer einer intensiven Landwirtschaft. Nicht nur in Deutschland. Der Populationstrend ist europaweit abnehmend, jährlich gingen die Bestände um rund 2% zurück. Gefährdungsfaktoren sind beispielsweise Entwässerung und Intensivierung der Wiesennutzung, der Verlust hoher Strukturen und Nährstoffeinträge in Feuchtwiesen – aber auch die zunehmende Verbuschung ehemals offener Moorlebensräume. Hinzu kommt auch noch der Klimawandel: höhere Temperaturen und Austrocknung sind eine extreme Belastungsprobe für die letzten oberschwäbischen Moore.
Dank gezielten Pflegemanagements gelang es vor rund 20 Jahren dem Naturschutz (Staatliche Naturschutzverwaltung, NABU-Naturschutzzentrum Federsee), den Standort als wichtigsten Lebensraum für das Braunkehlchen in Baden-Württemberg zu entwickeln. Heute ist der Federsee das mit Abstand bedeutendste Brutgebiet im gesamten Ländle: in 2022 wurden 81 Reviere festgestellt. Es braucht ein Mosaik aus gemähten extensiv bewirtschafteten Feuchtwiesen und überjährig stehengebliebenen hohen Stauden und Blütendolden. Wichtig ist - wie für alle Bodenbrüter - eine Mahd nicht während der Brutzeit, damit Gelege und Jungvögel nicht dem Mähwerk zum Opfer fallen. Als „letzte große Bastion“ ist der Federsee von herausragender Bedeutung für den Erhalt dieser besonderen Art im Land.
Zwar liegt das Kerngebiet ihrer Verbreitung in Nordeuropa – doch zum Braunkehlchen-Gucken braucht man nicht nach Skandinavien oder Russland, liegt doch der Federsee quasi vor der Haustür. Ein Braunkehlchen im Federseeried zu erspähen, gelingt relativ leicht, begibt man sich zur richtigen Zeit auf den Federseesteg und beobachtet durch ein Fernglas aufmerksam die hohen Pflanzen rechterhand am Beginn des Stegs. Seit Ende April sind die aparten Kerlchen aus dem Winterurlaub südlich der Sahara wieder zurück. Mehr als 5.000 Kilometer haben sie hinter sich, wenn die schwäbischen Individuen wieder in ihrer Heimat eintreffen. Dann besetzt das Männchen ein Revier und belegt durch auffälligen Gesang seinen Besitzanspruch. Hier schlägt er sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe, denn geneigte Braunkehlchendamen interpretieren dies als Minnegesang. Zur Versorgung der Küken braucht es ein reiches Angebot an Insekten und deren Larven, Spinnen, Würmer und kleinen Schnecken. Bereits im September bricht der Jahresvogel zur häufig gefährlichen Reise ins Winterquartier auf.
Wer unter kurzweiliger Anleitung den Jahresvogel beobachten möchte, schließt sich den Führungen des NABU-Naturschutzzentrums Federsee an. Teilnahme ohne Anmeldung. Termine: www.NABU-Federsee.de. Für Gruppen auch buchbar mit Wunschtermin. NABU-Mitglieder erhalten 50 Prozent Rabatt.
www.NABU-Federsee.de

 

Weitere "Kehlchen" beobachten

Neben dem Braunkehlchen kann man beim Spaziergang noch weitere „Kehlchen“ antreffen. Am Federseeparkplatz hört man häufig den perlenden Gesang des Rotkehlchens, hier lohnt sich ein genauer Blick ins Gebüsch. In den Streuobstwiesen rechts des Stegs entdeckt man durchs Fernglas gelegentlich ein Schwarzkehlchen. Die Weidegebüsche im Schilf weiter Richtung Federsee sind der Lebensraum des Blaukehlchens. 

 

Autorin: Kerstin Wernicke

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