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Biberach - Von 2016 bis 2019 sank die Zahl der Geflüchteten, die in Baden-Württemberg Aufnahme fanden. Alleine im Landkreis Biberach stieg deren Zahl jedoch in diesem Jahr auf bisher 2393. Die Meisten kommen aus der Ukraine, viele davon sind Kinder und Jugendliche. 

 

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat die Lage in den Erstaufnahmeeinrichtungen mit Blick auf die hohen Flüchtlingszahlen als sehr angespannt bezeichnet. Rund 140.000 Menschen sind von Januar bis September 2022 nach Baden-Württemberg geflüchtet, davon 128.000 ukrainische Geflüchtete und 13.500 Asylsuchende anderer Nationalitäten. Das sind deutlich mehr als im Krisenjahr 2015. 
In der Gesamtbetrachtung befinden sich derzeit mindestens 128.324 Kriegsvertriebene aus der Ukraine in Baden-Württemberg. Und unter den seit Kriegsbeginn aus der Ukraine nach Ba-Wü Geflüchteten sind  über 47.000 bereits registrierte Kinder oder Jugendliche. Die meisten (18.223) sind zwischen 6 und 11 Jahre alt, gefolgt von 10.487 14-17Jährigen. Damit sind im Land mehr als ein Drittel der Geflüchteten minderjährig

 

Täglich kommen 400 Menschen

Die Kapazitäten der Landeserstaufnehmestellen (LEAs) und der Aufnahmeeinrichtungen der Kommunen sind derzeit außerordentlich belastet. Die LEA verzeichnen aktuell einen Zustrom von über 400 Personen täglich. In den Schulen in Baden-Württemberg müssen in dem gerade begonnenen Schuljahr etwa 35.000 Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine beschult werden. Auf Nachfrage berichtet die Leiterin der Mali-Schule in Biberach von zwei Vorbereitungsklassen im Haus. In diesen beiden Gruppen werden aktuell 33 Schüler und Schülerinnen unterrichtet, davon 20 aus der Ukraine.
Die in Deutschland ankommenden Geflüchteten aus der Ukraine werden nach dem Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer verteilt - rund 13 Prozent der Menschen entfallen dabei auf Baden-Württemberg. 

 

Wie sieht es im Landkreis aus?

Wie aus dem Biberacher Landratsamt Ende September zu erfahren war, kamen seit Jahresbeginn 2.393 Geflüchtete in den Landkreis. Davon konnten 1.116 Personen privat unterkommen. 1.277 Personen wurden dem Landkreis vom Land in die vorläufige Unterbringung zugewiesen. Unter den 1.277 Personen sind 273 Asylbewerber, 59 afghanische Kontingentflüchtlinge, 10 Spätaussiedler  und  937 Geflüchtete aus der Ukraine. Der Landkreis betreibt derzeit kreisweit rund 30 Unterkünfte mit einer Platzzahl von 1.380. Davon sind 1.318 Plätze belegt. Über die Hälfte davon sind ukrainische Vertriebene. Die anderen Plätze sind mit Asylbewerbern und afghanischen Kontingentflüchtlingen belegt. Ukrainische Geflüchtete müssen nicht in der vorläufigen Unterbringung wohnen, sie können sich jederzeit eine private Wohnung anmieten. Anders sieht es bei Asylbewerbern aus, diese müssen zunächst in der vorläufigen Unterbringung wohnen, die ihnen zugeteilt wird. Nach der vorläufigen Unterbringung werden die Geflüchteten den Kommunen im Kreis zur Anschlussunterbringung zugeteilt.
Erstmals seit der Gründung Baden-Württembergs leben hier mehr als elf Millionen Menschen. Der Zuwachs der Bevölkerung liegt einerseits an der Zuwanderung aus Osteuropa und dem Zustrom Schutzsuchender der vergangenen Jahre, aber auch an der gestiegenen Geburtenrate. Allerdings wird laut Statistischem Landesamt das Bevölkerungswachstum in Baden-Württemberg frühestens 2026, spätestens 2035 wieder sinken. Zuwanderung verlangsamt zwar ebenso wie die höhere Geburtenrate, dass unsere Bevölkerung immer älter wird, aber den demografischen Wandel kann sie nicht aufhalten. 

 

Autorin: Andrea Reck

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