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Altdorfer Wald - Ob Widerstand nötig ist, darüber gehen die Meinungen wohl auseinander. Aber dass Widerstand möglich ist, das beweisen die AktivistInnen vom Baumcamp im Altdorfer Wald, die dort schon seit zwei Jahr in Baumhäusern leben, um den Wald vor Rodung und Kiesabbau zu schützen, und deren Tun und Lassen nun auch für Frischluftabstinenzler auf der Leinwand zu beobachten ist.

„Von Menschen, die auf Bäume steigen“ lautet der Titel des Dokumentarfilms der dieser Tage in verschiedenen Kinos, so in Weingarten und Bad Waldsee, gezeigt wurde und nach Wunsch der beiden Regisseure Bernadette Hauke und Christian Fussenegger auch an weiteren Aufführungsorten – zuerst in Oberschwaben, dann im Rest der Welt – zu sehen sein soll. Den Protagonisten der Doku Samuel Bosch und Charlie Kiehne, den Kletterartisten, die nicht nur Bäume, sondern auch das Brandenburger Tor und die Basilika in Weingarten bezwangen, dürfte es wohl recht sein, wenn der Streifen noch viele ZuschauerInnen findet.
Ihr aktuelle Lebensaufgabe ist: zum Schutz von Wald und Klima Öffentlichkeit herzustellen. Sie sind klug, sie sind kreativ, sie sind fleißig, sie sind penetrant und nerven, wenn kein Baum zu hoch und keine Fassade zu glatt ist, um in der geschützten Höhe zu demonstrieren für ihre Zukunft. Denn darum geht’s.
Das Paar ist zusammen gerade mal 40 Jahre alt und sollte den großen Rest des Lebens noch vor sich haben. Dafür kämpfen sie mit extrem bescheidenen Mitteln, nämlich ihrer Kletterausrüstung, nicht ohne Erfolg, wie der Film zeigt. Als vor kurzem das Gerücht umging, die Rodung des Geländes in der Nähe von Wolfegg stünde bevor, versammelten sich auf die Schnelle über 400 Menschen zu einer Protestkundgebung im Wald. Das Durchschnittsalter dürfte sich im Alter des Waldes wiederfinden: 50+

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...heimelige Geborgenheit im eigenen Baumhaus ist das Andere. Fotos: Fussenegger

In dem Alter befindet sich auch die Filmemacherin Bernadette Hauke, die von ihrem Kollegen Christian Fussenegger, der aus Wangen stammt, aber wie sie in Berlin lebt und arbeitet, auf das Widerstandsnest im „Alti“ aufmerksam gemacht wurde. Und gemeinsam machten die Großstädter „eine Herzensangelegenheit“ daraus, wie die Mutter einer Tochter am Telefon erzählt. Über 90 Minuten lassen die beiden Filmemacher die Aktivistis und eine Hand voll UnterstützerInnen aus dem Eltern- und Großelternalter zu Wort kommen. Begleiteten sie über 18 Monate bei ihren Aktionen im Alti und um den Alti herum, bis zu ihnen nach Hause vor dem Brandenburger Tor, wo die Oberschwaben ihre Kletterkünste zeigten und sich als Teil der Klimaschutzbewegung selbst neue Kraft holten.
Reflektiert und souverän, geradezu sanftmütig agieren und agitieren sie. Egal ob die Oma, die in Ravensburg gerettete Lebensmittel zugesteckt bekommt, oder bei der Demo vor dem Stuttgarter Landtag oder bei der Räumung von der Polizei bei ihren zahlreichen Besetzungen und den anschließenden Gerichtsverhandlungen, sie wissen, was sie tun, und sie wissen, es sehr gut zu begründen. Dem kann man zuschauen, wenn sich eine Herrenrunde aus dem Management durch das Camp führen und sich von den beiden Rebellen über das viele Kies mit dem Kies aufklären lässt. Das Nachdenken setzt ein.
Der Film ist eine Hommage über „Menschen, die auf Bäume steigen“, und die, die ihnen dabei helfen. Es geht um Wald und Wasser, Ressourcenschutz und -verschwendung und die Suche nach dem anderen Leben im Kleinen wie im Großen – jetzt und in Zukunft.

 

Autor: Roland Reck

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